Königstein (iba) – Noch sieht alles recht rudimentär aus, man kann sich noch nicht so richtig vorstellen, dass in der neuen städtischen Kita am Hardtberg bald bis zu 136 Kinder durch die Gänge flitzen und Spielzeug von A nach B tragen sollen.
Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko hört aufmerksam zu, als Projektleiterin Jutta Mayer-Haber und Geschäftsführer Christian Prokesch sie durch die noch unfertigen Innenräume führen. Die beiden Architekten der Firma „Herzig Architekten Ingenieure GmbH“ haben alles im Blick – auch das, was hier noch gar nicht zu sehen ist. „Das hier ist dann der Eingangsbereich, nennen wir es mal Eltern-Lounge. Da können die Eltern auch noch mal fünf Minuten warten und sich hinsetzen, wenn sie ihre Kinder abholen. Die Tochter muss sich ja vielleicht noch die Gummistiefel anziehen, der Sohn noch von seinen Freunden verabschieden...“
Kinder von bis zu vier sogenanten Ü3-Gruppen und bis zu drei U3-Gruppen sollen sich hier demnächst durchnavigieren, dazu Erzieher und Erzieherinnen, das Küchenteam (ja, es soll täglich frisch gekocht werden!), Reinigungspersonal, natürlich die Eltern – sie alle werden bei der geplanten Eröffnung nach den Sommerferien 2026 erst einmal eine Zeit lang brauchen, um sich an die neuen Räumlichkeiten zu gewöhnen.
Der Wirbelwind zieht um
Es mutet mitunter ein bisschen so an wie der Film „Inception“ von Christopher Nolan aus dem Jahre 2010. Leonardo DiCaprio und sein Team erschufen sich da ihre eigene Welt, füllten sie nach und nach mit Gebäuden und mit Menschen. Geht man durch die Baustelle am Hardtberg, sieht das alles noch nicht nach viel aus. Aber Christian Prokesch sorgt schon dafür, dass man sich den fertigen Kindergarten gut vorstellen kann. „Das ist ein Hybrid-Gebäude, Beton und Holz werden hier verwendet. Klar, die Decken, die tragenden Innenwände, das ist alles aus Stahlbeton. Aber Holz wird hier genauso verbaut, das kommt an die Außenfassade. Und hier wird massig Energie gespart. Schauen Sie mal da oben, in diesem Freiraum: Da wird dann die Wärme gespeichert.“
Wenn Prokesch mal in Fahrt kommt, kann man ihn kaum bremsen, dann hält er fast ein Referat: „Natürlich haben wir auf der einen Seite die Vorgaben, an die müssen wir uns halten. Dann muss das Ganze in den Flächenschlüssel passen. Aber wir bauen ja nicht nur um des Bauens Willen. Wie viele Gruppen kommen in welche Räume, mit wie vielen Kindern? Das müssen wir ja auch mitplanen: Wie teilen wir die Räume so auf, dass der maximale Nutzen für Kinder und für Erzieher und Erzieherinnen dabei herumkommt? Und die Kinder wollen doch was erleben, die wollen Abwechslung! Darum machen wir das eben so, jedes Geschoss soll eine eigenständige Welt sein.“
Drei solcher Geschosse sind es insgesamt im hufeisenförmig angelegten Gebäude. „Das war schon eine Herausforderung, hier müssen wir nun mal so bauen“, so Jutta Mayer-Haber. „Flach wie ein Billardtisch wäre natürlich einfacher. Aber wir sind hier nun mal im Taunus, also haben wir das Gebäude in den Hang hineingebaut.“
Der Haupteingang wird an der Seite des 1. Obergeschosses sein. „Mit ausreichend Parkmöglichkeiten. Dort werden die Parkplätze für die Autos sein, dann wohl auch mit Ladesäulen für E-Autos. Und hier vorne die Fahrradständer. Außerdem bleibt dann noch ausreichend Platz zum Rangieren, wenn die Kinder von den Eltern mit dem Auto gebracht werden.“ Mayer-Haber gestikuliert und zeigt, noch stehen hier keine Fahrradständer, der Boden ist noch nicht einmal asphaltiert. Aber man merkt ihr an, dass sie vor ihren geistigen Auge schon alles hundertmal durchgespielt hat.
Von 75 Kindern auf (bis zu) 136
Der Kindergarten, errichtet von der „AR Königsteiner Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft mbH“ soll und wird die bisherige Kita an der Eppsteiner Straße ersetzen, der Bau ist in die Jahre gekommen und liegt zudem etwas schwer zugänglich in einer engen Nebenstraße. Dort finden aktuell bis zu 75 Kinder Platz; am neuen Standort sollen es – je nach Gruppengröße und je nachdem, wie viele neue pädagogischen Fachkräfte man noch dazugewinnen kann – bis zu 136 werden, die hier täglich spielen, staunen, toben und essen sollen.
Im Erdgeschoss befindet sich die Technik mit straßenseitigem Zugang von außen. Besonderheit ist die Integration eines BHKWs (Blockheizkraftwerks), welches das neue Wohngebiet Am Hardtberg mit versorgt; zudem stehen Photovoltaikmodule auf dem Dach.
Energieeffizient und klimaresilient
„Damit alleine ist es natürlich nicht getan.“ Prokesch referiert schon wieder, er steht jetzt im Außenbereich des zweiten Obergeschosses und zeigt auf die Solarpaneele. „Man muss nicht nur klimaneutral sein, sondern auch klimaresilient sein. Die vergangenen Sommer waren schon so heftig, die nächsten werden wahrscheinlich noch heißer. Und wenn es dann im August wieder über 30 Grad sind? Da gehen die Kinder ja ein! Teilweise bekommen wir also hier unsere eigene Energie her, die Lüftungsrohre vorhin haben Sie ja gesehen: Wir müssen die Räume vernünftig klimatisieren können. Und die Außenjalousien haben wir ja auch noch. Heizen im Winter werden wir mit der Anlage unten, die mit Gas und Pellets betrieben wird.“ Und isolieren, dazu dienen auch die Holzelemente an der Fassade („Imprägnierte Lärche!“, so Mayer-Haber).
Während der Führung durch das Gebäude wird gebohrt und geschuftet, der Mann in dem Overall achtet auf alles und jeden, während er sein Kabelsammelsurium sortiert („Passen sie mit dem Kopf auf, da am Gerüst ist es ein bisschen eng“). Die Bauarbeiter sind auch am Samstag im Einsatz und schieben Sonderschichten, der Zeitplan will schließlich eingehalten werden, insgesamt über 4.500 Quadratmeter müssen hier bebaut und bearbeitet werden. Das Erdgeschoss, das für den U3-Bereich vorgesehen ist, das erste und zweite Obergeschoss für die Ü3-Gruppen, Besprechungsräume, Pausenräume, Gemeinschaftsräume, Sanitäranlagen, Wasserleitungen, Stromkabel, Internet, Isolation, Fußböden – es steht noch jede Menge auf der To-Do-Liste, alles muss abgearbeitet werden, ohne das pädagogische Konzept zu vernachlässigen. Das Miteinander soll hier gefördert werden.
„Hier haben wir so eine Art Verbindungsraum, von dieser Gruppe aus kann man dort hindurch, hier können dann die Kinder aus zwei Gruppen miteinander spielen, wenn sie wollen.“ Kita-Leiterin Carmen Perez-Costa muss im neuen Domizil nicht nur jede Menge Kinder unter einen Hut bekommen, sondern auch dafür sorgen, dass diese ausreichend betreut sind. Pädagogische Fachkräfte werden weiterhin gesucht, auf der Website der Stadt Königstein sind die Stellen schon länger ausgeschrieben (https://www.koenigstein.de/rathaus-politik/verwaltung-politik/karriere/k...). Außerdem wird es am 20. Februar 2026 einen zweiten Bewerbertag geben, an dem man auch die neue Kita besichtigen kann – an der weiterhin beständig gebaut wird.
„Bezugsfertig in den Sommerferien 2026, das ist der Plan“, so Bürgermeisterin Schenk-Motzko. Erst hatte die Stadt überlegt, den Umzug in die Osterferien zu legen, das würde aber zu knapp. „So haben wir und haben die Eltern ein bisschen mehr Luft“, ergänzt Mayer-Haber, „dann wird die Kita in der Eppsteiner Straße wohl für eine Woche zumachen. Und dann wird umgezogen.“ Aufräumen und Ausräumen steht dann auf der Tagesordnung, in all den Jahren und bei der Vielzahl von Kindern hat sich wohl einiges angesammelt. Wie reibungslos der Umzug in die neuen Räumlichkeiten dann gelingen wird? Eltern, Kinder und Erzieher bleiben gespannt!





