Wirksam, professionell, nachhaltig gegen Kinderarmut: Childaid Network berichtet über gutes Jahr 2018

Bildung ist der Schlüssel für eine Perspektive dieser Schülerinnen aus ärmsten Regionen

Foto: privat

Königstein/Kronberg (kw) – „Kinderarmut in unserer Zeit ist nicht akzeptabel“, ist Dr. Martin Kasper überzeugt. Seit zwölf Jahren ist es dem Gründer und ehrenamtlichen Vorstand der Königsteiner Stiftung „Childaid Network“ eine Herzensangelegenheit, Kindern und Jugendlichen in den ärmsten Regionen Südasiens, in Nordost-Indien, Nepal, Nord-Bangladesch und Myanmar, durch Zugang zu Bildung und Berufsausbildung einen Weg aus dem Teufelskreis der Armut in eine selbstbestimmte Zukunft zu eröffnen. Jüngst stellte er zusammen mit seinen ehrenamtlichen Vorstandskollegen Michael Legeland und Dr. Ute Nieschalk die Ergebnisse der Arbeit der Stiftung im abgelaufenen Kalenderjahr 2018 und den neuen Geschäftsbericht der Öffentlichkeit vor.

Erschütternde Kinderarmut weltweit

„In des Menschen Hand liegt die Kraft, alle Formen der menschlichen Armut […] zu beseitigen.“ Mit diesem Zitat aus den 1960er Jahren von John F. Kennedy beginnt der Jahresbericht von Childaid Network über das letzte Geschäftsjahr. 2018 wurden 152 Millionen Kinder weltweit als Arbeitssklaven missbraucht. 263 Millionen Kinder gingen nicht zur Schule – schlimmer noch, laut jüngsten Studien der UNESCO lernen jeder zweite Junge und jedes zweite Mädchen nicht einmal lesen und rechnen, weltweit insgesamt 617 Millionen Kinder. In den abgelegenen Bergregionen Nordost-Indiens, der Hauptprojektregion der Stiftung Childaid Network, wo bis zu 90 Prozent der Erwachsenen Analphabeten sind, sterben auch heute noch vier von zehn Kindern vor dem fünften Lebensjahr.

Bildung ist der Schlüssel

Bildung für alle könnte das verhindern. „Bildung ist die beste Waffe gegen Armut und Krankheit“, weiß Dr. Kasper. „Es ist erwiesen, dass jedes zusätzliche Jahr Schulbesuch das Leben eines Mädchens um zwei bis drei Jahre verlängert und die Sterblichkeit ihrer Kinder halbiert.“ „Unsere Vision ist es, dass jedes Mädchen und jeder Junge zur Schule gehen darf,“ betont Dr. Ute Nieschalk, selber Mutter von zwei nun erwachsenen Kindern. „Gute Bildung hilft den Kindern, ihre Talente zu entfalten, neben Fertigkeiten auch Selbstbewusstsein zu entwickeln, und fördert nachweislich Frieden und Demokratie, wie uns Professor Dr. Gesine Schwan in einem eindrucksvollen Vortrag im Februar darlegen konnte“, führt sie weiter aus.

Starkes Wachstum 2018

Michael Legeland, der Finanzvorstand der Stiftung, stellt die beeindruckenden Zahlen der Stiftung von 2018 vor. Die Einnahmen sind um fast 50 Prozent auf über 2,4 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Überwiegend sind dies Spenden von Privatpersonen und Firmen. Aber auch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat drei große Projekte der Stiftung mit insgesamt etwa 350.000 Euro gefördert. Großspender und Förderstiftungen, die die wirksame Implementierungsarbeit von Childaid Network schätzen, stellen durch Vermächtnisse, Zustiftungen und zweckgebundene Fördermittel einen wachsenden Anteil an den Einnahmen. Viele Aktionen von Vereinen, Schulen und Partnern im Rhein-Main-Gebiet füllen nicht nur die Projektkasse, sondern verbessern auch die Bekanntheit des noch jungen Kinderhilfswerkes.

Sparsame Kostenstrukturen

Auf der Ausgabenseite hat Childaid Network 1,62 Millionen Euro in etwa 30 große Projekte für über 30.000 Kinder und Jugendliche in Südasien investiert. „Dank des großen ehrenamtlichen Engagements in unserem wachsenden Team brauchten wir nur 6,58 Prozent unserer Einnahmen für Verwaltung, Spenderbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit, 93,42 Prozent stehen also für die Projekte zur Verfügung“, berichtet der Finanzvorstand stolz. „Da der größte Teil der Einnahmen aber erst zum Jahresende eingeht, können wir vieles erst im Folgejahr an die Partner überweisen“, erklärt er den Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben. Mit fast 750.000 Euro floss der größte Teil der Projektmittel erneut in Schulprojekte, aber auch die Ausgaben für Straßenkinder mit fast 400.000 Euro und Berufsbildung mit über 440.000 Euro sind 2018 erneut deutlich gewachsen. Bereits am 25. März haben die Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss testiert, die Stiftung trägt auch seit Jahren das DZI-Spendensiegel der besten Kategorie für besonders sparsame und wirksame Strukturen.

Dank an die Spender

„Das wachsende Vertrauen unserer Förderer, Sponsoren und Spender, das sich in diesen Zahlen zeigt, ehrt uns sehr und wir sind sehr dankbar für die Begleitung und Unterstützung,“ meint Dr. Kasper. „Wichtig ist uns, dass wir mit diesen Beiträgen wirksam etwas Bleibendes für die bedürftigen Kinder bewirken und damit dieses Vertrauen rechtfertigen.“

So hat Childaid Network seit 2013 in den ärmsten Stadtteilen Guwahatis 45 Nachbarschafts-Brückenschulen für Straßenkinder eingerichtet, in denen Lehrer und Sozialarbeiter die Slumkinder unterrichten, die bisher nicht in die Schule gingen. Hier lernen sie sich täglich zu waschen, bekommen eine warme Mahlzeit und werden behutsam an die Schule herangeführt. Bis Ende 2018 konnten auf diese Weise 2.800 Kinder ins reguläre Schulsystem integriert werden – und weitere 3.500 wurden über Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung in einen regulären Arbeitsprozess eingegliedert.

Ursula Karven, Schauspielerin und Botschafterin von Childaid Network, die dieses Programm schon 2017 besucht hat und in der „Ein Herz für Kinder“ - Gala im Fernsehen vorstellte, schildert ihre Eindrücke: „In Assam habe ich die unbeschreibliche Armut der Kinder persönlich erlebt. So darf kein Kind leben! Aber ich bin beflügelt zurückgefahren, weil die Organisation Childaid Network so einen unfassbar guten Job macht. Sie holt die Kinder vom Müllberg und aus den Slums, bringt sie in Kinderzentren und fördert sie nachhaltig.“

Nachhaltige Bildungsinitiativen

„Wir geben keine Almosen, sondern wollen durch Bildung das Leben der Kinder und Jugendlichen von Grund auf verändern“, so der Stiftungsgründer. Dabei arbeitet Childaid Network eng mit den Dorfgemeinschaften zusammen. „Wir übernehmen keine staatlichen Aufgaben wie die Einrichtung oder den Betrieb von Grundschulen, sondern haben Abendschulen für 13- bis 20-Jährige eingerichtet, die bisher keine Schule besuchten. In drei bis vier Jahren entwickelten sie sich zu selbstbewussten jungen Menschen, die auf der Bühne selbst erdachte Sketche in englischer Sprache aufführen und bald Führungsrollen in ihren Dörfer übernehmen können.

„Unser Ziel ist es, uns und unsere Arbeit auf Dauer überflüssig zu machen“, meint Dr. Kasper. Das ist mittlerweile in 400 Dörfern gelungen, in denen die Schulen auf Vordermann gebracht und die Lehrer mit Hilfe der Königsteiner Stiftung fortgebildet wurden. Rund 25.000 Jugendliche wurden mit Hilfe von Childaid Network inzwischen so nachträglich alphabetisiert, tausende zehn- bis zwölfjährige Mädchen und Jungen wurden in Intensivkursen innerhalb eines Jahres so weit gebracht, dass sie in die Regelschulen integriert werden konnten, und für die vernachlässigten Kleinkinder in den abgelegenen Bergdörfern gibt es jetzt mehrere hundert Kinderzentren, in denen sie nach der Montessori-Pädagogik gefördert werden.

Der Fernsehmoderator und Botschafter von Childaid Network Mitri Sirin äußert sich dazu so: „Ich bin sehr dankbar, dass ich im Herbst 2018 als Botschafter viele unserer Projektgebiete bereisen durfte. Eine Reise, die mir nicht nur die Augen geöffnet und gezeigt hat, unter welchen Umständen Kinder dort aufwachsen und sich durchschlagen müssen, sondern die auch Bestätigung und Antrieb ist für mein zukünftiges Engagement. Was Childaid Network bewirkt, konnte ich aus nächster Nähe erfahren und daraus ist ein intensives Gefühl erwachsen. Ein Gefühl, das uns alle trägt und das heißt: Hoffnung.“

Umfassende Qualifizierung

Da Lesen und Schreiben aber nicht satt machen, bildet Childaid Network in über 300 Berufsbildungszentren jedes Jahr über 3.000 Jugendliche in 20 Berufen aus und in den abgelegenen Camps helfen 160 Lehrer über 5.300 Flüchtlingskindern Lesen und Schreiben zu lernen. In den Waisenheimen, die von der Stiftung und ihren Partnern vor Ort betreut werden, sind inzwischen 88 Kinder erwachsen geworden. 86 von ihnen sind erfolgreich in Studium und Beruf.

Persönliche Betreuung

Regelmäßig fliegt Dr. Kasper selber in die Projektregionen und überzeugt sich vor Ort von den Fortschritten. Ein deutscher Projektkoordinator, der von einem Sponsor finanziert wird, koordiniert die Partner seit drei Jahren in Nordostindien. Auch in Nepal wirken derzeit zwei Freiwillige in der Projektregion. „Wir verbünden uns mit starken Partnern, die mit den Menschen eng verbunden sind und arbeiten mit ihnen auf Augenhöhe. Sie können unsere Visionen korruptionsfrei umsetzen, weil sie die Nöte der Menschen kennen, eigene Netzwerke haben und wissen was hilft. Aber wir lassen sie nicht allein – sondern motivieren und begleiten sie. Wir überweisen nicht nur Geld, sondern sind auch mit Expertise und Beratung präsent – und bauen persönlich Brücken zwischen den Welten,“ erklärt Dr. Kasper die besondere Arbeitsweise der Organisation.

Ausblick auf 2019

Die gute Kassenlage zum Jahresende macht es möglich, dass Childaid Network 2019 seine Arbeit weiter ausweitet. In Nordbangladesch, angrenzend zu den Projektregionen im westlichen Assam, ist bereits ein Programm gestartet, das 80 staatlichen Grundschulen mit mehr als 18.000 Schülern helfen soll, die Qualität der Bildung zu verbessern. Auch in den Bergen von Nordmyanmar, benachbart zu den Projektregionen in Manipur und Arunachal Pradesch, werden die erfolgreichen Projektkonzepte für die Bildung der Dorfjugend nun angeboten. „Dadurch wollen wir auch die Migration der Menschen weg aus ihrer Heimat bremsen,“ betont Dr. Kasper. „Wenn wir den Menschen in ihren Ländern helfen, ein Leben in Selbstbestimmung und Würde zu leben, begeben sie sich nicht auf den langen Treck in den Westen.“

Den neuen Geschäftsbericht und weitere Informationen finden Interessierte unter www.childaid.net

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