Aus zwei mach eins: Die evangelischen Gemeinden in Königstein und Schneidhain wollen fusionieren

Der Veränderungsprozess der evangelischen Kirche macht auch vor Königstein und Schneidhain nicht Halt. Foto: Beyer

Königstein (rb) – Die Mitglieder der Evangelischen Immanuel-Gemeinde waren am vergangenen Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst zu einer Gemeindeversammlung eingeladen. Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer informierte die Anwesenden über die zukünftige Entwicklung der Gemeindearbeit in Königstein und Umgebung, insbesondere die anstehende Fusion der Königsteiner und Schneidhainer Kirchengemeinden.

Kirchen in der Krise

Die evangelische Kirche befinde sich bereits seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, erklärt Stoodt-Neuschäfer. „Überall sind die Mitgliederzahlen rückläufig.“ Deutschlandweit würden in den Kirchengemeinden weniger Menschen geboren und getauft als beerdigt. Die Kirche nehme somit einen direkten Anteil an der demografischen Entwicklung der Bevölkerung. Der daraus zu erwartende Rückgang der Kirchensteuermittel, die für ein lebendiges Gemeindeleben und die Gehälter der hauptamtlichen Kirchenvertreter notwendig seien, mache der Kirche ebenso zu schaffen wie der innerkirchliche Fachkräftemangel, der durch das einsetzende Ausscheiden vieler Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Dienst verstärkt werde. „Alle Kirchengemeinden sehen sich also diesem mehrfachen Druck ausgesetzt. Das nennt man eine Krise“, so die Pfarrerin

ekhn2030

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, habe die Synode der evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau nun einen Veränderungsprozess mit dem Namen ekhn2030 in Gang gesetzt. Dessen Ziel sei es, die Zahl der Pfarrstellen und der verfügbaren Pfarrerinnen und Pfarrer bis 2030 der Zahl der dann noch bestehenden Gemeinden anzupassen. Dieser Vorgang erfordere einen engeren Zusammenschluss einzelner Kirchengemeinden in sogenannten Nachbarschaftsräumen, um die gemeinsame Arbeit in Kooperation auch auf Dauer leisten zu können. Die gute Nachricht sei zwar, dass evangelische Kirchengemeinden als Körperschaften öffentlichen Rechts nicht von oben zwangsfusioniert werden könnten, allerdings entbinde dies die Gemeinden nicht von der Pflicht, sich über die zukünftige Gestaltung der Kirchenarbeit Gedanken zu machen. Auch die Königsteiner Gemeinde sei in den letzten Jahrzehnten von ehemals 3.000 Mitgliedern im Jahr 1991 auf gegenwärtig 1.840 Mitglieder geschrumpft, so Stoodt-Neuschäfer.

Nachbarschaftsraum Taunusbogen

Wie bereits im Gemeindebrief und diversen Zeitungsartikeln in den vergangenen Monaten zu lesen war, wurde deshalb auch im Königsteiner Umfeld ein solcher Nachbarschaftsraum gebildet. Diese neue Arbeitsgemeinschaft, die aus insgesamt sieben verschiedenen Kirchengemeinden im Raum Königstein, Kronberg und Glashütten besteht und den Namen Taunusbogen trägt, soll die künftige Zusammenarbeit der beteiligten Gemeinden verbessern und die gemeinsame Verwaltung der Personalstellen organisieren. Stoodt-Neuschäfer betonte dabei, dass das Ziel des Gremiums keine „Riesenfusion“ sei, sondern im Gegenteil die Gewährleistung der zukünftigen Selbstständigkeit der einzelnen Gemeinden.

Deshalb werde es beispielsweise zwar ein zukünftiges gemeinsames Gemeindebüro in Kronberg geben, aber es bestehe die Möglichkeit, eine Außenstelle des Gemeindebüros in Königstein beizubehalten. Um die künftige Zusammenarbeit der Kirchenvorsteher innerhalb des Nachbarschaftsraums und der Gemeinden weiter zu erleichtern, hätten sich die drei Kronberger Gemeinden Oberhöchststadt, Schönberg und Kronberg dennoch dazu entschieden, mittels einer Fusion eine Gesamtgemeinde zu bilden.

Gesamtgemeinde Königstein

Auch die Königsteiner Immanuel-Gemeinde mit ihren 1.840 Mitgliedern und die evangelische Kirchengemeinde Schneidhain mit rund 600 Mitgliedern hätten sich deshalb dazu entschlossen, eine solche Gesamtgemeinde Königstein zu bilden, um ihren Beitrag zur Zielsetzung der Synode zu leisten, so Stoodt-Neuschäfer. Die Kirchenvorstände beider Gemeinden hätten bereits ihre feste Bereitschaft erklärt, einen dafür notwendigen Fusionsvertrag zu schließen, an dem nun gearbeitet werde und der möglichst noch vor Ostern 2026 geprüft und unterschrieben werden solle. Die neue Gemeinde werde einen gemeinsamen Haushalt haben und aller Voraussicht nach den Namen Evangelische Kirchengemeinde Königstein im Taunus tragen, wobei über den Namen noch nicht abschließend entschieden worden sei. Beibehalten würden dabei sowohl die Namen der zwei Kirchengebäude, der Evangelischen Immanuelkirche in Königstein und der Johanneskirche in Schneidhain, sowie die Existenz zweier unterschiedlicher Seelsorgebezirke und die Fortführung regelmäßiger Gottesdienste in beiden Stadtteilen auch über das Jahr 2030 hinaus.

Halbe Pfarrstelle wird entfallen

Weiterhin offen seien allerdings die Fragen, wie die Gemeindearbeit fortgeführt werde, welche Schwerpunkte aufrechterhalten werden sollen und welches Profil die zukünftige Gesamtgemeinde im Nachbarschaftsraum Taunusbogen habe. Eng verknüpft damit sei die Frage nach der personellen Ausstattung der Gemeinde. Die Pfarrstelle in Königstein, die von Katharina Stoodt-Neuschäfer noch voraussichtlich bis Mai 2027 besetzt sein wird, sei dabei auch auf längere Zeit sicher. Die halbe Pfarrstelle in Schneidhain, die derzeit Léandre Chevallier innehat, sei allerdings begrenzt auf das Jahr 2029. Nach dem Wegfall dieser Stelle werde die künftige Gemeinde somit nur noch eine Pfarrstelle haben.

Bis zu diesen jeweiligen Daten seien die beiden aber weiterhin als Ansprechpartner verfügbar. Es gelte nun zu entscheiden, in welcher Form man die Traditionen beider Gemeinden, wie die Königsteiner Kirchenmusik und den lebendigen Adventskalender in Schneidhain, auch in Zukunft erhalten könne. An der zentralen Rolle der Kirchenmusik innerhalb der Gemeinde werde sich aber nach dem Willen des derzeitigen Kirchenvorstands in Königstein auch zukünftig nichts ändern.

Es gebe dennoch viel Potenzial für effizientere Zusammenarbeit, beispielsweise beim Konfirmandenunterricht, dem Gemeindebrief oder künftigen gemeinsamen Projekten. Der Fusionsgruppe sei es dabei aber trotzdem wichtig zu betonen, dass in diesem Prozess die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden. Es gehe nun darum, den Blick beider Kirchenvorstände und ihrer Gemeindemitglieder für die jeweils andere Gemeinde zu öffnen und somit eine bessere Zusammenarbeit zu ermöglichen, erklärt Stoodt-Neuschäfer. Wenn das Vorhaben gelingt, werde die Fusion zum 1. Januar 2027 vollzogen. Ein gemeinsamer Fusionsgottesdienst sei momentan für den Dezember 2026 geplant.

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