Zwei neue Bücher zur Königsteiner Demokratiegeschichte erschienen

Autor Christoph Schlott an historisch passender Stelle: dem Stoltze-Plätzi im Königsteiner Billtal. Der dortige Gedenkstein von 1868 wäre dann wohl das 16. Objekt Königsteiner Demokratiegeschichte im nächsten Museumsheft.Foto: Christina Voigt

Königstein (kw) – Das Museumsheft Nr. 16 des Vereins für Heimatkunde Königstein, in dem erste 15 Objekte zur Königsteiner Demokratiegeschichte vorgestellt werden, und das Lesebuch „Königstein bildet eifrig Freyheitssöhne“ sind soeben erschienen.

Im Königsteiner Museumsheft geht es um reale Objekte der Königsteiner Demokratiegeschichte, darunter eine Zuckerdose aus dem „Haus der Länder“ aus der Sammlung Krönke-Historia, ein bisher unbekannter Brief Friedrich Stoltzes aus der Sammlung des Vereins für Heimatkunde und eine Ablichtung der Demokratieplakette auf der Festungsruine Königstein.

Letztere ist ein Resultat des Bemühens Königsteiner Bürger aus dem Jahr 1993, auf der Festungsruine auf das Gefängnis der ersten Demokraten hinzuweisen, damals vor allem getragen vom kürzlich verstorbenen Königsteiner Dr. Joachim Hetze und Brigitte Oswald-Mazurek, die sich ja auch in zwei selbst geschriebenen Romanen über die Zeit der Französischen Revolution in Königstein engagiert hat. Die Plakette des Jahres 1993, die heute in einer Wand in der historischen Küche der Ruine eingelassen ist, belegt, dass es schon vor 33 Jahre beherzte Königsteiner gab, die sich – heute deutlich sichtbar – die Freiheit herausnahmen, die Festungsruine als Ort der Demokratiegeschichte auszumachen und zu kennzeichnen. Diese Plakette wiederum gab 2016 den konkreten Anstoß für den Neuen Königsteiner Kreis e.V., der Geschichte des Gefängnisses der ersten Demokraten genauer nachzugehen. Das Resultat ist bekannt: Dutzende Publikationen belegen, wie genau inzwischen die Geschichte des Gefängnisses erforscht wurde. Die kürzlich verliehene Plakette der Bundesstiftung zum „Ort der Demokratiegeschichte“ bestätigt, was Königsteiner längst festgestellt hatten.

Vom Neuen Königsteiner Kreis e.V. bereits 2021 zum ersten Mal herausgegeben und nun in einer zweiten, verbesserten und ergänzten Auflage erschienen: das etwa 100 Leseseiten umfassende Buch „Königstein bildet eifrig Freyheitssöhne“, so betitelt nach einem Zitat der wohl prominentesten politischen Gefangenen auf der Festung Caroline Böhmer, spätere Schelling. Mehr als ein Dutzend Zeitzeugen kommen in Briefen, Berichten und Tagebucheintragungen zu Wort, darunter so illustre Persönlichkeiten wie eben Caroline Schelling, Wilhelm von Humboldt oder Felix Anton Blau, auch Georg Forster ist mit einem Brief zitiert.

Gegenüber den heute vielfach recht ungenauen Zahlen zu den Inhaftierten hatte Pfarrer Turin bereits im Mai 1793 von 300 Gefangenen gesprochen. Die Details, die man in dieser Auswahl aus der Flut der zeitgenössischen Quellen erfährt, sind erstaunlich: Sie reichen von den ungeliebten Flöhen im Verlies bis zum Bericht über die Auflösung des Gefängnisses am 21. September 1795. Den wiederum gibt es, genauso wie einen Film zur Mainzer Republik insgesamt, seit wenigen Tagen auch als Film bei Youtube zu sehen, sofern man das Schlagwort „Digitales Museum Königstein“ aufruft.



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