Mammolshain (as) – Wer hat das beste „Stöffsche“ der Region? Mammolshains Apfelweinkönig zu sein zählt was in der Szene der Hobbykelterer. Seit 1990 wird der Wanderpokal im Rahmen des Apfelblütenfests am 1. Mai vergeben, in diesem Jahr hatten 38 nicht-kommerzielle Anbieter ihre Probe beim Obst- und Gartenbauverein Mammolshain abgegeben. „Es war eine sehr hochwertige Prämierung“, sagte der 2. Vorsitzende Johannes Schießer als Teil der Jury. Bis auf zwei, drei Proben, die nicht gut rochen, wurden alle am Dienstag vergangener Woche von ihm und den Vorstandskollegen Jürgen Petry und Uwe Otto mit der „Vereinsjury“ verkostet. Das Feld war so eng, dass es dieses Mal sogar zwölf statt nur zehn Apfelweine ins große Finale drei Tage später schafften und vor der Expertenjury aus Stefan Herberth, Christian Immel, Mike Dawes, Werner Anthes und Schießer bestehen mussten. „Wir haben mehrfach nachprobiert auf den Plätzen eins bis vier“, berichtete Schießer, so eng sei die Entscheidung gerade in der Spitze gewesen.
Bevor der Vorhang gelüftet und die Entscheidung verkündet wurde, berichtete Schießer noch von den weiter ausgebauten Aktivitäten des Vereins. Sieben Hektar Streuobstwiesen bewirtschaftet der Verein ehrenamtlich für die Stadt, dazu 15 Hektar Edelkastanienfläche, die sich teilweise in Privatbesitz befinden und dem Ort vor 20 Jahren offiziell den Beinamen „Edelkastaniendorf“ beschert haben. Schießer berichtete von einer neuen Jugendgruppe, die rund um die Kerbeborsch und -mädels aufgebaut wird und aus dessen Mitte es Georg Schlegel schon in den Vorstand des Vereins gebracht hat. „Wir wollen vermitteln, was aus einem Apfel werden kann“, so Schießer. Letztlich gehe es aktuell darum, junge Bäume nachzupflanzen und „eine Kulturlandschaft nachhaltig zum Wachsen zu bringen“.
Mit das Beste, was ein Apfel werden kann, ist ohne Frage ein guter Ebbelwoi. 80 Punkte sind maximal zu erreichen, vor zwei Jahren streifte Bernhard Bunte mit 79 Punkten dieses Traumergebnis. In die Top 12 schafften es unter anderem Keltermeister Jürgen Petry als Elfter und der frühere Falkensteiner Apfelweinkönig und Erster Stadtrat Jörg Pöschl als Zehnter. Die Vorjahressieger, die Keltergemeinschaft Hildmann/Otto, schafften es dieses Mal auf Platz fünf mit 67 Zählern, knapp davor lag der Schoppen von Bernhard Bunte mit 67,7 – aber zu den Top 3 war es nochmal ein Sprung. Dritter wurde Harald Lux mit 72,2 Punkten, knapp geschlagen von Michelle Bunte mit 72,8 Punkten. Und der ganz deutliche Apfelweinkönig 2026 mit 78,2 Punkten heißt Christian Sittinger und kommt aus Kronberg. Da er durch Schichtarbeit verhindert war, hatte sein Vater Manfred die Ehre und den Auftrag, den mehr als zehn Kilogramm schweren Pokal über die Felder mit nach Hause zu transportieren. Der Gewinner hat seine Bäume im Talweg stehen, also im Thäler Weg ganz nahe am Kronthal. Also fast ein Heimsieg. Der siegreiche Äbbelwoi stamme aus einer bunten Mischung aus Kelter- und Tafeläpfeln, innergärig ausgebaut im Kunststoffbehälter – eine Methode, die sich durchzusetzen scheint. Und der Gewinner hatte wie sein Vater separat erstmals am Wettbewerb teilgenommen. Da müssen sich die Mammolshainer künftig „warm“ anziehen.
Michelle Bunte ist da sogar erfahrener, wenn auch erst 28 Jahre alt. Vor zwei Jahren schon Vierte, schaffte sie es diesmal sogar, ihren Opa abzuhängen, von dem sie angelernt wurde, wie sie sagt, aber längst ihr eigenes Ding respektive Stöffsche macht – im Übrigen klassisch im Glasballon. Opa konnte gönnen, hatte er doch vor kurzem schon einen Wettbewerb in Nieder-Wöllstadt gewonnen. „Mein Name steht ja schon sechs Mal drauf“, zeigte Bunte auf den Pokal. Im nächsten Jahr werden es beide bestimmt wieder probieren, den Namen zum siebten Mal eingravieren zu lassen. Und ganz viele werden dagegenhalten wollen bei einem Wettbewerb, der Kultcharakter genießt am 1. Mai und fast schon so umkämpft ist wie der Radklassiker.


