Königstein (as) – Die Neugestaltung der Stadtmitte geht in ihre zweite Phase. Parallel zu den Arbeiten in der Konrad-Adenauer-Anlage und am Kanal in der Hauptstraße ist in dieser Woche auch die Baustelle im Kurpark geöffnet worden. Sie ist seit Montag zwischen Kurparkbrunnen und dem Spielplatz am Rathaus und bis hinab zum Schweizer Haus gesperrt, die Arbeiten selbst werden in der kommenden Woche beginnen. Der Spielplatz und die Halfpipe sind über den Rathausvorplatz weiterhin erreichbar. Die Durchgänge von der Stadtmitte/Kapuzinerplatz und von der Fußgängerzone aus bleiben geöffnet. Im Oktober wird die Sperrung dann noch einmal ausgeweitet. Für den Einbau der großen 460 Kubikmeter-Zisterne auf dem Platz zwischen Kur- und Stadtinformation und der Villa Borgnis wird dann ein weiterer Bauzaun nach der KuSi eingezogen. Bis zum Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende soll aber zumindest der obere Teil des Parks wieder offen sein, um eine durchgängige, stimmungsvolle Verbindung der Buden vom Kapuzinerplatz, neu durch die Fußgängerzone, in den Kurpark bis hinauf zum Rathausvorplatz zu gewährleisten.
Was passiert im ersten Schritt im Kurpark? Darüber informierte die Stadt zusammen mit der Planungsfirma Viaverde aus Kronberg in der vergangenen Woche. Die Umgestaltung orientiert sich zum einen am historischen Vorbild der Parkgestaltung aus dem 19. Jahrhundert des Frankfurter Gartenarchitekten Franz-Heinrich Siesmayer (1817–1900). Im sogenannten Herzogseck, das ist das heute auf zwei Seiten mit Blumenbeeten begrenzte Dreieck zwischen dem Kurhausbrunnen und dem Rathaus, wird ein neuer Querweg eingezogen, der auch neue Blickachsen in Richtung Taunuskamm ermöglichen wird. Statt Wechselbepflanzungen werden auf der Fläche Staudenbeete angelegt. Zum anderen werden mehr als 100 neue klimaresiliente „Zukunftbsäume“ neu gepflanzt, es entstehen Wiesenornamente mit blühenden Blumen, und durch Modellierungen des Geländes werden grüne Mulden (nicht vergleichbar mit Retentionsbecken im Wald) eingebracht, die überschüssiges Niederschlagswasser aufnehmen und es über das Gefälle langsam in den umgebenden Untergrund abgeben. Sie sind so dimensioniert, dass sie auch ein „30-jähriges Regenereignis“ auffangen können.
Eine Flutung der Siedlung bei Starkregenereignissen, wie bereits geschehen, soll also weitgehend ausgeschlossen werden. Dazu tragen auch neue barrierefreie Querrinnen auf allen Wegen, die das Oberflächenwasser in die Grünflächen ableiten, bei. Diese in den Gefällebereichen bislang asphaltierten Wege erhalten so wie im zentralen Kurpark eine lose Decke mit Split, das auf dem Asphalt aufzubringende Epoxidharz soll verhindern, dass der Split weggespült wird.
Die neu zu pflanzenden Bäume sollen, so der Plan, weniger Wasser benötigen und im „Idealfall auf eigenen Beinen stehen, sodass gar nicht mehr gewässert werden muss“, erklärte die projektverantwortliche Gartenarchitektin Ingeborg Schlimme von Viaverde. Gerd Böhmig, Fachbereichsleiter Planen, Umwelt, Bauen bei der Stadt Königstein, hatte bereits zuvor beschrieben, in welch extremem Umfang die Pflege des Baumbestandes in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Eine dreiköpfige Kolonne kümmere sich ausschließlich um die Baumpflege, häufig müssen Hitzeschäden beseitigt, dürre Äste und Zweige ausgeschnitten werden.
Natürlich wird wegen neuer, hitzeresistenterer Bäume nicht der gesamt Park ohne Bewässerung auskommen. Das weiterhin für den Baumbestand, die Beete und das neu entstehende Kneipp-Tretbecken benötigte Wasser soll bekanntermaßen hauptsächlich vom (gereinigten) Spülwasser des Kurbades sowie weiterem gesammelten Oberflächenwasser stammen und wird über den historischen Verlauf des Höhenbach durch die Adelheidstraße, über den neu zu gestaltenden Ellasprudel (s. Seite 5) und über Zwischenspeicherungen in mehreren Zisternen zur Bewässerung in die Konrad-Adenauer-Anlage und weiter bis in den Kurpark geleitet.
Für diese sogenannte grün-blaue Infrastruktur erhält die Stadt eine Förderung in Höhe von 4,99 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm – und diese ist offiziell bis Ende 2027 befristet, sodass dieser gesamte Block im Rahmen der Innenstadtneugestaltung auch in diesem Zeitrahmen abgeschlossen werden soll. Das Klimawäldchen, das auf dem heutigen Parkplatz 1 entsteht, und die weiteren „grünen“ Maßnahmen, unter anderem auch mit einem neuen „Rosengärtchen“ in der Stadtmitte, werden erst danach in Angriff genommen, wenn auch die Tiefgarage und der neue Busbahnhof in Betrieb gegangen sind und der P1 verzichtbar wird.
Gartendenkmalbehörde im Boot
Gerd Böhmig, Freiraumplaner Johannes Wolf und Kollegin Ingeborg Schlimme von Seiten Viaverdes erklärten auch ausführlich, wie die verschiedenen Ziele und angetroffenen Bedingungen im Kurpark in Einklang gebracht werden sollen. Wolf schickte voraus, dass sich die Planer an die Vorgaben der Gartendenkmalbehörde in Wiesbaden und das Parkpflegewerk zu halten haben. Dieses sei aber im Zuge des Klimawandels überarbeitet worden, zudem sei die Auswahl an Bäumen im 19. Jahrhundert „sehr viel freier“ gewesen. „Das gibt uns mehr Freiheiten, mit Baumarten und Formsprachen zu spielen“, so Wolf.
So werden künftig mehr nicht-heimische „Zukunftsbäume“ etabliert, die zum Teil schon seit 25 Jahren getestet werden und sich als geeignet in Zeiten des Klimawandels erwiesen haben. Es gebe eine gute Auswahl in Wuchsform und Größen. Namentlich genannt wurden die Zerreiche (ungarische Eiche), der Feldahorn und nicht-heimische Buchenarten. Auch die Felsenbirne und Traubenkirsche sind denkbar. Teilweise werden die bestehenden Bäume durch „Unterpflanzungen“ ergänzt, die Bäume sollen auch als Nahrungsquelle und Nistplatz für Vögel und andere Tiere ihre Funktion erfüllen und insgesamt - wie auch die Bodenbepflanzung – die Biodiversität im Kurpark fördern. Grundsätzlich habe sich an der von der Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr beschlossenen Planung nichts verändert, man gehe nun halt in die nächste Leistungsphase über, ergänzte Böhmig.
Ein Thema, das die Stadt und auch die Politik gespaltet hat, waren die erheblichen Baumfällungen im Frühjahr. Nachdem im Kurpark bisher vor allem „abgängige“ Bäume zum Zwecke der Verkehrssicherheit entnommen werden mussten, sind weitere Baumfällungen im Zuge der Neugestaltung nicht mehr geplant, stellte Böhmig klar. Doch es könnte notwendig werden. So verhieß der Blick der Experten bei der Begehung auf die große Buche vor der Villa Borgnis nichts Gutes. Der Hitzesommer hat weitere Schäden verursacht, die vor einem halben Jahr noch nicht sichtbar waren. Eine Hälfte des Baums trägt nur noch wenige verdorrte Blätter, der Baumstamm ist damit schutzlos der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was speziell Buchen nicht vertragen. Dieser Baum steht also unter Beobachtung.
Der älteste Baum im Kurpark ist mit mindestens 250 Jahren im Übrigen die Esskastanie, die innen schon einmal gebrannt hat, die sich aber prächtig erholt hat. Die Art – und hoffentlich das Exemplar selbst auch – gilt als „Baum der Zukunft“. Die nächstälteren Bäume sind die beiden Mammutbäume. Sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzt, als der Kurpark noch ein privater Landschaftspark war. Ein größerer Baumanteil ist rund 100 Jahre alt, als der Park zum öffentlichen Park wurde, und wiederum ein großer Teil der Bäume stammt aus den 1970er Jahren. Jetzt wird eine neue Generation an Bäumen hinzukommen, die den Kurpark bis ins 22. Jahrhundert tragen sollen.
Zisterne und historischer Baum
Bei der letzten Station des Rundgangs ging es noch einmal um die Zisterne vor der KuSi. Die Arbeiten werden im Oktober beginnen und sollen schon Ende Dezember abgeschlossen werden. Verschwinden muss dafür nur das historische Brunnenhäuschen, das keine Funktion hat, für das aber ein anderer Platz gefunden werden soll. Von der komplett unterirdisch liegenden Zisterne werde trotz des riesigen Volumens nichts zu sehen sein außer den Kanaldeckeln, sagte Böhmig, um den Schacht zugänglich zu machen. Denn man werde natürlich an jeder Zisterne die Möglichkeit haben, Wasser über eine Pumpe zu holen, um es an anderer Stelle nutzen zu können. Und auf den eher kargen Platz kommt sogar zwischen die Feuerwehrzufahrt und die KuSi neues grünes Leben. Auf einer alte Abbildung hat hier vor mehr als 150 Jahren einmal ein Baum gestanden, „ein recht bizarres Gehölz“, wie Ingeborg Schlimme meinte. Die Gartenarchitekten haben sich entschieden, dass hier künftig eine Steineiche wachsen soll.


