Schneidhain verliert mit der Dorflinde sein Wahrzeichen

Der Rest der Linde am Sonntag mit deutlichem Übergewicht Richtung Milcheshohl

Schneidhain (nd) – In der Nacht zum Sonntag hörte man in Schneidhain kurz vor Mitternacht ein lautes Krachen. Die Ursache war schnell gefunden. Zwei große Äste der Linde waren abgebrochen und auf eine Fahrbahnseite der Wiesbadener Straße gestürzt. Auch ein parkendes Auto wurde teilweise getroffen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn in diesem Moment Personen unter der Bruchstelle gestanden hätten.

Bereits der erste Autofahrer, der auf das Hindernis traf, alarmierte die Feuerwehr. Nach kurzer Zeit rückten die Freiwilligen Wehren aus Schneidhain und Königstein Mitte sowie die Polizei an. Die Straße wurde gesichert und die herabgefallenen Äste zersägt. Zwar war die Straße schnell bereinigt, allerdings musste die Polizei den unteren Teil der Milcheshohl sperren. Die Gefahr, dass der Baum in Richtung Milcheshohl kippt, war zu groß, denn er hatte nun eine einseitige Überlast. Die Anwohner der Milcheshohl durften zuvor noch ihre Fahrzeuge aus dem Gefahrenbereich bringen.

Am Montag passierte dann das Unvermeidliche. Das restliche Astwerk der Linde musste entfernt werden. Geblieben ist nur der traurige Rest des Stammes.

Linde schon lange Sorgenkind

Das Naturdenkmal war schon lange ein Sorgenkind. Große Fruchtkörper des Flachen Lackporlings (Ganoderma applanatum) wachsen überall am Stamm des circa 135 Jahre alten Baumes. Der aggressive Pilz befällt fast alle Laubbäume und löst Weiß- und Braunfäule aus. Lange bevor Fruchtkörper zu sehen sind, werden Lignin und Zellulose vom Pilz zersetzt. Der Baum wird im wahrsten Sinne des Wortes morsch. Eine Bekämpfung des Flachen Lackporlings ist nicht möglich. Die anhaltende Trockenheit tat sicher ihr Übriges, jedoch kann man an den Bruchstellen deutlich Kernfäule erkennen.

Die Schneidhainer und auch die Stadt Königstein hatten gehofft, das Wahrzeichen des Stadtteils trotzdem noch länger erhalten zu können. Noch im April dieses Jahres war unter der Linde eine Plakette mit der Auszeichnung als Naturdenkmal, das sie tätsächlich bereits seit 88 Jahren ist, aufgestellt worden. Traurigerweise war das Schicksal des Baumes damals bereits besiegelt, auch wenn die Stadt auf einen weitere Erhalt von . Es ist nicht das erste Naturdenkmal, das Schneidhain verliert. Die „Linde am unteren Kreuz“ musste vor einigen Jahren ebenfalls gefällt werden. Dass die Lebensdauer eines Naturdenkmals endlich ist, ist natürlich naheliegend.

Fraglich ist, was passieren wird, jetzt, wo der Baum sein Lebensende erreicht hat. Ein neuer Laubbaum könnte sich direkt wieder mit dem Pilz infizieren. Dessen Myzel befindet sich auch im Wurzelwerk und kann im Boden bis zu 30 Jahre überdauern. Die Erde müsste großflächig ausgekoffert werden. Die Dorflinde hat aber sicher ein sehr weitläufiges unterirdisches Wurzelgeflecht. Alle Teile zu entfernen dürfte nicht möglich sein.

Eine andere Baumart als Herzstück Schneidhains zu pflanzen, ist für die Einwohner aber sicher auch undenkbar, schließlich ist sie sogar im Schneidhainer Stadtwappen verewigt. Der Verlust des Wahrzeichens ist zurzeit Ortsgespräch Nummer 1. So oder so: Für die Schneidhainer ist es ein trauriges Ereignis, hatte die Linde doch über 100 Jahre das Ortsbild geprägt.

Stadt: „Gemeinsame Lösung suchen“

„Es fällt uns nicht leicht, einen so alten und für Schneidhain wichtigen Baum zu verlieren. Die Linde war ein Stück Ortsgeschichte und für viele Menschen ein vertrauter Teil ihres täglichen Lebens“, sagt Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko. „Leider haben der Gewittersturm und die bereits vorhandenen Schäden dazu geführt, dass eine Erhaltung nicht mehr möglich war. Die Sicherheit der Menschen vor Ort hat hier Vorrang.“

Die Stadt möchte den Platz dennoch nicht ohne einen besonderen Blickfang lassen. Die Bürgermeisterin möchte mit dem Stadtteil Schneidhain deshalb nach einer guten Lösung suchen.

„Wir wollen gemeinsam überlegen, wie dieser besondere Ort seine Bedeutung für Schneidhain behalten kann“, so die Bürgermeisterin. „Unser Ziel ist es, eine gute und langfristige Lösung zu finden, die dem Charakter des Platzes gerecht wird.“

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