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„Altersarmut ist weiblich“ – laut Expertenmeinung muss das nicht sein

Kronberg (pu) – Brandaktuell und dennoch ein ungeliebtes Thema – die Altersarmut. Studien zufolge unterschätzen insbesondere Frauen massiv die Gefahr einer finanziellen Unterversorgung im Alter. Grund genug für das Netzwerk „Freie Unternehmerinnen Kronberg“ ihr diesjähriges Herbstforum unter das Thema „Fit für Finanzen. Vom Umgang mit Geld – Finanzstrategien für Frauen“ zu stellen. Die durch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kronberg, Heike Stein, und Sponsor Fidelity Worldwide Investment unterstützte Veranstaltung in der Stadthalle mit anschließender Podiumsdiskussion war gut besucht. Überraschenderweise enthüllte der Blick auf die Teilnehmerliste vergleichsweise wenig Kronbergerinnen, dafür kamen Interessierte aus Friedrichsdorf, Bad Homburg, Bad Soden, Frankfurt und Wiesbaden.

Klassische Rollenverteilung

„Ich sage aus Erfahrung Altersarmut ist weiblich, doch das muss nicht sein“, stieg die erste der drei Referentinnen, Antje-Imme Strack (geschäftsführende Gesellschafterin der UFS Universal FinanzService, unabhängige Gesellschaft für Finanzdienstleistungen und Unternehmensberatung mbH in Bad Homburg), unverzüglich in das Thema ein. Emanzipation hin oder her, in vielen deutschen Haushalten sei nach wie vor die klassische Rollenverteilung zu beobachten: Frauen kümmern sich um den Haushalt und die Kinder. Sie tendieren weiterhin zu Jobs mit geringeren Verdienst- und Karrierechancen wie Krankenschwester, Arzthelferin oder Logopädin statt Zahnärztin oder Rechtsanwältin, erzielen in den seltensten Fällen zusätzliche Einnahmen aus Miete, Verpachtung oder Gewinnbeteiligung, arbeiten bedingt durch die Kinderbetreuungszeiten weniger Jahre und zahlen obendrein durchschnittlich höhere Steuern.

Nach einer Veröffentlichung der Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission von 2014 verdienen in den EU-Ländern Frauen im Durchschnitt pro Arbeitsstunde 16 Prozent weniger als Männer. Deutschland und Österreich stehen an der Spitze der Länder, in denen der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied am höchsten ist. Der Gender Pay Gap in Frauenberufen liegt demnach bei knapp 27 Prozent, in Männerberufen bei 13 Prozent.

Verschärfend kommt die aktuelle Gesetzeslage hinzu. „Mittlerweile gibt es keine Unterhaltspflicht mehr bei einer Scheidung“, warnte Strack mit Nachdruck. Dies bedeute im Klartext, der Gesetzgeber baue auf volle Einkommenskraft der Frau. Naives, blindes Vertrauen auf die gesetzliche Rente beziehungsweise einen mitversorgenden Ehemann könne sich daher unter Umständen als fataler Fehler herausstellen.

Jeder Tag zählt

Als Ausweg aus dieser Falle empfahl Strack einen unverzüglichen Umdenkprozess und die Übernahme von mehr Eigenverantwortung. Es zähle jeder Tag, um das Ruder herumzureißen. Je eher „frau“ mit einer eigenen privaten Rentenvorsorge beginne, desto eher verbessere sie ihre eigene finanzielle Situation. Als dringende Sofortmaßnahme bis zum nahenden Jahresende und wirksamsten Schutz vor Altersarmut empfahl sie die im Regal oder der Schublade einstaubenden Versicherungs- und Rentnerunterlagen für eine schnellstmögliche Risiko- und Vorsorgeanalyse zur Hand zu nehmen, das Festlegen persönlicher Ziele sowie die konsequente Sondierung von Förderungsmöglichkeiten und Reduzierungen der Einkommensteuer. „Vermögen ist kein Zufall, übernehmen Sie die Verantwortung für sich selbst und nehmen es in die Hand, wie Sie im Alter leben wollen!“, gab sie dem Forum abschließend mit auf den Weg. Sofern diese Ratschläge beherzigt würden, sehe sie durchaus Licht am Ende des Tunnels.

Nicht unterschätzt werden sollte außerdem die Auswirkung der Inflation (Minderung der Kaufkraft) auf die Altersvorsorge. Anhand von Rechenbeispielen führte Claudia Blumenthal, Marketingleitung des Sponsors Fidelity, dies drastisch vor Augen. Wer beispielsweise vor zehn Jahren 10.000 Euro in Aktien angelegt habe, könnte aufgrund aufgrund damaliger Rahmenbedingungen nach zehnjähriger Laufzeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt eigentlich mit 19.600 Euro Auszahlung rechnen, während bei gleicher Einzahlung auf dem Rentenmarkt 14.100 Euro rauskämen und 11.500 Euro auf dem Geldmarkt. Kalkuliert man nun allerdings die Inflation ein, hätte dies nur noch eine Auszahlung von 16.770 Euro beim Aktienmarkt, 12.100 Euro auf dem Rentenmarkt und 9.800 Euro (Verlust von 200 Euro!) auf dem Geldmarkt zur Folge.

Bleibt die Erkenntnis, wer nach 40 bis 50- Jähriger vermeintlich ausreichender Altersvorsorge kein böses Erwachen erleben will, sollte die Entwicklungen regelmäßig überprüfen und notfalls nachjustieren. Im Verlauf von Blumenthals Exposé bildete das Thema Investmentfonds einen Schwerpunkt.

Diplom-Psychologin Monika Müller von FCM Finanz Coaching aus Wiesbaden war die Dritte im Bunde während der von der erfahrenen Finanzjournalistin Stefanie Hüthig moderierten Finanzveranstaltung. Sie gewährte in ihrem Vortrag „Börse und Psychologie – erfolgreiche Finanzstrategie für Frauen“ einen Einblick in die Gewichtung von Intuition, Vernunft und Gefühlen bei persönlichen Finanzentscheidungen. Nur wer weiß „wie er selbst tickt“ und dadurch die eigene Risikobereitschaft und Zielsetzungen formulieren kann, habe das Steuer in der Hand und erleichtere damit auch einem Berater die Arbeit ein auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Versorgungspaket zu schnüren.

Finanzielle Bildung als Bestandteil der Allgemeinbildung

Vor der anschließenden Podiumsdiskussion gaben zwei weitere Ansprechpartner, Claudia Bernsau und Cornelia Klaus von Bernsau & Klaus GbR | Finanzverstand fürs Leben aus Kronberg, ihrer Überzeugung Ausdruck, sie sähen die finanzielle Bildung als wichtigen Bestandteil der Allgemeinbildung eines jeden als Voraussetzung für ein finanziell selbstbestimmtes Leben in einer sich wandelnden Gesellschaft. Als Denkanstoß für einen allgemeinen Umdenkprozess bieten die beiden zurzeit in der Altkönigschule das Pilotprojekt „Rock your money – Finanzverstand fürs Leben“ für Schüler an.

Als Expertinnen-Quintett standen im Anschluss alle Ansprechpartnerinnen für Fragen der Zuhörerinnen, unter die sich auch ein Mann gemischt hatte, zur Verfügung.

Den Tenor des Abends brachte eine Zuschauerin perfekt auf den Punkt: „Ich nehme aus dieser Veranstaltung mit, dass man selbst gar kein Experte sein muss, aber wenigstens Grundwissen haben und seine Angelegenheiten in die Hand nehmen sollte.“ Oder wie hat schon Athens Politiker und Feldherr Perikles gesagt: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern, auf die Zukunft vorbereitet zu sein“.

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