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Deutsche Bank-Schulungszentrum wird Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge

Äußerst versteckt im Wald liegt im äußersten Norden der Stadt Kronberg das ehemalige Schulungszentrum der Deutschen Bank, das noch bis Ende des Jahres als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge dienen wird. Foto: Westenberger

Kronberg (mw) – Bis zu 600 Flüchtlinge werden im ehemaligen Schulungszentrum der Deutschen Bank, weit oben im Stadtwald, Oberer Aufstieg 22, untergebracht werden. Das teilte das Land Hessen vor zwei Tagen in einer offiziellen Pressemitteilung mit. Das ehemalige Schulungszentrum soll als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge dienen und bis Mitte Dezember zur Verfügung stehen. „Die Liegenschaft ist in hohem Maße geeignet, da eine getrennte Unterbringung von Frauen und Kindern sowie alleinreisenden Männern möglich ist“, erklärte Sozialminister Stefan Grüttner. „Bei den zehn miteinander verbundenen Gebäuden sind zahlreiche Einzelzimmer und Gruppenräume vorhanden. Zusätzlich befinden sich am Standort ein Empfangsbereich, ein Restaurant mit Vollküche, Kühlräumen und ein Speisesaal.“

Versuche der Stadt Kronberg, die Deutsche Bank für die Unterbringung von Flüchtlingen an diesem Standort in Kronberg Nord zu gewinnen, waren bis dato gescheitert. „Daher sieht der Magistrat der Stadt Kronberg den Standort als grundsätzlich geeignet an“, informiert Temmen. Die jetzt angedachte temporäre Nutzung als Außenstelle mit bis zu 600 Personen werfe jedoch eine Reihe von Fragen auf, die der Magistrat der Stadt Kronberg kurzfristig mit den zuständigen Stellen bei Land und Regierungspräsidium klären wird. Der städtische Pressesprecher, Andreas Bloching weiß, dass die Erschließungssituation über den „Roten Hang“ durch die „Dettweiler Straße“ nicht gerade die günstigste ist. „Natürlich wird es nicht geräuschlos ablaufen, wenn der eine oder andere Bus oder die Technischen Hilfswerk-Fahrzeuge dort entlangfahren“, sagt er. Allerdings geht es auch nicht um Hunderte von Autos am Tag. Die Flüchtlinge verweilen in der Regel durchschnittlich eine Woche, dort, bevor sie weiter auf die Kommunen verteilt werden. Wer von den Menschen nach oft monatelanger Flucht in die Stadt hinunter wolle, habe dazu über die Fußgängerbrücke zur Königsteiner Straße und dann hinunter in die Stadt durchaus die Möglichkeit dazu. Natürlich seien auch die Sorgen und Ängste der Bürger nachvollziebar.

Bürgerinformationsveranstaltung

Deshalb will die Stadt in enger Absprache mit dem Land, dem Regierungspräsidium Darmstadt und dem Hochtaunuskreis Ende November/Anfang Dezember zu einer Bürgerinformationsveranstaltung einladen, um über die weiteren Pläne des Landes zur geplanten Flüchtlingsunterkunft zu informieren. Der Termin werde rechtzeitig über die Presse und auf der Internetseite der Stadt Kronberg bekannt gegeben.

Die Stadt Kronberg hat außerdem mit dem Ministerium vereinbart, dass es für alle direkt betroffenen Anlieger eine separate Informationsversammlung geben wird, an der auch der künftige Betreiber der Flüchtlingsunterkunft teilnimmt.

Die Stadt Kronberg wusste von den zwischen dem Land und der Deutschen Bank geplanten Unterbringung. „Über den finalen Stand und die Rahmenbedingungen wurden wir aber erst am 10. November informiert“, erklärt Temmen. Die Stadt Kronberg werde die damit einhergehenden Verpflichtungen verantwortungsvoll wahrnehmen. „Ich bin aufgrund des herausragenden ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe Kronberg darüber hinaus der festen Überzeugung, dass wir dabei auch auf die Unterstützung aus der Bevölkerung rechnen können. Wichtig ist nun eine rasche Information aus erster Hand für alle Bürgerinnen und Bürger. Landrat Ulrich Krebs brachte mit Blick auf Kronberg deutlich zum Ausdruck, dass es das oberste Ziel des Landkreises sei, so schnell wie möglich wieder auf die beiden derzeit belegten Sporthallen in den Nachbarkommunen als Unterbringungseinrichtung verzichten zu können, damit Schule und Vereine den Sportbetrieb in den Hallen wieder aufnehmen können. „Natürlich wird die Entscheidung des Landes von den noch eintreffenden Flüchtlingsströmen abhängig gemacht werden.

„Wir setzen weiterhin alles daran, die Flüchtlinge bis Winteranfang in festen Unterkünfte unterzubringen. Es ist uns in Hessen ein wichtiges Anliegen, die Menschen, die hier Schutz vor Krieg und Elend suchen, ordentlich unterzubringen und ein festes Dach über dem Kopf bieten zu können“, betonte der Hessische Sozialminister. „Wir schaffen laufend neue feste Unterkünfte, wir entlasten unsere Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen und haben inzwischen über 25 Außenstellen errichtet. Die zweite Runde von Notfall-Überlauf-Standorten mit Platz für bis zu 1.000 Menschen in allen Landkreisen hat Hessens Sozialminister Grüttner in der Asylkonferenz am 12. November in Friedberg vor allen hessischen Landräten und Bürgermeistern für Ende des Jahres angekündigt, informiert Temmen dazu und fügt dem hinzu: „Lieber eine feste und temporäre Außenstelle mit bis zu 600 Menschen im Stadtgebiet als die Belegung von Sporthallen oder die Errichtung von Zeltlagern mit bis zu 1.000 Menschen.“ Zwar entspräche die seitens der CDU geforderte Unterbringung in kleineren dezentralen Einrichtungen dem Konzept des Magistrats der Stadt Kronberg bei der Unterbringung der Stadt Kronberg zugewiesenen Flüchtlinge, sei aber bei einer HEAE-Außenstelle des Landes Hessen auf Grund der Anzahl der unterzubringenden Menschen und der sich daraus ergebenden administrativen und organisatorischen Fragen sowie in Fragen der Sicherheit nicht möglich. Ein Blick in die Nachbarstadt Oberursel und die Notfallunterkunft-Überlauf mit bis zu 1.000 Menschen in der Sporthalle am Bleibiskopf zeige die Realität, so der Bürgermeister: „Es hätte genauso gut die Sporthalle der Altkönigschule in Kronberg treffen können, mit allen Konsequenzen.“

CDU sorgt sich

Die CDU-Fraktion in Kronberg hatte sich zu den Plänen des Landes Hessen mit großer Sorge geäußert. Zwar bekennt sie sich zu dem Grundsatz, dass man Menschen in Not helfen und Asyl gewähren muss. Doch um die „nötige soziale Akzeptanz in der Bevölkerung und die Kraft der ehrenamtlichen Helfer nicht überzustrapazieren, unterstützen wir das von der Stadt Kronberg gewählte Konzept, pro Unterkunft nicht mehr als 60 bis 80 Menschen unterzubringen und die benötigten Flüchtlingsunterkünfte möglichst gleichmäßig über das Stadtgebiet zu verteilen.“, erklärten sie in einer Pressemitteilung. „Die CDU Kronberg stimmt daher der Entscheidung des Landes Hessen nicht zu.“ Außerdem fordern die Christdemokraten, dass die Zahl der Flüchtlinge in der neu zu schaffenden Erstaufnahmeeinrichtung nicht nur weit unter den geplanten 600 Menschen liegt, sondern auch, dass die dort untergebrachten Menschen auf das „Kronberger Kontingent“ angerechnet werden.

Keine Überraschung bei der SPD

Nicht überrascht und ohne Sorge betrachtet die SPD-Fraktion in Kronberg die Entscheidung für das Erstaufnahmelager am Oberen Aufstieg. „Die Anlage ist voll erschlossen, im Prinzip beszugsfertig und in jedem Fall besser geeignet, Menschen in Not ein Dach über dem Kopf anzubieten als jede Turnhalle mit Feldbetten“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König dazu. Schlechte Erfahrungen habe man bis jetzt mit den Flüchtlingen nicht gemacht. „Warum sollten wir sie jetzt machen?“ fragt er. König geht weiter davon aus, dass der Großteil der dort anfallenden Organisations- und Verwaltungsaufgaben von Fachkräften bewerkstelligt werden wird und „es unser bisheriges Hilfssystem nicht so sehr trifft.“ Natürlich sei bei 600 Menschen in einer Einrichtung ein höheres „Konfliktpotenzial“ vorhanden, aber auch hier gelte es von Seiten des Landes durch Sicherheitspersonal Abhilfe zu schaffen. Als „suboptimal“ bezeichnete er die Zuwegung zum Gelände für die Busse oder auch Lieferfahrzeuge. „Das ist der einzige Punkt, wo man wirklich darauf achten muss, ob es Probleme gibt und wenn ja, auch als Stadt Kronberg eine Anlaufstelle für die Anlieger bieten muss. Hier muss sich die Stadt dann auch schnell kümmern.“

Franz-Heinrich-Ulrich-Haus

Namensgeber des ehemaligen Schulungszentrum der Deutschen Bank war übrigens der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank Franz Heinrich Ulrich. Das 75.000 Quadratmeter große Grundstück, das die Deutsche Bank in Kronberg erwarb, war eigentlich seit 1930 als Sanatoriumsgelände ausgewiesen. Es fand sich jedoch kein Investor für diese Branche, noch verfügte die Stadt über die Mittel das Gelände zu erwerben. So erbaute die Deutsche Bank das Schulungszentrum in einem Gelände, dass völlig neu erschlossen werden musste. 1974 erfolgte die Eröffnung des Schulungszentrums. In den 1980er-Jahren wurden dort 3.200 Seminarteilnehmer registriert, die 14.500 Übernachtungen in den 150 Gästezimmern tätigten. Es gab 40 Seminar- oder Gruppenräume, ein Kasino, ein Schwimmbad, Solarium und Sauna. Als die damit verbundenen Kosten aus Sicht der Deutschen Bank betriebswirtschaftlich nicht mehr sinnvoll erschienen, schloss die Deutsche Bank 2006 die Anlage.

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