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Gelungener Saisonabschluss mit Irith Gabriely – Samstags auf der Burg

Das Publikum im Wappensaal der Burg war vom Temperament und der tiefen Musikalität beider Künstler rundum begeistert.
Foto: Hermann

Kronberg (brh) – „Wir spielen alles – weil wir’s können, und weil wir’s wollen“ – ein schöner Satz der wunderbaren Klarinettistin Irith Gabriely beim letzten Konzert von „Samstags auf der Burg“ in dieser Saison. Alles, das heißt: alle Stilrichtungen, die die Musikgeschichte zu bieten hat. Eingeladen worden war sie mit ihrem Pianisten Peter Przystaniak, mit dem sie seit 1990 im Duo spielt: mit großem und stetig wachsenden Erfolg. Auch das Publikum im Wappensaal der Burg war vom Temperament und der tiefen Musikalität beider Künstler rundum begeistert. Eine jiddische Anekdote, von Irith Gabriely zum Besten gegeben, besagt: Es war zu einer Party geladen worden, zu der jeder etwas mitbringen sollte. Was brachte der Jude mit? Seinen Bruder… Nun, es war nicht ihr Bruder, aber ein Weltklasse-Musiker, den die Klarinettistin einfach so mitbrachte: Mit Vladimir Tsypin, Geiger bei den New Yorker Philharmonikern, spielt sie in den nächsten Tagen drei Konzerte. Und weil er nun schon da war, kam er einfach mit auf die Burg. Und spielte. Ebenso göttlich wie Irith, die „Queen of Klezmer“.

Natürlich stand viel, aber nicht nur jiddische Musik auf dem Programm dieses Abends, das bewusst nicht vorher präzise festgelegt worden war. Die Künstler wollten spontan entscheiden, was sie den Besuchern darbieten. Und das war gut so: Von zwei Stücken zur „Jüdischen Hochzeit“ und einer „Oriental Hora“, die bis in den klingenden Garten Eden führte, ging es direkt in die Swing-Ära der 20er und 30er-Jahre mit Songs, die von Jazzgrößen wie Benny Goodman, Lionel Hampton oder Ziggy Elman einst gespielt worden waren. Die beiden Musiker, die ganz in Grün auftraten – herrlich schräg: der Glitzerhut, den Irith trug – verzauberten das Publikum mit jedem Ton, der erklang. Der Geiger Vladimir Tsypin spielte gemeinsam mit Peter Pryzystaniak einen „Pastoral Dance“ von Louis Scarmolin mit dem Titel „Sterephon“ im Rhythmus einer Tarantella – großartig! Und Przystaniak entpuppte sich nicht nur als Pianist, sondern auch als Komponist und Arrangeur: in einem Stück mit klassischen Elementen (Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der „Peer Gynt Suite“) unter dem Titel „Edvard the Klezmer“ und in der Suite „Four Windows“, die von den Chagall-Fenstern in der Stephans-Kirche Mainz inspiriert worden waren.

Hinreißend und witzig dann zwei der zehn Duette für Violine und Klarinette von John A. Sichel: „Political debate is a means of seeking a deeper truth“ – was in etwa übersetzt werden kann mit „Alle reden, keiner hört zu“, besänftigt anschließend von einem Stück namens „Relax, the past was worse“ („Keine Sorge, es war früher noch schlimmer“) im gemütlichen Walzertakt.

Auch das Publikum wurde in zwei Stücken singend eingebunden: „As der Rebbe“ und „Tumbalalaika“. Schließlich gab es noch ein „philharmonisches Mazeltov“ – Geburtstagsglückwünsche für Ina Petermann, Pfarrerin in Oberhöchstadt, die just an jenem Samstag Geburtstag hatte und ihren Ehrentag mit dem Besuch dieses außergewöhnlichen Konzertes krönte.

Und einen ernsten Gedanken gab Irith Gabriely dem Publikum zum Abschluss mit, nachdem es in einigen Stücken um das Thema Engel gegangen war: „Wir sind die Engel, die die Welt verbessern sollen.“ Musikalisch immerhin ist dies rundum gelungen.

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