Kronberg (kb) – Die Stiftung Kronberger Malerkolonie und die Museumsgesellschaft Kronberg laden Sonntag, 15. November um 11 Uhr im Museum Kronberger Malerkolonie in der Streitkirche, Tanzhausstraße 1a zur Eröffnung der Ausstellung „Zurück zur Natur: Die Kronberger Künstlerkolonie und die Schule von Barbizon“ ein.
Der französische Ort Barbizon, in der Nähe von Paris und des Schloss Fontainebleau gelegen, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum der antiakademischen Landschaftsmalerei. Vorbildfunktion kam hierbei der um 1830 von Theodore Rousseau und Charles Daubigny gegründeten Schule von Barbizon zu. Sie galten als Erfinder der sogenannten „paysage intime“, des einfachen Landschaftsausschnitts, den sie mitunter in einer kleinen Waldlichtung oder einer verknorpelten Eiche entdeckten. In ihren Bildern spiegelt sich die Sehnsucht nach einem als ursprünglich empfundenen Leben abseits der Großstadt. Der Dichter und Kunstkritiker Emile Zola rühmte besonders die „Wahrhaftigkeit“, das „Gefühl, die Kraft und Anmut“, die er in ihren Bildern sah.
Mit ihrem Umzug aufs Land reagierten die Künstler auf die zunehmend menschenfeindliche Industrialisierung in den Städten und rebellierten zugleich gegen eine ansteigende Ausbeutung und Zerstörung der Natur.
Auch in Deutschland begann die urtümliche Landschaft und das dörfliche Ambiente die bis dahin als vorbildlich geltende Historienmalerei zu ersetzen. Die traditionelle Vorstellung einer arkadischen oder mythologischen Landschaft gehörte fortan der Vergangenheit an. Carl Peter Burnitz, Anton Burger, Jakob Maurer und viele andere der Kronberger Kolonisten widmeten sich einer aus der unmittelbaren Naturanschauung erwachsenen realistischen Landschaftsmalerei, die bewusst die komponierte Ideallandschaft wie auch die heroische Romantik von einst ablehnte. Dabei erhielten sie in Paris und Barbizon wichtige Impulse.
Otto Scholderer und Hans Thoma besuchten Gustave Courbet in seinem Atelier in Paris und waren tief beeindruckt von seinem Werk, während Courbet über seine Kollegen urteilte, „die Deutschen malten zu viel mit dem Kopf“. Das Eintreffen dieses großen Neuerers 1858 in Frankfurt glich einem Paukenschlag und beeinflusste auch die Malerei der Kronberger Künstler.
Die Ausstellung zeigt die vielfältigen Themen und Motive der französischen Schule und macht ihren Vorbildcharakter für die Kronberger Künstlerkolonie deutlich. Die Schau spannt dabei den Bogen von den realistischen Landschaften Gustave Courbets über die Erntebilder Charles Daubignys hin zu den frühen Impressionen Anton Burgers und den französisch inspirierten Werken Fritz Wucherers.
Die Ausstellung ist vom 15. November 2015 bis 14. Februar 2016 mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar ist geschlossen. Im Verlauf der Ausstellung finden weitere Zusatzveranstaltungen wie Führungen und Voträge statt. Weitere Informationen auch unter www.kronberger-malerkolonie.com.
