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Liebeserklärung an Kronberg – Zehn Jahre „Verabredung mit Slava“

Mstislav Rostropovich (Mitte) mit den Cellisten David Geringas (links) und Mischa Maisky 2001 während des Cello Festivals. Foto: Lutz Sternstein

Kronberg (kb) – Im Jahr 1997 kam Mstislav Rostropovich, dieser weltberühmte, energiesprühende, die Welt umarmende und jedermann herausfordernde Cellist, Lehrer und Dirigent zum ersten Mal nach Kronberg. In Kronberg fand er „die Hauptstadt des Cellos“, gründete die Rostropovich Cello Foundation zur Förderung junger Cellisten und übergab sie der Kronberg Academy. Denn der Maestro wusste, dass die Jugend die Zukunft ist, aber dass sie ohne die Erfahrung und das Wissen der Alten keine Visionen wird entwickeln können. Und um Visionen ging es Mstislav Rostropovich zeitlebens, in musikalischer wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Wie kaum ein anderer Interpret hat er Kompositionen für Cello angeregt. Und wie kaum ein anderer Musiker hat er sich, ohne Rücksicht auf seine eigene Person, für die Freiheit und die Menschenwürde stark gemacht. Seine Persönlichkeit, die größte Musikalität mit Menschenliebe und unerschrockener Geradlinigkeit verband, wirkte auf die Kronberg Academy von Anfang an inspirierend. Als Mstislav Rostropovich am 27. April 2007 starb, war der Verlust unermesslich, aber die Antwort eindeutig: Eine jährliche, öffentliche und für jedermann frei zugängliche „Verabredung mit Slava“ am 27. April, die in seinem Sinne Neues anstoßen sollte. Heute versprüht der Knaben- und Mädchenchor am Frankfurter Dom unter der Leitung von Andreas Boltz um 19 Uhr im Schulgarten am Berliner Platz jugendlichen Charme. Der Cellist Gary Hoffman erweist anschließend Mstislav Rostropovich musikalisch die Ehre, bevor er zusammen mit dem jungen Solisten der Kronberg Academy, Aleksey Shadrin, ab 19.30 Uhr das Benefizkonzert zugunsten der Rostropovich Cello Foundation gestaltet. Elena Rostropovich, die jüngere Tochter des Maestros, hält am zehnten Todestag ihres Vaters die Ansprache – wohlwissend, welche Bedeutung die Musikstadt Kronberg heute hat. Das wusste auch schon Bürgermeister Klaus Temmen, dessen Ansprache aus dem Jahr 2010 auch nach sieben Jahren von größter Aktualität ist.

Er sprach damals: „Mstislav Rostropovich, diese große und starke Persönlichkeit, die im wahren Wortsinne ein Kosmopolit war, hat im Jahr 1995 Kronberg ,entdeckt‘. Zwei Jahre später bereits hat er an diesem Ort seine Stiftung, die Rostropovich Cello Foundation, ins Leben gerufen. Im Jahre 2001 verlieh ihm der hessische Ministerpräsident Roland Koch im Rahmen des 5. Cello-Festivals hier in Kronberg das große Bundesverdienstkreuz mit Stern – auch zur Würdigung eben dieser Stiftung. Dass er sich in Kronberg im Taunus ,auf den ersten Blick‘ verliebt hat, lag natürlich an der Kronberg Academy und an der fantastischen Atmosphäre des Cello-Festivals, die er hier erlebt hat – die Energie des Festivals und das Potenzial so vieler junger, begabter Cellisten müssen ihn ja einfach begeistert und mitgerissen haben. Die Liebe zu Kronberg aber ist bei ihm über die Jahre weiter gewachsen. Und das lag auch an unserer Stadt. Er sagt es selbst in einem kleinen Image-Film, den die Kronberg Academy gerade veröffentlicht hat: ,Cello und Kronberg – das ist wie aus der Natur...‘ Was er damit sagen wollte: Solch eine Stadt muss es sein, die Musikern und Künstlern das Herz öffnet. Und das bestätigen seitdem immer wieder Weltklassekünstler, wenn sie sagen, dass sie sich hier zuhause fühlen. Ich empfinde das als ein enormes Kompliment, als eine große Auszeichnung und Ehre für unsere Stadt.“ Und Temmen erklärte damals im Schulgarten auch: „Ich bin glücklich, dass ich Mstislav Rostropovich noch persönlich gekannt habe. Wer ihn erlebt hat, der weiß, dass er – bei allem Genie in seiner Kunst ein zutiefst bodenständiger Mensch war, voller Gefühl und voller Bewunderung für andere Menschen. Kronberg war darum für ihn nicht nur der hübsche Ort mit einer schönen Altstadt; Kronberg war für ihn auch das Kronberger Leben mit seinen Menschen und der besonderen Atmosphäre unserer Stadt.

Mstislav Rostropovich lag daran, eine Elite zu fördern, eine Elite junger Musiker, weil die Musik, die Kunst, auch diese Elite dringend braucht. Als Mensch und Freund der Menschen hatte er selbst aber ganz und gar nichts Elitäres an sich. Er war Musiker und Mensch aus Leidenschaft und hat damit viele angesteckt. Mstislav Rostropovich hat Kronberg aber nicht nur in der Welt bekannt gemacht, sondern er hat auch viel dazu beigetragen, in unserer Stadt einen ganz besonderen Geist wachzurufen, ein ganz besonderes Feuer zu entfachen: Kronberg ist weiter auf dem Weg zu einer Kulturstadt. Ich bin überzeugt davon: Was durch die Kronberg Academy ins Leben gerufen wurde und lebendig wird, wirkt sich überaus positiv auf das gesamte Kulturleben in Kronberg aus. Es ist eine große Chance für unsere Stadt und es ermutigt mich, mich auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten dazu zu bekennen, dass die Kultur unterstützt werden muss.

Seitdem Mstislav Rostropovich Kronberg im Taunus für sich und die Musik entdeckt hatte, ist er aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. Dank der von Kronberger Bürgern gestifteten Büste ist er seit drei Jahren auch immer sichtbar. Jeder, der den Schulgarten durchläuft, kommt an ihm vorbei. Mstislav Rostropovich hat Kronberg im Taunus immer freundlich im Blick, so wie seine Büste ihren festen Platz im Herzen der Stadt und er selbst in den Herzen der Menschen gefunden hat.“

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