Casals Forum: Eine neue Heimat für den Musikgenuss und die -entstehung

Der Gründer und künstlerische Leiter der Kronberg Academy bei der Führung durch den Rohbau des Casals Forum Foto: Westenberger

Kronberg (mw) – Wie eine sanft ankommende Welle schwingen sich die Wände des Kammermusiksaals abwechselnd konkav und konvex einmal rund und bilden einen Korpus. Bereits im Rohbau beeindruckt diese organische, fließende Form. Der entstandene Raumkörper entfaltet seine feine Ästhetik und generiert Vorfreude, diesen Saal nach Fertigstellung musik- und lichtdurchflutet zu erleben. Der Gründer und künstlerische Leiter der Kronberg Academy, Raimund Trenkler, erklärt beim Rundgang durch den Rohbau des Casals Forums und des angrenzenden Studienzentrums am Bahnhof, dass die Rundungen in enger Zusammenarbeit zwischen dem Architekten und dem Hörakustiker entstanden sind. Der 600 Besucher fassende Kammermusiksaal, genannt Casals Forum, wird, was das Hörerlebnis betrifft, einzigartig in der Rhein-Main-Region sein. Was ihn außerdem so besonders macht, ist die Transparenz, mit der er vom Architekten Volker Staab konzipiert wurde: Er öffnet sich rundherum in seine Umgebung, erlaubt Einblicke genauso wie Ausblicke, ganz anders als beispielsweise der Kammermusiksaal der Alten Oper. Während die Säle größtenteils, so wie auch der Carl Bechstein Saal, der zweite kleinere Saal, der neben dem großen Kammermusiksaal entsteht, kein direktes Außenlicht beziehen, steht der große Kammermusiksaal im Spannungsfeld von Innen und Außen. Wer diesen Saal besucht, wird ein ganz neues Musikerlebnis haben, denn der Saal wird sich einbetten in Kronberg als einer Stadt im Grünen; das jedenfalls hat sich der bekannte Schweizer Landschaftsplaner Enzo Enea zur Aufgabe gemacht: Der Blick ins Grüne soll Raum für Kontemplation schaffen. Ganz anders als andere Kammermusiksäle wird der Besucher hier nicht inmitten einer Großstadt, sondern direkt am Victoriapark empfangen, der sich gestalterisch öffnen soll, um sein Grün bis hinunter auf den Platz zwischen Hotel und Kammermusiksaal hineinzutragen. Zu diesem Zweck soll ein kleiner Bachlauf am Kammermusiksaal vorbei zum Platz hinunter geführt werden, zweireihig gesetzte Bäume sollen den Weg weisen. Auf dem Platz sind jetzt schon tiefe Pflanzbeete ausgespart, die das Pflanzen von sieben Meter hohen Bäumen trotz darunter liegender Tiefgarage möglich machen.

Noch fehlt dem Saal das Dach mit eloxierten Aluminiumschindeln, die nach oben hin heller angelegt werden sollen. Es wird sich ähnlich einem Zeltdach teilweise weit über den Raumkörper hinaus schwingen und je nach Blickwinkel für unterschiedlich ansteigende konvexe Linien sorgen. Staab sagt dazu: „Die Topografie ist ein wesentliches Element dieser Anlage, sie wird im Bau fortgesetzt. Wenn man vom Victoriapark auf das Gebäude zugeht, entsteht der Eindruck eines Pavillons im Park.“

Eine weitere Besonderheit des Baus ist das nachhaltige und regenerative Energiekonzept: Das Casals Forum wird mit einem durch die EU und das Land Hessen geförderten Eisspeicher klimatisiert und kann damit nach derzeitigem Kenntnisstand als der erste Konzertsaal der Welt CO-neutral betrieben werden. Das einstöckige Studienzentrum der Kronberg Academy tritt architektonisch absichtlich in den Hintergrund. Der rechteckige Bau ist als in die Hangkante als architektonisches Bindeglied zwischen Casals Forum und Hotel hineingelegt und kann von der Schillerstraße aus ebenfalls als grüner Ausläufer des Parks wahrgenommen werden, da das Flachdach komplett bepflanzt werden wird, wie Raimund Trenkler beim Rundgang erläutert. Die Fassade des Kammermusiksaals und des Studienzentrums mit 1.150 Quadratmetern Nutzfläche mit mehreren Proberäumen und Büros sowie zwei lichtdurchfluteten Innenhöfen, die wiederum die Beziehung nach außen zulassen, werden mit demselben Muschelkalk wie das Hotel Vienna House MQ gestaltet und sollen ebenfalls mit Ranken begrünt werden. Bei der Konzeption im Inneren wurde mittels besonders breiter Flure und Türen, einer Verbindung zum Casals Forum und auch bei den Ebenen der zwei nebeneinander liegenden Säle, dem Casals Forum und dem 150 Personen fassenden Prüfungssaal im Studiocharakter, darauf geachtet, dass ein Steinway Flügel ohne größeren Aufwand von einem in den nächsten Raum oder Saal verschoben werden kann. Alles ist bis ins letzte Detail für die Kammermusik ausgelegt, für viele Proben und Vorspiele, gleichwie die Innenhöfe, die Verbindungswege und der Platz im Außenbereich für die Besucher der öffentlichen Kammermusikproben bei den Festivals geplant sind.

Raimund Trenkler kommt ins Schwärmen, wenn er vom neuen Zuhause für die Musiker spricht, „mit einem Raum, wo die Musik nicht durchreist, sondern entsteht“ und mit der Inspiration durch Natur direkt vor der Tür. „Wir fühlen uns hier in den Fußstapfen der Kronberger Malerkolonie“, sagt er. Schon ihre Maler habe es bei der Kunst hinaus in die Natur gezogen, ihr Erbe habe in der Villa Winter ein tolles Zuhause gefunden. Nun bekomme die Musik ebenfalls ihre Heimat in Kronberg. Bereits jetzt ist die Kronberg Academy als privat finanzierte Musikhochschule für Geiger, Bratschen und Cellisten eine Ausbildungsstätte, die weltweit zu den Angesehensten gehört.

Wie alle großen Säle schafft auch das Casals Forum eine Art Illusion, erklärt Trenkler. Er weist auf die dahinter liegenden Räume, die die Künstler zur Vorbereitung benötigen und auf den Technikraum, der übrigens der größte der Räume ist, wie er verrät, jedoch ebenso gut versteckt hinter dem Kammermusiksaal liegt. Denn Letzterer ist es, der bei seiner für Herbst 2022 geplanten Eröffnung ein visuelles und akustisches Erlebnis der Extraklasse werden soll. Spielen wird im Casals Forum auch das weltweit bekannte Chamber Orchestra of Europa, das seit vielen Jahren eine enge Verbindung zur Konberg Academy pflegt und das Casals Forum für seine Konzertvorbereitungen und Arbeitsphasen nutzen will. Trenkler zitiert gerne den berühmten Musiker Sir András Schiff, der sagt: „Kronberg ist wie eine Oase in der Musikwelt. Hier findet man Ruhe, hier kann man unter idealen Bedingungen musizieren und arbeiten.“

Derzeit läuft der Fenstereinbau im Studienzentrum an, die Fassadenverkleidung folgt im April, im Juni/ Juli wird der Dachstuhl als Grundlage für das schwingende Dach gebaut.

Der erste Spatenstich des bis dato mit 45 Millionen Euro kommunizierten Großbauprojekts mit großer Unterstützung durch private Förderer und Unterstützung vom Bund (21,5 Millionen Euro) und Land Hessen (4,5 Millionen Euro) sowie der Stadt Kronberg und dem Hochtaunuskreis/Taunussparkasse (1 Millionen Euro) fand am 1. Oktober 2017 statt.

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