Kronberg (hmz) – „Einsam – gemeinsam“, das Thema insgesamt ist eine wachsende gesellschaftliche Herausforderung. Mit ihrer „60-plus Woche 2024“ wollte die Stadt Kronberg zum zweiten Mal ein klares Zeichen dafür setzen, Einsamkeit und sozialer Isolation wirksam begegnen zu wollen. Von außen ist Einsamkeit nicht zu sehen und die meisten schweigen sich über das schmerzende Alleinsein häufig aus. Noch immer wird es tabuisiert und ist zudem schambehaftet, weil sich keiner bloßgestellt sehen möchte. Wenn die Leere das Leben bestimmt, reifen Ängste, Depressionen und emotionale Überforderung, die häufig mit Sprachlosigkeit Hand in Hand gehen, gleich mit. Ein Fotowettbewerb im Rahmen der Aktionswoche sollte sich diesem Phänomen, das inzwischen zu einer „Volkskrankheit“ herangewachsen ist, visuell nähern. Wie sich aber der Einsamkeit mit der Kamera nähern? June Lee mit seinem „Blick in die Vergangenheit“, Bernd Schäfer mit „Die Einsamkeit der Besonderheit“ und Jutta Kraft mit „Giudecca-(K)ein Mensch am Quai“ haben eindrucksvolle, eher poetische Eindrücke von Einsamkeit fotografiert, bei deren Betrachtung deutlich wurde, dass jeder Mensch auf diesen Bildern sein könnte. Ein sehenswerter Beitrag zu einem Zustand, der häufig nicht selbstgewählt ist. Die Fotos, die noch bis zum 29. Oktober in der Stadtbücherei zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen sind, wurden von Dorothea Peukert (Kamera Klub) und Brigitte Brehmer vom Seniorenbeirat juriert. Die Gewinner erhielten jeweils einen Gutschein von der Bücherstube Kronberg, dem Restaurant „Liebe Zeit“ und von der „Kronberg Academy“. Angelika Hartmann, Fachbereichsleiterin für Soziales, Kultur & Bildung in der Stadtverwaltung, betonte die Notwendigkeit, anderen Menschen zu helfen und sie zu treffen. Dabei sollte die Aktionswoche mit einer theologischen Andacht, einem Kinobesuch, Live-Musik und einem Tagesausflug nach Seligenstadt als Angebot helfen, die Abkapslung der Betroffenen aufzubrechen. „Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen, Vereinen, Organisationen und Gewerbetreibenden werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie neue Lebensabschnitte gestaltet werden können und welche Unterstützung es dabei gibt“, so Bürgermeister König, der den Ehrengast, auf den rund 100 Gäste gewartet hatten, begrüßte.
Die aus Rundfunk und Fernsehen bekannte Moderatorin und Buchautorin Bärbel Schäfer stellte im Rahmen dieser Aktionswoche ihr neues Buch „Avas Geheimnis. Meine Begegnung mit der Einsamkeit“ vor. Die Autorin begreift Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen und zieht zum Ende hin das Fazit, dass Einsamkeit heilbar und kein Dauerzustand sei, aber ihre Ursachen habe. Daher sollten die Augen für die Mitmenschen offen gehalten werden, um sie zu unterstützen und dabei zu erfassen, „was sie mit sich herumschleppen“. Bärbel Schäfer beleuchtete die vielen Facetten der Einsamkeit, das „Gefühl von Verlorenheit“, den „Rückzug aus dem selbstbestimmten Leben“ und den vergeblichen Versuch, „Momente einfach festzuhalten, die nicht mehr festzuhalten sind“. Damit verband sie eine sehr emotionale Geschichte mit ihrem Vater, wobei sie häufig tief in persönliche Lebenserfahrungen eintauchte. Vielleicht war es das Wiedererkennen eigener Lebenssituationen oder die Unmittelbarkeit ihrer Schilderungen, in denen sie Worte für all jenes fand, das eigentlich unausgesprochen bleiben sollte, was unter den Gästen für eine große Nachdenklichkeit sorgte. „Stellen wir uns unseren Ängsten und Verletzungen?“, fragte sie.
Nagender Schmerz
Das Gefühl, nicht dazuzugehören, treffe alte wie junge Menschen, „die in der inneren Isolation erfrieren“. Die Einsamkeit könne Menschen „innerlich auffressen“ und wie schwierig es doch sein müsse, nicht gesehen zu werden. „Einsamkeit ist alterslos und ein nagender Schmerz.“ Ein mit eindringlichen Worten beschriebener Versuch, die Hand zu reichen und dabei zu hoffen, dass sie angenommen wird. Zum Inhalt des Buches: Es geht um zwei Frauen, deren Wege sich eher zufällig wieder kreuzen.
Die eine hat Arbeit, Familie und Freunde, Bärbel Schäfer, und die andere, Ava, lebt völlig zurückgezogen. Bärbel Schäfer, die mitten im Leben steht, wird von ihrer Freundin angerufen, die sie bittet, sich kurzfristig um ihre Schwester Ava zu kümmern, die einen Unfall hatte. Durch die nach und nach wachsende Beziehung zu Ava wird auch Bärbel Schäfer selbst wieder mit Lebensrissen konfrontiert. Sehr offen, berührend und tröstend erzählt das Buch von der Zerbrechlichkeit des Ichs und zeigt, dass es Wege gibt, der Einsamkeit die Hand zu reichen.
June Lee mit seinem „Blick in die Vergangenheit“ hat den Fotowettbewerb gewonnen.

