Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels

Buchtipp

Aktuell

Roman von Vea Kaiser, KiWi 2025; 25 Euro.

Vea Kaiser ist durch eine Zeitungsnotiz auf diese wahre Geschichte gestoßen. Eine Frau, die wegen Veruntreuung im Gefängnis sitzt und kein schlechtes Gewissen zeigt. Sie besucht sie im Gefängnis, führt Gespräche mit ihr und daraus entsteht ihr neuer Roman „Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“. Er erzählt die Geschichte von Angelika Moser, Tochter einer Hausmeisterin, die sich im mondänen Wiener Grand Hotel Frohner von der Buchhalterin zur Abteilungsleiterin hocharbeitet – und dabei über Jahrzehnte hinweg mit Geschick und aus persönlicher Not heraus die Hotelbuchhaltung manipuliert. Das Buch beginnt mit dem wilden Leben von Angelika in den 1980er Jahren und exzessiven Nächten im Wiener Nachtleben. Im Grand Hotel wird der Direktor auf die junge Frau aufmerksam, die trotz ihrer Eskapaden engagierter als alle anderen ihre Arbeit macht. Er bittet sie, einige Zahlen für eine Präsentation zu manipulieren, was sie zunächst vehement ablehnt. Sie ist aus der Familientradition gewöhnt, immer sehr korrekt zu arbeiten. Aber der Direktor verbindet die Aufstiegschancen mit dieser Aufgabe und sie gibt nach.

Vea Kaiser schreibt mit viel Humor und Einfühlungsvermögen. Sie stellt das bunte Nachtleben der einfachen Leute dem Glanz des Hotels gegenüber. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Frage, wie weit Fürsorge für das eigene Kind gehen darf, wenn Mut und Durchhaltevermögen nicht ausreichen, die familiären Probleme zu lösen. Der Roman berührt mit österreichischem Charme das Herz und er lässt uns sowohl in das glamouröse Wien als auch in das wilde Leben der 80er Jahre eintauchen. Eine Empfehlung nicht nur für Wien-Liebhaber.



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