Finale à la Mozart – „Jungen Talenten verpflichtet“

Diese jungen Geigen-Solisten haben es bis ins Finale „à la Mozart“ geschafft, mit freundlicher Unterstützung des Stuttgarter Kammerorchester, neuer Orchester-Partner der Kronberg Academy. von links: Daniil Bulayev (15), Ryosuke Suko (23), Yun Tang (27), Tianyou Ma (18), Maya Wichert (13), Amanda Ernesaks (16), Marie Bégin (27), Elina Rubio (23), Grace Wu (15). Foto: Patricia Truchsess

Kronberg (aks) – Raimund Trenkler, Gründer und Präsident der Kronberg Academy, spricht von einer „Herzensangelegenheit“ in der Stadthalle, die beim „Finale à la Mozart“ aus allen Nähten platzt und wieder einmal zeigt, dass es höchste Zeit ist für eine neue Konzerthalle, das „Casals Forum“, das ein paar hundert Meter weiter entsteht. 150 junge Geigenstudenten aus 40 Ländern sind nach Kronberg gereist und haben „Großartiges geleistet“. Trenkler ist ehrlich bewegt, wie aufrichtig diese jungen Talente „für die Musik brennen“ und wie sie in einfühlsamem Miteinander Musik machen. „Ich wünsche mir, dass wir damit Zeichen setzen – nicht nur in der Welt der Musik“, so lautet sein eindeutiger Aufruf nach weniger „Heimat“ außerhalb der Musik. „Die Kronberg Academy sieht sich dem Talent verpflichtet und wir alle als Gesellschaft sollten diese Verpflichtung fühlen“. Er dankt ausdrücklich den Dozenten, von denen nur Mauricio Fuks an diesem Abend noch anwesend ist. Ana Chumachenco, Mihaela Martin, Gerhard Schulz und Pavel Vernikov sind bereits abgereist. Sie alle haben mit jungen Solisten, Alumni und Studierenden der Kronberg Academy eine Woche lang gemeinsam musiziert und ihre reiche Erfahrung weitergegeben. Er lobt die vier Pianistinnen und den Pianisten, die sich auf vielfältigen Proben immer wieder neuen Herausforderungen stellen mussten und abends Konzerte gaben. Sein besonderer Dank gilt den Sponsoren wie der Deutschen Bank Stiftung und allen Stiftungsförderen sowie ausdrücklich dem Team der Kronberg Academy, das „bis zum Umfallen“ gearbeitet habe: „Ich sage das mit Emotionen!“ Auch die Hausmeister der Stadthalle schließt er in seinen Dank ein. Dr. Friedemann Eichhorn lobt er als künstlerischen Leiter: „Ich bin nur der Cellist!“, wie Trenkler bescheiden und nicht ohne Ironie feststellt.

Das „Finale à la Mozart“ ist etwas ganz Neues. Zum ersten Mal stehen neun Meisterschüler als Solisten mit einem Orchester auf der Bühne. Mit dem herausragenden Stuttgarter Kammerorchester, das zukünftig Partner der Kronberg Academy sein wird, erlebte das Kronberger Publikum ein Ensemble, das in jedem Moment die teils blutjungen Geiger wohlwollend begleitete und unterstützte. Die Konzertmeisterin Susanne von Gutzeit ist stets voller Empathie und mit einem Lächeln bei den jungen Menschen, die bei aller Meisterschaft sicher auch das Gefühl von Lampenfieber kennen. Sie geben in den wunderbaren Violinkonzerten den Ton an und das Orchester folgt ihnen geschmeidig und sehr einfühlsam.

Mozarts fünf Violinkonzerte mit ihren so glänzenden vielseitigen Melodien, die Mozart wohl für sich selbst als Geiger schrieb, wollen an diesem Abend gemeistert werden. Alle neun Solisten sind der Aufgabe souverän gewachsen und werden vom Publikum begeistert beklatscht. Gar nicht so einfach, da einen Besten oder Zweitbesten auszumachen, schließlich gehören diese jungen Musiker zur Geigen-Elite ihrer Altersklasse und standen bereits mit großen Orchestestern auf internationalen Bühnen. Jeder von ihnen ist bereits eine eigene Musiker-Persönlichkeit mit erstaunlichem Selbstbewusstsein und von erfrischendem jugendlichen Elan getragen – die jüngste Geigerin ist erst 13, die ältesten sind 27 Jahre alt. Und alle neun sind perfekte Mozart-Interpreten. Im Saal breitet sich eine solch überbordende Freude aus, die sich mit Bravo-Rufen Ausdruck verleiht – der Geigenhimmel ist erreicht. Die zarte Grace Wu aus Australien fällt auf wegen ihres jungen Alters, sie ist erst 15, aber vor allem weil sie ihre Geige leidenschaftlich beherrscht und sehr fein Mozarts Ton trifft. Einer der Publikumslieblinge ist der Lette Daniil Bulayev, 15 Jahre alt, der bereits seit seinem fünften Lebensjahr auf der Bühne mit großen Orchestern spielt. Seine Ausstrahlung ist ebenso herzerwärmend wie professionell. In Kronberg war Pavel Vernikov sein Lehrer. Maya Wichert ist die jüngste Solistin. Sie ist erst 13 Jahre alt und wächst über sich hinaus, von einem kindlichen Spiel kann wahrhaftig keine Rede sein. Seit 2017 studiert sie bei Ana Chumachenco, besuchte davor bereits mehrere Meisterkurse und war Siegerin bei Jugend musiziert. In Kronberg war sie Schülerin von Pavel Vernikov.

Meisterinnen ihres Fachs sind auch die beiden Finalistinnen Marie Bégin aus Kanada (Meisterkurs Mauricio Fuks) und Yun Tang aus China (Meisterkurs Gerhard Schulz), beide 27 Jahre alt. Auch sie brillierten bereits als Solistinnen auf internationalen Bühnen mit Orchestern aus aller Welt.

Das Stuttgarter Kammerorchester, 1945 gegründet, erhielt 2008 den Europäischen Kammermusikpreis der Europäischen Kulturstiftung und legt heute einen Schwerpunkt auf Education-Arbeit. Als zukünftiger Partner der Kronberg Academy und Begleiter junger Solisten ist dieses Kammerorchester ein Glücksfall. Trotz aller Meisterschaft der jungen Musiker, die jedes Mal aufs Neue überrascht und begeistert, tut ihnen am Beginn ihrer Karriere sicher ein Ensemble gut, das Mut macht und sie trägt. Musik miteinander spielen und gestalten, als Harmonie von jungen mit älteren erfahrenen Musikern, das wurde am Sonntagabend beglückend hörbar.

Mozart hätte seine helle Freude an diesem Ausdruck höchster Geigenlust gehabt. Bravissimo!

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