Kronberg (nl) – Freitag, 13. Februar, 19.45 Uhr: Im Carl Bechstein Saal des Casals Forums ist die Luft erwartungsvoll, aber nicht geschniegelt. Man spürt schnell, dass dieser Abend nicht um Repräsentation kreist, sondern um Austausch. Freundschaftsspiele heißt die Reihe. Der Titel wirkt nicht dekorativ, er beschreibt ziemlich genau, was auf der Bühne passiert.
Im Mittelpunkt steht Steven Isserlis. Wer ihn einmal erlebt hat, erkennt ihn sofort wieder. Dieses leicht Unberechenbare im Zugriff, die Lust, eine Phrase auch einmal anders zu formen als erwartet. Er spielt mit einer Mischung aus Ernst und verschmitzter Neugier. In der Sonate E-Dur op. 121 von Ignaz Moscheles wurde das besonders deutlich. Moscheles, ein enger Weggefährte Mendelssohns, ist kein Komponist für die zweite Reihe. Das Allegro espressivo e appassionato trägt seinen Namen zu Recht. Isserlis legte die kantablen Linien weit an, ließ dem Scherzo ballabile federnde Beweglichkeit und gab der Ballade in böhmischer Weise eine erzählerische Ruhe, die sich nicht in Sentimentalität verlor.
Am Klavier saß Avery Gagliano, aufmerksam, klar strukturiert, mit Sinn für die feinen rhythmischen Verschiebungen dieser Partitur. Zwischen beiden entwickelte sich ein echtes Gespräch. Man sah die Blicke, das kurze Nicken, das gemeinsame Aufgreifen eines Motivs.
Zu Beginn des Abends stand Fanny Hensel. Ihr Adagio für Violine und Klavier ist ein konzentriertes Stück Musik, das auf engem Raum viel sagt. Veronika Eberle spielte es mit ruhigem, fokussiertem Ton, ohne jede süßliche Überhöhung. Dénes Várjon hielt den Klavierpart transparent, beinahe kammermusikalisch zurückgenommen. Hensel erschien hier nicht als historische Randfigur, sondern als eigenständige Stimme im Mendelssohn-Kreis. Gerade im Kontext dieses Abends wurde hörbar, wie selbstverständlich sie in dieses Umfeld gehört. Nach der Pause dann das Streichquintett Nr. 1 A-Dur op. 18 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein Werk des jungen Komponisten, voller Energie, mit jenem untrüglichen Gespür für Form, das ihn schon früh auszeichnete. Das Allegro con moto nahm Fahrt auf, ohne zu drängen. Im Intermezzo entstand eine dichte, fast innere Konzentration. Das Scherzo blitzte auf mit jener Leichtigkeit, die Mendelssohn so oft zugeschrieben wird und die hier handfest gearbeitet war.
Neben Eberle und Isserlis spielten Irène Duval, Sào Soulez Larivière und Sam Rosenthal. Was auffiel, war die Balance. Zwei Bratschen, die nicht bloß füllen, sondern gestalten. Stimmen, die sich gegenseitig Raum geben. Isserlis saß nicht als Star im Zentrum, sondern als Teil dieses Gefüges. Und doch bündelte sich vieles an seinem Cello, an seiner Art, Übergänge zu modellieren, Tempi minimal zu dehnen oder zu straffen, ohne den Fluss zu gefährden.
Die Idee, einen Komponisten im Kreis seiner Weggefährten zu zeigen, trägt an diesem Abend. Man hört Beziehungen, Einflüsse, Reibungen. Dass es gelungen ist, einen Musiker wie Isserlis für dieses Konzept zu gewinnen, verleiht der Reihe Gewicht. Er bringt nicht nur sein Instrument mit, sondern sein Wissen um historische Zusammenhänge und seine Neugier auf Mitspielerinnen und Mitspieler.
Am Ende des Abends blieb das Gefühl, keinem abgeschlossenen Monument begegnet zu sein, sondern einem lebendigen Netzwerk aus Freundschaften, Ideen und musikalischen Impulsen. Genau das macht diese Freundschaftsspiele zu mehr als einem klug kuratierten Programm. Sie zeigen, wie produktiv Nähe sein kann.
Außen die Routiniers, innen die Neugier. Das Quintett im Carl Bechstein Saal zeigt, wie selbstverständlich sich Erfahrung und Aufbruch mischen.
Veronika Eberle im Adagio von Fanny Hensel: ein konzentrierter Moment, in dem jede Geste zählt Fotos: nl

