Kronberg (ivy) – Die Problematik der Einsamkeit ist mehr als aktuell bei vielen Senioren und stellt ein ernst zunehmendes Problem dar. Die Kinder sind inzwischen keine Kinder mehr, sondern erwachsen und aus dem Haus, haben ihr eigenes Leben. Der Partner ist vielleicht bereits verstorben, immer mehr Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis versterben. Ein tristes Bild, das jedoch leider in vielen Fällen der Realität entspricht.
Eine mögliche Lösung für dieses Problem stellen Mehrgenerationenprojekte dar. Diese Projekte beschreiben das gemeinschaftliche Wohnen von Jung und Alt. Diese Art zu Wohnen und zu Leben kann eine Reihe von Vorteilen mit sich bringen. Die zwei Kronbergerinnen Heidi Schlembach und Brigitte Bremer setzen sich für die Umsetzung eines solchen Mehrgenerationenprojekts in Kronberg ein.
Schlembach und Bremer sehen den Mehrwert bei der Möglichkeit, gemeinsam Dinge zu unternehmen. Zum Beispiel zusammen zu kochen, eine Lesung zu besuchen, Fasching zu feiern oder ins Theater zu gehen. Aber auch der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Mehrgenerationenprojekte können einen effektiven Beitrag gegen überhöhte Mietpreise leisten, indem sie durch gemeinschaftliche Strukturen Kosten senken. Durch nachbarschaftliche Hilfe und geteilte Ressourcen (wie zum Beispiel Gemeinschaftsräume, Autos) werden die Lebenshaltungskosten pro Kopf gesenkt.
Ein weiterer Bestandteil ist die gegenseitige Unterstützung. Schlembach und Bremer berichten von ihren persönlichen positiven Erfahrungen bezüglich Hilfe in der Nachbarschaft. Der Stress des Alltags macht sich bemerkbar, man ist alleinerziehend und braucht jemanden, der für ein paar Stunden auf das Kind aufpassen kann. Der Nachbar kocht sowieso für seine eigenen Kinder und bietet an, das Kind könne doch dazu kommen. So eine unterstützende Geste kann einen großen Unterschied machen und eine wirkliche Entlastung sein. Das gemeinsame Leben und die vorhandene Solidarität kann eine Bereicherung sein. In schwierigen Situationen ist man nicht alleine, sondern erträgt die Situation als Gemeinschaft.
„Es braucht Toleranz und ein gewisses Verständnis für Menschen“, erläutert Brigitte Bremer und Heidi Schlembach fügt hinzu: „Man muss offen sein und positiv durchs Leben gehen.“ Die beiden Frauen stehen mit ganzer Überzeugung hinter dieser Idee und sehen sich auch selbst als Bewohnerinnnen eines solchen Hauses. Wichtig ist ihnen nicht nur lange Pläne zu machen, sondern tatsächlich auch ein solches Projekt zeitnah zu realisieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft den Standort des Hauses. Es sollte zentral in der Nähe des Kronberger Zentrums gelegen sein, um beispielsweise ÖPNV-Anbindungen und Einkaufsmöglichkeiten zu garantieren.
Für die Finanzierung des Projektes sind verschiedene Modelle denkbar: Möglich wäre eine Form der public-private-partnership (PPP) oder auch die Gründung einer Genossenschaft. Letztere Rechtsform bringt den Vorteil mit sich, dass jedem Bewohner ein Anteil der Immobilie gehört. Idealerweise würde sich auch die Stadt Kronberg beteiligen.
Die beiden Initiatorinnen haben für das Anliegen bereits im Seniorenbeirat der Stadt einen entsprechenden Antrag eingereicht, welcher dort einstimmig angenommen wurde. Der Bürgermeister, Christoph König, brachte das Anliegen daraufhin direkt in den Magistrat ein.
Wegen der anstehenden Kommunalwahl ist es Schlembach und Bremer ein Anliegen, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Das Projekt soll unabhängig von politischen Strömungen existieren.
Schlembach und Bremer rufen die Bürger, die möglicherweise selbst eine Immobilie oder ein Grundstück besitzen oder von etwas wissen, das sich für ein Mehrgenerationenprojekt eignen würde, dazu auf, sich per E-Mail an mehrgenerationenhaus-kronberg[at]gmx[dot]de zu wenden. Nachdem eine passende Immobilie oder ein Grundstück gefunden worden ist, soll im nächsten Schritt nach den Bewohnern gesucht werden, damit das Projekt zusammenwachsen kann.