Konstantin Richter und „300 Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG“

Konstantin Richter las aus seinem neuesten Buch vor. Foto: privat

Kronberg (kb) – Eine Autorenlesung sollte immer auch Informationen bieten, die über das Buch hinausgehen. Am Mittwochabend, 25. Februar, mit Konstantin Richter im Museum der Kronberger Malerkolonie wurde diese Erwartung auf beste Weise erfüllt.

Der Abend begann mit einem geschichtlichen Exkurs in das 19. Jahrhundert – in eine Zeit, als Deutschland als Kulturnation existierte, aber die Wirtschaftsnation sich noch finden musste. Die Pioniere sind zum Beispiel Krupp in Essen und Siemens in Berlin. Mit anderen Unternehmen wie den Farbenfabriken Bayer und BASF werden Allianzen und Verbindungen mit großen Bankunternehmen hergestellt. Commerzbank, Dresdner Bank und natürlich die Deutsche Bank bilden zusammen mit den Wirtschaftsunternehmen Strukturen, die nicht nur die Weltkriege, sondern auch die Weltwirtschaftskrise und die Inflation überstehen. Eine zentrale Frage nach den „Gründerjahren“ dieser Deutschland AG ist die Verflechtung der Wirtschaft in den Weltkriegen und die Frage der Verantwortung, der Haltung zu Nazi-Deutschland und dem Holocaust. Fragen, die zum Ende der Veranstaltung viel vom sehr interessierten Publikum diskutiert wurden. Das Ende der Deutschland AG beginnt mit den Werteverschiebungen während der 1960er Jahre. Die beginnende Aufarbeitung der NS-Zeit in Literatur und Presse, das teilweise exzessive Partyleben der reichen Unternehmersöhne und die Machtkonzentration in den Händen weniger werden nicht länger toleriert.

Einem Namen, dem des Bankiers Hermann Josef Abs, kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Aber auch die Globalisierung, die sich verändernden Finanzmärkte und die Veränderung der Führungspersonen an den Unternehmensspitzen tragen zum Ende der Deutschland AG bei.

„300 Männer“ hätten nicht in die Kronberger Bücherstube gepasst, so viele Interessenten hatten sich angemeldet. Umso schöner, dass das Museum Kronberger Malerkolonie den kurzfristigen Umzug und die Veranstaltung in den eigenen Räumen ermöglicht hat. Ein rundum gelungener Abend, der Lust auf weitere Veranstaltungen der Kronberger Bücherstube geweckt hat.



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