Kronberg steht an der Seite der Bundeswehr

Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche, Erster Stadtrat Heiko Wolf, Oberstleutnant Alexander Bernstorff und Bürgermeister Christoph König (v. l.) präsentieren die Urkunde, die die Partnerschaft zwischen der Stadt Kronberg und der Bundeswehr besiegelt.

Kronberg (kb) – Wenn es um die Freistellung von Reservisten für Übungseinsätze oder auch akute Krisenfälle geht, kann sich die Bundeswehr auf die Unterstützung der Stadt Kronberg verlassen. War dies in der Vergangenheit schon selbstverständlich, so hat die Kommune ihre Bereitschaft dazu unlängst noch einmal bekräftigt. Auch dies ist Bestandteil der noch im „alten“ Jahr besiegelten Partnerschaft zwischen dem Landeskommando Hessen der Bundeswehr und der Stadt Kronberg.

Die sich überschlagenden Ereignisse des noch jungen Jahres zeigen nach Überzeu-gung vieler Entscheidungsträger hierzulande überdeutlich, wie unverzichtbar die Bereitschaft zur Verteidigung Deutschlands, Europas und der damit verbundenen Werte ist. In Anbetracht einer sich immer weiter verschärfenden sicherheitspolitischen Rahmenlage, so der Appell, seien alle gefordert, Maßnahmen zu treffen und die Resilienz insgesamt zu erhöhen. Um hierfür gerüstet zu sein, braucht es Männer und Frauen, die im Ernstfall bereit für den Einsatz sind.

Das gilt nicht nur für die aktive Truppe, sondern auch für Reservisten – also die ehemaligen Soldatinnen und Soldaten, die in Krisenfällen mobilisiert werden könnten. Laut Bundeswehr beläuft sich deren Zahl aktuell auf 860.000. Die Zahl allein jedoch sagt noch nichts über die Einsatzfähigkeit aus. „Davon sind derzeit höchstens 60.000 einsatzbereit“, berichtet Oberstleutnant Alexander Bernstorff. Seit 2024 arbeitet er als Regional-Beauftragter Hessen Süd im Dienst des Landeskommandos Hessen mit dem Pilotprojekt „Arbeitgeber und Wirtschaft“ an einer engen Vernetzung von Bundeswehr und Zivilgesellschaft. Nur mit Einverständnis der Arbeitgeber für eine Freistellung können Reservistinnen und Reservisten – als Bürger in Uniform – ihren Dienst in der Reserve leisten. Der zeitliche Bedarf liegt bei 10 bis 15 Tagen im Jahr.

„Bei den Arbeitgebern wie auch in der Bevölkerung insgesamt ist die Bereitschaft zur Unterstützung deutlich und größer, als zunächst erwartet.“ Ein positiver Eindruck, den er auch von seinem Besuch im Kronberger Rathaus mitgenommen hat.

„Der Appell, sich in der Reserve zu engagieren, richtet sich ausdrücklich nicht an Männer und Frauen, die bereits in anderen Blaulichtorganisationen Dienst tun“, führt er weiter aus.

Für die Verantwortlichen der Stadt war dies auch schon in der Vergangenheit Usus. „Wir schätzen und unterstützen das Engagement unserer Mitarbeitenden für das Gemeinwesen seit je her – sei es bei Feuerwehr, DRK, THW oder auch bei der Bundeswehr“, betonte Bürgermeister Christoph König. Die Freistellung sei so gesehen eine Selbstverständlichkeit. Allerdings, so der Kronberger Rathauschef, dürfte die Zahl der Mitarbeitenden der Stadtverwaltung im Reservistenstand sehr überschaubar sein. Schließlich sei die Zahl der Wehrdienstleistenden nicht erst nach dem Aussetzen der Wehrpflicht 2011, sondern schon seit den späten 1980er-Jahren maßgeblich zurückgegangen.

Umso wichtiger, so Bernstorff, sei es, vorhandene Reservisten zu informieren und ihnen Möglichkeiten des Übens zu eröffnen. Oberstleutnant Bernstorff: „Auch hier setzen wir in besonderem Maße auf die Unterstützung der Arbeitgeber.“ Wohlwissend, dass gerade in Stadtverwaltungen Menschen beschäftigt seien, die für kritische Infrastruktur verantwortlich und in Krisensituationen unabkömmlich sind, lege man vonseiten der Bundeswehr einen besonderen Fokus auf die Gewinnung von aktiven Reservisten in der Privatwirtschaft.

Darüber hinaus stehe der Dienst in der Reserve auch Männern und Frauen offen, die bislang aus ganz unterschiedlichen Gründen keinen Wehrdienst abgeleistet haben und sich im Heimatschutz einbringen wollen. Diese sogenannten „Ungedienten“ seien, so Oberstleutnant Bernstorff, bei entsprechender Eignung und nach einer kompakten Grundausbildung sehr willkommen in den Reihen der Reservisten. 800 zusätzliche Kräfte habe man in Hessen auf diesem Weg bereits gewinnen können, Tendenz steigend. Für Oberstleutnant Bernstorff ein weiterer Beleg dafür, dass die Bereitschaft, die Bundeswehr zu unterstützen, in der Bevölkerung sehr hoch ist.

Hinweis Reservisten

Soldaten der Bundeswehr werden nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst automatisch Teil der Reserve. Neben der Verstärkung der aktiven Streitkräfte in Krisenzeiten spielen Reservisten beim „Heimatschutz“ eine zentrale Rolle. Um diesem elementaren Aufgabenbereich die erforderliche Struktur zu geben, wurde zum 1. April vergangenen Jahres eine Heimatschutzdivision aufgestellt. In diesem Verband sind alle Heimatschutzkräfte der Bundeswehr unter einer zentralen Führung gebündelt.

Aktuell sind der Division auf Landesebene bisher sechs Heimatschutzregimenter zugeordnet, in Hessen das Heimatschutz Regiment (5). Die Heimatschützerinnen und -schützer sollen die aktive Truppe im Inland vorrangig in der subsidiären Amts- und Katastrophenhilfe oder bei Wach- und Siche-rungsaufgaben an verteidigungswichtiger Infrastruktur entlasten.

Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche (Mitte) unterzeichnete ebenso wie nach ihm Bürgermeister Christoph König (r.) im Beisein von Erstem Stadtrat Heiko Wolf (2.v.r.) und Oberstleutnant Alexander Bernstorff (l.) die Partnerschaftsurkunde. Fotos: Stadt Kronberg

Weitere Artikelbilder



X