Buchtipp
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Roman von Franziska Gänsler, Kein&Aber 2026, 25 Euro
Cora Melchior ist Verkäuferin an der Fleischtheke eines Supermarkts, ein Job, den sie mit großem Gleichmut versieht. Doch eines Abends bringt sie die Eilmeldung „Olympia Mitterwald – Mutmaßliche CEO-Mörderin in Berlin festgenommen“ auf ihrem Handy gehörig aus der Ruhe. Sie scheint mehr zu wissen über den Fall. Nach und nach erfährt der Leser die Geschichte der beiden Freundinnen aus Kindertagen, die sich zufällig als Teenager wieder begegnen. Die Ich-Erzählerin ist zu jener Zeit eine Musterschülerin des renommierten Europagymnasiums, auf dem sie jedoch kaum Anschluss findet, denn mit den rich kids aus ihrer Klasse kann sie, die über ein Förderprogramm an die Schule gekommen ist, nicht mithalten. Zu der unabhängigen, freiheitsliebenden Olympia fühlt sie Vertrautheit und Nähe. Durch einen Zufall geraten die beiden Mädchen in eine Gruppe von Umweltaktivisten, zunächst nur friedliche Rebellen, die sich auf Straßen festkleben, um auf die bedrohte Umwelt aufmerksam zu machen. Doch auch zu ihnen wird Cora nie wirklich gehören. Wie weit ist die Protagonistin bereit zu gehen, um endlich anerkannt zu werden? Franziska Gänslers Roman über jugendliche Radikalisierung ist vielschichtig: Es geht um Chancengleichheit, Identitätssuche, Gewalt und Authentizität, Freundschaft und Verrat. Dabei gelingt es der Autorin mit ihrer unprätentiösen, einfühlsamen Sprache, dicht an den Personen zu bleiben.
