Sichtungsturnier bei Familie Linsenhoff – 54 Dressurreiter waren am Start und bewiesen ihr Können

Tabea Schroer aus Hessen auf „Filegra“ trat am Freitag neben 15 weiteren Reitern an.

Foto: Westenberger

Kronberg (mw) – Am Wochenende war die junge Reitelite zum 44. Mal auf dem Schafhof bei Ann Kathrin Linsenhoff versammelt. Schon Ann Kathrin Linsenhoffs Mutter, Lieselott Linsenhoffs hatte zum Sichtungsturnier auf das Familiengestüt eingeladen. Der Wunsch der Familie: den Reitsport zu fördern – beim Sichtungsturnier die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dieses Jahr waren 54 Dressurreiter am Start. Um genau zu sein, waren es 50 Starterinnen und vier Starter, wie die Veranstaltungs- und Marketingmanagerin im Hause Linsenhoff, Fabiana Rutsch, verrät. Verbunden mit dem Sichtungsturnier sehen die Kronberger immer einen großen Fuhrpark auf der Wiese dem Schafhof gegenüber. Eigens eine Ampel wird eingerichtet, um die zahlreichen Reiter, Pferdepfleger, Freunde, Familien und Gäste des Sichtungsturniers sicher über die viel befahrene Straße zu geleiten. „Allein für die Pferde sind 82 Boxen aufgebaut worden“, erklärt sie zur Organisation des Turniers. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aus den gesamtem südlichen Bundesländern angereist. „Viele buchen zwei Boxen, um genügend Platz für Pferde und Utensilien zu haben“, erklärt sie, „manche reisen auch mit zwei Pferden an.“ Viele übernachten in Wohnmobilen auf dem Wiesengelände. Auf dem Schafhof herrschte dieses Jahr bereits am Freitag reges Treiben. Zum ersten Mal traten neben der Kategorie „Junge Reiter“ (17 - 21 Jahre), den Junioren (14 - 18) und den Ponyreitern (bis 16 Jahre) als neue Kategorie die „children Klasse “ an, mit bis zu 14 Jahren die jüngste Klasse der Reiterinnen und Reiter. Insgesamt hatte die Nachwuchselite, die aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, aus dem Saarland, Rheinland und natürlich aus ganz Hessen angereist war, pro Altersklasse zwei Dressurprüfungen zu absolvieren. „In den Prüfungen reiten alle Reiter die gleiche Abfolge“, erklärte Fabiana Rutsch, privat ebenfalls leidenschaftliche Reiterin. Aus den Gewinnern des Sichtungsturniers werden schließlich diejenigen ausgewählt, die beim „Preis der Besten“ in Warendorf bei Münster, einem der bedeutendsten Nachwuchsturniere Deutschlands, an den Start gehen dürfen.

Am Freitag traten bei kühlen Temperaturen auf dem Dressurviereck hinter der Reithalle bereits in den Vormittagsstunden 16 „Junioren“ an. Acht Minuten dauert eine Prüfung: Das sei eine große Portion Anstrengung, körperliche und geistige, versucht Rutsch es für Pferdelaien verständlich zu schildern, was den jungen Menschen eine solche Prüfung abverlangt. „Was sie hier sehen, ist jahrelanges Training und das nicht einmal in der Woche, sondern täglich“, berichtet sie. Und selbst wenn das Zusammenspiel von Reiter und Pferd zuhause bestens funktioniere, komme nun erschwerend die Turniersituation hinzu. „Die Pferde spüren jeden Stress ihres Reiters“, weiß sie. „Der überträgt sich ganz schnell auf das Pferd.“ Auch die Turniersituation gilt es also zu trainieren, die Anreise, eine fremde Umgebung, die vielen Menschen, die am Rande das Geschehen verfolgen, wenn auch mucksmäuschenstill und beinahe so hochkonzentriert wie die Dressurreiter. Die Schritte, die die Pferde zeigen, seien übrigens Schrittfolgen, die diese in freier Natur ebenfalls alle zeigen – wenn auch nicht in der Häufigkeit wie bei einer einstudierten Abfolge. Ziel der Vorführung mit fliegenden Wechseln, Traversalen, Piaffen und Passagen, mit Trab auf der Stelle und den Gangarten Schritt, Trab und Galopp in verschiedenen Tempi, ist, dass Reiter und Pferd miteinanderverschmelzen. „Die Hilfen, die der Reiter gibt, sollten für den Laien nicht erkennbar sein“, so Rutsch. Es sei, ähnlich dem Ballett, ein Zusammenspiel von Kraft und Eleganz, das hier zum Ausdruck gebracht wird. Die Kunst sei auch, entsprechend dem Charakter des Pferdes den bestmöglichen Gesamteindruck zu bewirken. Habe ich ein Tier, das sich gerne in Szene setzt? Dann werden die zurückhaltenden Schritte mit ihm die größere Herausforderung sein und umgekehrt. „Sie müssen mit dem Tier kommunizieren können.“ Allein das sei für Heranwachsende schon eine außerordentlich große Herausforderung. Aber genau an diesem Punkt lernten die jungen Reiter für das Leben, findet die Sichtungsturnier-Organisatorin. „Pferde sind einfach von Grund auf ehrliche Tiere. Wenn man sie respektvoll behandele, behandeln sie einen ebenfalls so. „Ist man jedoch nur damit beschäftigt, zu schauen, was man selbst braucht, statt daran zu denken, was braucht mein Pferd, wird man in der Entwicklung mit seinem Pferd früher oder später scheitern.“

Nach Scheitern sah es am Freitag bei den „Junioren“ glücklicherweise überhaupt nicht aus und auch wenn Tabea Schroer aus Hessen auf „Filegra“ am Ende bei der Juniorenwertung nicht auf den ersten drei Plätzen zu finden war, so zeigte sie, genauso wie ihre 15 Konkurrentinnen und Konkurrenten eine hochrangige Dressurdarbietung, die den Zuschauern große Freude machte. Und so nutzten auch einige Kronberger, die einfach Spaß am Dressursport haben, die Möglichkeit, diesen einmal aus nächster Nähe zu verfolgen, am Samstag und Sonntag schließlich sogar bei wunderbarem Frühlingswetter auf dem liebevoll von einem kleinen Park eingerahmten Dressurplatz.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Prüfungen Freitag:

Junioren Klasse M**

1. Valentina Pistner mit Flamboyant OLD, Hessen, 71,622%

2. Luca-Sophia Collin mit Descolari, Rheinland, 71,081%

3. Emma Gömmer mit Sir Robin Off Loxley, Bayern, 71,036%

(4. Liselott-Marie Linsenhoff mit Danönchen OLD, Hessen, 70,991%)

Junge Reiter Klasse S*

1. Semmieke Rothenberger mit Dissertation, Hessen, 75,570%

2. Semmieke Rothenberger mit Geisha, Hessen, 73,026%

3. Paulina Holzknecht mit Wells Fargo, Rheinland, 72,851%

Prüfungen Samstag:

Children Klasse L*

1. Lisa Steisslinger mit Havanna Negra, Baden-Württemberg, 71,167%

2. Antonia Müller mit Fleur S 2, Baden-Württemberg, 70,944%

3. Lisa Steisslinger mit Caddylack, Baden-Württemberg, 67,722%

Junioren Klasse M**

1. Valentina Pistner mit Flamboyant OLD, Hessen, 71,404%

2. Elisabeth von Wulffen mit Dancing World, Bayern, 71,360%

3. Liselott-Marie Linsenhoff mit Danönchen OLD, Hessen, 71,009%

Ponys Klasse L**

1. Frederike Feldhaus mit Delray 3, Rheinland, 71,111%

2. Paulina von Wulffen mit Top Queen H, Bayern, 70,812%

3. Johanna Kullmann mit Champ of Class, Rheinland, 69,744%

Prüfungen Sonntag:

Ponys Klasse L**

1. Frederike Feldhaus mit Delray 3, Rheinland, 73,659%

2. Paulina von Wulffen mit Top Queen H, Bayern, 72,846%

3. Johanna Kullmann mit Champ of Class, Rheinland, 72,276%

Junge Reiter Klasse S*

1. Semmieke Rothenberger mit Dissertation, Hessen, 74,825%

2. Semmieke Rothenberger mit Geisha, Hessen, 74,781%

3. Paulina Holzknecht mit Wells Fargo, Rheinland, 74,561%

Children Klasse L*

1. Lisa Steisslinger mit Havanna Negra, Baden-Württemberg, 72,188%

2. Antonia Müller mit Fleur S 2, Baden-Württemberg, 71,771%

3. Lisa Steisslinger mit Caddylack, Baden- Württemberg, 71,667%

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