Politik ist ein schmutziges Geschäft und verdirbt den Charakter, heißt es in einer bekannten und oft zitierten Redewendung. Aber so schmutzig, wie sie uns derzeit der amerikanische Präsident in seinem Wahlkampf vormacht, das erlebt man selten. Lügen sind es vor allem, mit denen er Politik macht. Er verdreht Tatsachen so, dass aus Schwarz Weiß wird, lobt sich beispielsweise als Präsident, der sich wie keiner seiner Amtsvorgänger für die afroamerikanische Bevölkerung einsetzt und verdreht die Zahlen der am Covid-19-Virus erkrankten und gestorbenen Bürger seines Landes so lange, bis er sich als Retter in der Pandemie brüsten kann. Am schockierendsten ist, wie viele seiner Landsleute ihm dennoch glauben und ihn, wie sie offen erklären, wiederwählen werden.
„Fakten, Fakten, Fakten“ war vor Jahren das Schlagwort, mit dem der Chefredakteur eines neuen Nachrichtenmagazins um Leser und Abonnenten warb. „Fake, Fake, Fake“ ist, was Trump nicht erst seit seinem Amtsantritt über Journalisten sagt. Mit verheerender Wirkung, nicht nur in den USA. Denn auch bei uns ist vor allem aus dem rechten Spektrum immer häufiger das Wort „Lügenpresse“ zu hören. Dabei gehört zu den wichtigsten Regeln in der Journalistenausbildung, in seinen Artikeln die Tatsachen und die eigene Meinung deutlich und für jeden erkennbar voneinander zu trennen. Oberstes Gebot ist es, möglichst objektiv über eine Veranstaltung oder ein Ereignis zu berichten. Was man selbst davon hält und wie man es bewertet, darf man durchaus auch schreiben, aber nur unter der Überschrift „Kommentar“. Manche Zeitungen allerdings, vor allem aus dem Verlagshaus Springer, haben dieses Gebot schon vor Jahrzehnten auf die leichte Schulter genommen und in Artikeln Tatsachen und Meinungen in einen Topf geworfen und verquickt. Das war einer der Gründe, warum seinerzeit Studenten auf die Straße gingen und vor den Springer-Verlangsgebäuden protestierten.
Wer heute „Lügenpresse“ schreit, damit alle großen Tages- und Wochenzeitungen, Nachrichtenmagazine, Rundfunk- und Fernsehanstalten meint und sogar Journalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens während ihrer Arbeit tätlich angreift, ist ganz offensichtlich infiziert von Trumps „Fake News“-Propaganda. Ein gefährlicher Trend zeichnet sich da ab, der demokratische Grundsätze außer Kraft setzen will, ein Trend, den jeder, dem unsere Demokratie am Herzen liegt, aufmerksam beobachten sollte.
Trump posierte erst kürzlich während der „Black Lives Matter“-Demonstationen mit einer Bibel in der erhobenen rechten Hand vor einer Kirche in der Nähe des Weißen Hauses, um klerikale Wählerschichten auf seine Seite zu ziehen. Dabei hat er einen Eid auf die Bibel geleistet, in der als achtes Gebot steht: „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Ein Gebot, das er in den vier Jahren seiner Amtszeit nachweislich zehntausendfach gebrochen hat. Kürzlich habe ich in einer Fernsehdokumentation über Amerika von einem kirchlich sehr engagierten frommen Wähler und seiner Frau, die erklärten, Trump wiederwählen zu wollen, als Antwort auf die Frage nach Trumps zahlreichen Lügen gehört: „Er ist unser Präsident, nicht unser Heiland.“
Das hat mich zutiefst schockiert – dazu fällt mir nichts mehr ein, gesteht
