Buswallfahrt ins Schwabenland

Die spätromanische Jakobuskirche erfuhr im Jahr 1896 in neoromanischem Stil eine grundlegende Restaurierung. Fotos: privat

Oberhöchstadt (kb) – Viele Besucherinnen und Besucher der St. Vitus-Kirche in Oberhöchstadt erinnern sich sicher an die in der Advents- und Weihnachtszeit ausgestellte „Arme Leute Krippe“ von Sieger Köder, ein Kunstwerk hergestellt aus Hasendraht, Zeitungspapier und unbemaltes Pappmaché. Die Initiatoren dieser Aktion waren anfangs besorgt, dass die Krippe während der Ausstellung zu Schaden kommen könne.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz, hat die Krippe die Ausstellungszeit in der Oberhöchstädter Kirche wohlbehalten überstanden. Sie wurde danach sorgfältig verpackt und in 12 Kartons in den Räumen des Pfarrbüros untergestellt. Um sie sicher an ihren Bestimmungsort zurück bringen zu können, kam der Gedanke auf, nochmals eine Buswallfahrt mit der wertvollen Fracht zu organisieren.

Dieses Vorhaben wurde am 29. April in die Tat umgesetzt, vorbereitet und organisiert von Frau Marianne Graf, die über 15 Jahre mit dem „Maler-Pfarrer“ in Rosenberg zusammengearbeitet hatte, und von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Liturgie, die mit Gebet und Liedern für den Wallfahrts-Charakter sorgten.

Bei schönstem Sonnenschein brachte der Bus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Rosenberg zur Wallfahrts- und Pilgerstätte Hohenberg, die mit herrlichem Rundblick an der fränkisch-schwäbischen Pilgerroute liegt. Hermann Sorg, 1. Vorsitzender der Sieger Köder-Stiftung in Ellwangen, ein Weggefährte des Künstlers, erläuterte auf dem Hohenberg das von Sieger Köder bemalte Haus, welches den Jakobusweg und die Legende des Heiligen Jakobus erzählt und als Wohnhaus mit einer Pilgerherberge genutzt wird. Außerdem führte er die Teilnehmer durch die spätromanische Jakobuskirche, die im Jahr 1896 in neoromanischem Stil eine grundlegende Restaurierung erfuhr.

Deren Fenster im linken Seitenschiff waren mit Themen aus dem Alten Testament in verschiedenen Blautönen, im rechten Seitenschiff mit Themen aus dem Neuen Testament in Rottönen von Sieger Köder farbenprächtig ausgemalt worden. Durch diese Neugestaltung und auch weiteren Änderungen erhielt die Kirche ihr ursprünglich romanisches Inneres zurück.

Während die Teilnehmer sich das Mittagessen im Restaurant Willa, gelegen in einem idyllischen Tal, schmecken ließen, brachte der Bus die wertvolle Fracht in das Sieger Köder Museum nach Rosenberg. Am Nachmittag konnten sie im Kinder- und Jugenddorf „Marienpflege“ in Ellwangen das von Sieger Köder gestaltete Fenster mit dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus und die bemalte Wand mit der Krippe des Heiligen Franziskus bewundern.

Diese Führung in der kleinen Kapelle durch Herrn Sorg sei ein weiterer Höhepunkt der Reise gewesen, denn Herr Sorg habe es wunderbar verstanden, anschaulich die Arbeitsweise des Künstlers zu erläutern, wie er seine kräftig leuchtenden Farbkompositionen zusammenstellte mit Motiven immer in Bezug auf die Gegenwart und die Menschen seiner Heimat. In Statur und mit seinem schwäbischen Dialekt, dem „Malerpfarrer“ ähnlich, fühlten die Teilnehmer sich in die Wirkungszeit von Sieger Köder, der von 1975 bis 1995 Pfarrer in Rosenberg war, versetzt.

Jetzt kann die „Arme Leute Krippe“ neben vielen anderen Exponaten im Sieger-Köder-Zentrum, ein Museum, das zu Ehren des Pfarrers und Kunstschaffenden 2011 in Rosenberg gebaut wurde, von vielen Besuchern bewundert und der Nachwelt erhalten werden.

Weitere Artikelbilder



X