Von knallenden Türen, Sardinen und Hans-Herbert

Auf der Bühne ist viel los: (nackter) Wahnsinn eben.Fotos: El Manshi

Oberhöchstadt (nel) – Hinter den Kulissen nennen sich alle „Schätzchen“, und doch fliegen bald die Fetzen: Bei der Vorstellung am vergangenen Sonntag um 17 Uhr im „Haus Altkönig“ zeigten „Die Fichtegickel“, die Theatergruppe des KV 02 Oberhöchstadt, mit Michael Frayns „Der nackte Wahnsinn“ einmal mehr, wie viel Chaos in ein einziges Theaterstück passt. Das Publikum im gut gefüllten Saal dankte es mit viel Gelächter und kräftigem Applaus.

Frayns Komödie, eine der erfolgreichsten weltweit, ist ein Stück im Stück: Ein Tourneetheater probt die Boulevardkomödie „Nackte Tatsachen“ und zieht damit anschließend durch die hessischen Kurbäder. Das Publikum erlebt mit, wie die Truppe zwischen Generalprobe und letzter Vorstellung Stück für Stück aus dem Takt gerät. Den besonderen Reiz macht dabei der ständige Wechsel zwischen Bühne und Hinterbühne aus.

Schon die Generalprobe im ersten Akt zeigt: Diese Truppe ist alles andere als in Topform. Regisseur Leander (Steffen Schmidt) verzweifelt zusehends, während Regieassistentin Pippa (Sophia Kulick) und Inspizient Tim (Torsten Heynen) unermüdlich rotieren. Und jeder hat sein Wehwehchen: Frederick (Andreas Risse) kann kein Blut sehen, Biggi (Melanie Rogwalder) fehlt die Kontaktlinse, und Dotty (Birgit Kühn) kämpft mit einem Teller Sardinen, der garantiert nie dort steht, wo er hingehört – so werden die Sardinen zum heimlichen Star des Abends. Hinzu kommen Affären und Eifersüchteleien zwischen Garry (Christoph Müller), Belinda (Ina Stinchcombe) und dem Rest des Ensembles, und irgendwo mittendrin wartet noch Einbrecher Hans-Herbert (Jörg Kouth) auf seinen großen Auftritt. Als schließlich aus einer Decke, die Frederick am Kopf klebt, kurzerhand der erwartete Scheich wird – spätestens dann kann sich das Publikum nicht mehr halten.

Im zweiten Akt wechselt die Perspektive: Das Publikum blickt hinter die Kulissen, während vorne gespielt wird – eigentlich ein Fall für eine Drehbühne, die es im Haus Altkönig nicht gibt. Die Fichtegickel lösen das mit einem Umbau der Bühne. Was als harmonische Probe begann, wird auf der Tournee mehr und mehr zum Kleinkrieg, in dem Türen klemmen, im falschen Moment knallen oder gerade dann aufgehen, wenn sie es nicht sollen. Und spätestens, als die Truppe im dritten Akt zur letzten Vorstellung ausgerechnet in Oberhöchstadt ankommt, hat der nackte Wahnsinn endgültig Einzug gehalten.

Dass dieses Chaos so herrlich funktioniert, ist harte Arbeit – gerade bei einer Komödie, die vom Scheitern erzählt, darf auf der Bühne nichts schiefgehen. Die Fichtegickel spielten textsicher, mit Tempo und einer Spielfreude, die hinter jeder sich öffnenden Tür spürbar war. Ein großes Lob gebührt auch denen, die man nicht sieht: der Regie von Yvonne Schmidt und Jörg Kuschel, Souffleuse Barbara Falland, Marcel Falland und Miriam Makosch an der Technik, Gerhard Patterer für das Bühnenbild sowie den vielen helfenden Händen des KV 02 beim Bühnenbau.

Interessierte, die sich den nackten Wahnsinn nicht entgehen lassen wollen, müssen sich beeilen: Die letzte Vorstellung findet am Samstag, 7. November, um 20 Uhr im Haus Altkönig, Altkönigstraße 30, in Kronberg-Oberhöchstadt statt. Die nummerierten Eintrittskarten kosten 17 Euro und können unter Telefon 06173 9997640 oder per E-Mail an kartenbestellung[at]kv02[dot]de bestellt werden. Die Karten werden an der Abendkasse hinterlegt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kv02.de.

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