„Gemeinde ist für mich ein Spielraum für kleinere und größere Fragen des Lebens“

Schönberg (ivy) – „Hab Dank, dass wir heute auch die Stimme von Dr. Lukas Grill-Jeromin in den Chor dieser Verkündigungen aufnehmen dürfen. Lass ihn seinen Ort finden. Lass uns ihn achten und neugierig auf ihn sein“, leitete Pfarrer Lothar Breidenstein in den festlichen Gottesdienst ein. Dr. Lukas Grill-Jeromin wurde vor kurzem in der evangelischen Markus-Gemeinde Schönberg zum Pfarrer im Ehrenamt ordiniert. Anders als in der katholischen Kirche sei die Ordination in der evangelischen Kirche keine Weihe.

Ganz im Sinne von „Teamwork“ hielt Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp für Pröpstin Henriette Crüwell die Ansprache, da diese am Vorabend ihre Stimme verloren hatte und gezwungen war, sich etwas zu schonen. Die Pröpstin nimmt Dr. Grill-Jeromin als jemanden wahr, der auf Türschwellen steht, dort also, wo Menschen kommen und gehen, wo Fragen gestellt und Begegnungen möglich werden. Freundliche, präzise Nachfragen und die Bereitwilligkeit zu verstehen zeichnen ihn aus.

Aufgewachsen ist der ehrenamtliche Pfarrer in München – in einer Familie, in der Theologie und Kirchenmusik zu Hause waren. Seine Mutter sowie sein Großvater waren Theologen und sein Vater war als Kirchenmusiker beschäftigt. Lange war offen, ob ihn sein Weg in die Psychologie oder die Musik führen sollte. Geworden ist es schließlich die Theologie. Eine Faszination für die großen Fragen des Lebens trägt er in sich. „Mir gefällt die Art, über diese Fragen nachzudenken – existenziell und zugleich spielerisch“, so Dr. Grill-Jeromin. Sein Studium absolvierte er in München, Edinburgh und Berlin. Wie wichtig ihm das Zuhören und Hören ist, habe er auch im Laufe seines Vikariats neu entdeckt. Er plant, sich in der religionspädagogischen Arbeit in der Kita „Rappelkiste“ einzubringen. Hier stellen Kinder ihre ersten Fragen nach Gott und der Welt. Aber auch im Schönberger Forum, wo Menschen über Kultur, Gesellschaft, Glauben und die Fragen unserer Zeit ins Gespräch kommen, möchte der ehrenamtliche Pfarrer sich einbringen.

Als kleine Erinnerung an diesen Tag überreichte die Pröpstin zwei Keile. Der begeisterte Musiker liebt die Schlager und Chansons der 20er-Jahre, da sie etwas verbinden, was selten zusammenkommt: Leichtigkeit und Tiefgang, Lebensfreude und existenzieller Ernst. Seine Band trägt den Namen „Harmonie Kante“. Die Pröbstin zieht hier einen Vergleich und sieht die beiden Keile gewissermaßen als Harmoniekanten.

„Wir leben in jedem Moment in Situationen. Diese Situationen sind immer auch Teil von Konstellationen. Allerdings neigen Menschen dazu, Konstellationen absolut zu setzen und sich darin zu verheddern. Dann leben wir nicht mehr wirklich in der Situation. Wir wissen nicht mehr, warum wir etwas tun und was uns trägt“, erläuterte der frisch ordinierte Pfarrer in seiner Predigt. Im Kleinen finde man den Sinn für das große Ganze. Das Leben sei mehr als Termine und To Do-Listen – diese seien auch wichtig, aber eben nicht alles. „Gemeinde ist für mich ein Spielraum für kleinere und größere Fragen des Lebens. Ein Ort, an dem Menschen die Gelegenheit haben, eine Unterbrechung ihrer alltäglichen Konstellationen zu finden. Ein Ort, an dem Fragen nicht beantwortet werden müssen, sondern stehen bleiben dürfen, an dem nicht immer alles glatt und harmonisch sein muss, der Menschen Mut macht, Dinge anzusprechen, die sie bewegen – und sich gleichzeitig ansprechen zu lassen von alten Geschichten von Menschen, die vor ähnlichen Fragen standen“, führt Dr. Grill-Jeromin sein Verständnis von einer Gemeinde aus.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst immer wieder zwischendurch durch „Schönberg Brass“ sowie Yelena Korban an Flügel und Orgel. Im Anschluss bot sich für die Besucherinnen und Besucher noch die Möglichkeit, bei Speis und Trank weiter zu verweilen und die Ordination zu feiern.

Dr. Lukas Grill-Jeromin, Pfarrer im Ehrenamt, hielt bei sommerlicher Hitze seine Predigt in der Markus-Gemeinde. Foto: Wreth

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