Oberursel (ow). Tempo und Agilität sind relativ, aber Spielintelligenz ist zeitlos. Einmal mehr hat die dritte Herrenmannschaft der TSG Oberursel am Sonntagabend mit all ihrer Erfahrung ein jüngeres Team besiegt – und nicht irgendein Team, sondern den bislang ungeschlagenen Tabellenführer der Kreisliga C aus Friedberg. Es war ein Alles-oder-nichts-Spiel. Sollte die TSGO gewinnen, war ihr der Aufstieg als Zweiplatzierter nicht mehr zu nehmen. Bei einer Niederlage wäre sie als Drittplatzierter nicht aufgestiegen.
Das Team war bis in die grauen Haarspitzen motiviert und war von Beginn an präsent. Schon in den ersten 90 Sekunden zwang es den Gegner mit einem 8:0-Lauf zu einer ersten Auszeit. Der Stil der Herren ist so pragmatisch wie effektiv:
Unter dem Korb dominiert Zwei-Meter-Hüne Horst Marschall, seines Zeichens auch Deutscher Meister Ü50. Nach Rebounds am eigenen Brett füttert er mit Pässen in Quarterback-Manier Patrick Weis, der mit seinen Tempogegenstößen den ein oder anderen jüngeren Spieler alt aussehen ließ.
Die Männer spielen teilweise schon so lange zusammen, dass sie sich blind verstehen. Während andere Teams ihre Plays auf Tablets zeichnen, läuft hier vieles noch über Blickkontakt, Zuruf und Handzeichen. Jeder auf seine Weise hat dazu beigetragen, dass das Team gleich in der ersten Saison nach der Neugründung den Aufstieg klargemacht hat.
Oft musste man zu fünft antreten und 40 Minuten durchspielen – der sechste Mann saß nicht auf der Bank, der sechste Mann war die Willenskraft. Auch Verletzungen im Spiel ohne Auswechselspieler hielt das Team nicht vom Siegen ab. Der Verletzte rannte dann eben nicht mehr mit nach vorne in den Angriff. Motto: gejammert wird nicht (nur dann, wenn keine Kaltgetränke zur Belohnung am Ende des Spiels warten).
Am Sonntagabend gewann die Mannschaft die ersten drei Viertel deutlich und lag zu Beginn des vierten Viertels mit 26 Punkten vorne. So souverän, dass man einen Gang zurückschalten konnte (oder musste?) und das vierte Viertel altersmilde dem jüngeren Team überließ. Fest stand aber da ohnehin: Der Aufstieg ist perfekt. 80:68 hieß es am Ende.
Die Saison war nicht nur sportlich, sondern auch logistisch ein Meisterstück. Vor jedem Training wurde zuverlässig das Warm-up absolviert: erst Pilates, dann Würfe. Die Team-Physio spricht bereits von einer „historischen Belastungssteuerung“, Fans nennen es schlicht „Dehnen, bis der Schiri pfeift“.
Mit dem Sprung in die Kreisliga B wartet nun eine neue Herausforderung. Doch das Aufsteigerteam bleibt gelassen. Schließlich ist man vorbereitet: mit Spielwitz, Zusammenhalt und einem Matchplan, der notfalls auch aus einer Formel bestehen darf: „Alt sind wir nur auf dem Papier – auf dem Feld sind wir vor allem clever.
Wir müssen nicht schneller sein als die Jungen – nur früher am richtigen Ort sein.
