Diana Sahakyan in intensivem Dialog mit dem „Eliot Quartett“

Mit diesen Künstlern und den Klavierquintetten von César Franck und Johannes Brahms präsentiert der Kulturkreis ein außergewöhnliches Musikerlebnis. Foto: Berthold Schinke

Oberursel (ow). Der rührige Kulturkreis mit seinem breitgefächerten Angebot veranstaltet zum Jahresende immer ein außergewöhnliches Kammerkonzert. Dieses Mal hatte er das Frankfurter „Eliot Quartett“ eingeladen, das zusammen mit der Pianistin Diana Sahakyan Werke von César Franck und Johannes Brahms präsentierte.

Der 200. Geburtstag von César Franck war Anlass, sein selten gespieltes Klavierquintett in f-Moll aufs Programm zu setzen. Unschwer erkennt man die Klangwelt einer Orgel. Wie sein österreichischer Altersgenosse Anton Bruckner war Franck primär Organist, der auch in seiner Sinfonik und Kammermusik „organistisch“ empfand. Häufig entsteht der Eindruck regelrechter „Registrierungen“. Auch das „Schwellwerk“ einer Orgel hat im f-Moll-Quintett seine Spuren hinterlassen: im ständigen An- und Abschwellen der Lautstärke. „Père Franck“, wie ihn seine Orgelschüler bewundernd nannten, zeigt sich hier als Vorreiter der jungen Generation, die in einer chromatisch changierenden Harmonik und eigenartigen Formenwelt den Beginn einer neuen Epoche französischer Musik erkannte. In seiner monumentalen Ausdehnung erreicht dieses Werk die Ausmaße einer Sinfonie.

Mit bewundernswerter Intensität gelang es den fünf Musikern, einen satten, raumfüllenden Klang zu erzeugen. In einzigartiger Homogenität breiteten die vier Streicher einen üppigen Klangteppich aus, in den die Pianistin eingebettet war. Diana Sahakyan erwies sich als ungemein wendige und anpassungsfähige Kammermusikerin. Immer präsent, nie dominant, von kraftvoll auftrumpfend bis geheimnisvoll raunend.

Die Vorlage für Franck, bei dem ein spätromantischer Monumentalstil mehrere weitläufige Satzgebilde zu einer ausgedehnten zyklischen Einheit zusammenfasst, war das zehn Jahre zuvor fertig gestellte Klavierquintett von Johannes Brahms gewesen, dessen 125. Todestages man in diesem Jahr gedachte.

Wie bei seinem ersten Klavierkonzert schwankte Brahms lange hin und her, welche Form er den drängenden Einfällen seines Klavierquintetts geben sollte, diesem thematischen Material, das Clara Schuman so „wundervoll großartig“ fand, „dass man es über ein ganzes Orchester ausgießen müsste“. Wieder erwiesen sich Diana Sahakyan und das „Eliot Quartett“ als wahre Meister der Dramaturgie. Vom zarten Beginn des ersten Satzes bis zum vollen Tuttiklang entwickelten die Musiker eine bezwingende Stringenz. Auch hier war das Zusammenspiel wieder beispielhaft. Das Andante unschwer an Schubert erinnernd, das Scherzo geisterhaft pointiert und das ausladenden Finale, das mit einer jubelnden Stretta endet, zeigten die kammermusikalische Meisterschaft der jungen Künstler, die am Ende mit reichlich Applaus und Bravo-Rufen bedacht wurden.



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