Oberursel (aks). 116 Jahre alt wäre Fryderyk Chopin an diesem 1. März geworden, mit 39 Jahren starb der berühmte Komponist in Paris. In der ausverkauften Stadthalle verhalf ihm der 27-jährige Julius Asal zu klangvollen Ehren. Der „Orscheler Bub“, wie ihn die Oberurseler liebevoll nennen, sorgte schon als Kind und als Schüler durch sein außergewöhnliches Klavierspiel für Aufsehen und wurde über die Grenzen bekannt. An der Kronberg Academy traf er viele weltberühmte Künstler und Mentoren, wie die Pianisten Eldar Nebolsin and Sir András Schiff, und auch den Geiger Gidon Kremer und reifte als Schiffs Meisterschüler zu einem international gefragten Klaviervirtuosen. Die Stimmung in der ausverkauften Stadthalle war nicht nur wegen des „Heimspiels“ voller Vorfreude, viele hatten einen weiten Weg auf sich genommen, um diesen jungen Mann live zu erleben. Frisch von der Carnegie Hall und der Elbphilharmonie auf dem Weg zur Semper Oper im März, beeindruckte er aufs Neue (2024 war er ebenfalls Pianist der Chopiniade) mit seinem exzellenten Klavierspiel und vor allem mit seinen Interpretationen und Improvisationen wie dem Scherzo Nr. 1 von Chopin, dem er den „Makrokosmos“ von George Crumb spielend anschloss. Um das Publikum nicht zu verwirren erlaubte er eine kurze Zäsur, in der geklatscht werden durfte, um dann seine eigene Chopin-Improvisation und César Francks „Préludes, Choral et Fugue“, in einem Atemzug zu Gehör zu bringen.
Leicht schweben seine Hände über die Tasten, er greift bei Crumb sogar in die Saiten des Flügels, um seinem Instrument noch mehr „anderen“ Klang zu entlocken. Julius Asal entführte mit prickelnder Frische, ungeheurer Konzentration und einem ganz eigenen Stil im Dunkel des Raums in vollkommene Stille hinein.
Die Zuschauer waren mucksmäuschenstill und lauschten der immensen Schönheit seines Spiels, in dem der Pianist selbst jede Note auszukosten scheint. Der Zauber der Musik an diesem Abend ließ die Welt, so schien es, die wieder einen neuen Krieg aushalten muss, ein wenig zur Ruhe kommen – einige Momente „verklärte Nacht“. So betonte auch Landrat Ulrich Krebs, dem die Unterstützung für die Chopin-Gesellschaft „aus Überzeugung“ ein Herzensanliegen sei, dass Musik gerade „in schwierigen Zeiten“ den Menschen helfe und bedankte sich für den Besuch des polnischen Vizekonsuls Bartłomiej Ksiazek, der mit seiner Gattin aus Köln angereist war.
Zum Auftakt-Konzert der „Chopiniade“ der Chopin-Gesellschaft begrüßte der Präsident und künstlerische Leiter, selbst renommierter Pianist, Rolf Kohlrausch die Ehrengäste, darunter die Bürgermeisterin von Oberursel, Antje Runge und Ehrenpräsidentin Ilse Schwarz-Schiller.
Träumerisch, als wäre er allein auf der in blaues Licht getauchten schwarzen Bühne, spielte der 27-Jährige, der sich vom Wunderkind zu einem bewunderten Pianisten seiner Zeit entwickelt hat, über zwei Stunden ohne Noten, an manchen Stellen so pianissimo wie ein Lufthauch, aber mit ebenso energischen Akzenten schuf er Gänsehautaugenblicke. Erfüllt von der Musik wirkte er frei und leicht und schuf mit seinem Spiel eine ganz eigene neue Welt. „Als würde das Klavier ihm ein Geheimnis erzählen“, so beschrieb es Menahem Pressler. Wunderbar, sich der Verlockung Asals Musik hinzugeben, hinzuhören und mitzuerleben, wie Asals leichthändig elegantes Spiel, ohne Posen, dem Steinway die verklärtesten Töne entlockte.
Nach den 13 Préludes von Rachmaninow im zweiten Teil hielt es die Zuschauer, die sich durch disziplinierte Stille (ohne Husten und Schnupfen!) und gespanntes Lauschen auszeichneten, nicht mehr auf ihren Sitzen. Julius Asal meisterte die mehr als zweistündige Tour de force, ohne sichtliche Anstrengung und bedankte sich mit drei Zugaben von Domenico Scarlatti, dem Satz „Montague et Capulets“ von Sergej Prokofiew sowie einer frühen Prélude von Maurice Ravel.
Man darf diesen Klavierabend als Ereignis bezeichnen, das einen strahlenden Stern am Klavierhimmel mitten nach Oberursel brachte mit einer Musik, die zur Entdeckung neuer Welten einlud. Die französische Zeitschrift Le Monde beschreibt sein Programm als “Geheimnis und feine Verbindung” mit dem “einzigartigen Zauber” seiner Musik.
Konzerte der Chopiniade in der Stadthalle:
Sonntag, 14. Juni, Rolf Kohlrausch, 18 Uhr, Sonntag, 18. Oktober, Adriana von Franqué, 18 Uhr und Sonntag, 22. November, Kevin Kenner, 17 Uhr.
