Geteilte Meinungen zum Durchstich Nassauer Straße

Oberursel (he). Fachliche Argumentationen und einige Wortgefechte bei der Podiumsdiskussion zum Anschluss Nassauer Straße. Am 24. Februar luden die Schüler der IGS Stierstadt zehn Fraktionsvorsitzenden der Oberurseler Stadtverordnetenversammlung ein, um über das millionenschwere Projekt zu diskutieren. Drei Schüler aus den Qualifikationsphasen zwei und vier führten die Anwesenden durch die Diskussion und achteten auf die Einhaltung der Redezeiten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde lautete die erste Frage an die Politiker , inwiefern der Verkehr auf der Nassauer Straße tatsächlich ein Problem darstelle.

Zu Stoßzeiten staue sich der Autoverkehr in der Liebfrauenstraße, münde in die Nassauer Straße und sowohl Frankfurter Landstraße, als auch Homburger Landstraße seien davon betroffen, so Marion Unger von der Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG). Dem schloss sich Martin Bollinger von der CDU an, wenn die Schranken des Bahnübergangs sich schließen entstünde Chaos für alle Verkehrsteilnehmer. Es sei ein Fakt, so Katja Adler von der FDP dass für das alltägliche Verkehrsaufkommen eine Lösung gefunden werden müsse und dass dabei kein Aspekt der individuellen Mobilität vernachlässigt werden dürfe, also Fuß- Rad- und Bahnverkehr dem Autoverkehr nicht vorgezogen werden dürfe.

Thomas Fiehler von der Unabhängigen Liste Oberursel (ULO) argumentierte, es gebe allgemein zu viel Autoverkehr in der Stadt und durch einen Durchstich an der Nassauer Straße verlagere sich dieser Verkehr nicht aus der Stadt heraus, sondern der Mobile Individualverkehr (MIV) werde dadurch eher gefördert. Diese Meinung vertrat auch Bernhard Herzog, SPD und sprach von Studien die belegen würden, dass sich bei ähnlichen Projekten die Situation kurzfristig entspanne. Nach etwa zwei Jahren würde sich jedoch aufgrund von induziertem Verkehr ein ähnliches Bild einstellen, wie man es vorher gehabt habe.

Kostenkalkulation mit einer Spanne von 10 Millionen Euro

Auch der Punkt der Finanzierung spielte eine große Rolle. Marion Unger, OBG, gab zu es sei ein Projekt, das finanziell schwer zu stemmen sei, man müsse den eingeschlagenen Weg jetzt aber auch durchziehen. Marc Hehner von der Initiative bezahlbares Oberursel (IBO) merkte an, dass Kosten noch nicht festünden und man genaueres erst in einigen Jahren wisse, weshalb sie als Partei sich mit Urteilen bezüglich des Projekts noch zurückhielten. Sie wollten aber keinesfalls eine Einschränkung des Verkehrs, da jeder Bürger das Recht zu freien Wahl seines Verkehrsmittels zu haben. Dem stimmte Paul Beuter von der AfD zu, auch sie seien noch unentschlossen und würden zunächst weitere Planungen abwarten wollen, doch Oberursel sei eine Pendlerstadt und der Autoverkehr gehöre dazu.

Aktuell liegen Schätzungen für die Kosten des Projekts zwischen 15 und 25 Millionen Euro. Katja Adler, FDP, die sich klar für das Projekt aussprechen betonte dass Investitionen eben Geld kosten und es wichtig ist Prioritäten an den richtigen Stellen zu setzen. Aufgabe der Politik sei es den Bürgern möglichst viele Freiheiten zu geben und Oberursel zu einer attraktiven Pendlerstadt zu machen. Energisch meldete sich Doktor Claudia von Eisenhart von der Klimaliste Oberursel zu Wort und warf ein, dass durch Gelder, die in die Planung des Durchstichs eingehen, Planungen eines Fahrradweges auf der Frankfurter Landstraße gestoppt wurden. Ihr sei es wichtig den Fahrradverkehr zu stärken, denn dadurch würde automatisch der Autoverkehr entlastet werden. Dietrich Andernacht von den Linken fügte hinzu, dass schon jetzt Gelder für den Verkehr fehlen. Nicht nur dass Radwege nicht gebaut würden, auch der Busverkehr würde reduziert und stark eingeschränkt. Mehrere Millionen Euro für ein solches Projekt auszugeben, stehe daher in keinem Verhältnis.

Als Marc Hehner, IBO, nach Alternativen zum Durchstich fragte, erklärte Christina Herr von den Grünen, dass die Partei sich für den Ausbau der Regionaltangente West einsetze. Dadurch würden die Stellwerke elektrisiert und die Schranke am Bahnübergang in einem besseren Zeitverhältnis geschlossen werden. Außerdem sprach sie den Umbau der Frankfurter Landstraße an. Dieser würde ein Zehntel kosten und etwa 80 Prozent Entlastung bringen. Bernhard Herzog, SPD, fügte hinzu es brauche gute Fahrrad- und Fußgängerwege und eine clevere Ampelschaltung um die Situation auf der Nassauer Straße zu verbessern. Die finanziellen Mittel würden an anderer Stelle nötiger gebraucht, so Herzog.

Zum Abschluss gab es die Möglichkeit konkrete Fragen der Schüler aus dem Publikum aufzunehmen.

Den Bahnübergang in beide Richtungen zu öffnen, sei nicht möglich. Es bestünde dann die Gefahr, dass der Verkehr sich bei Stau auf der Nassauer Straße über die Gleise zurückstaue.

Auch ein Ausbau der Behelfszufahrt von der Aumühlenstraße zur Bundesstraße, sei ausgeschlossen. Diese wurde 2011 übergangsweise für den Hessentag gebaut und es sei ausgeschlossen eine Genehmigung für die Verkehrstüchtigkeit der Straße zu bekommen. Auf die Frage wie das Projekt denn finanziert werden solle, antwortete Bollinger für die CDU, das Projekt sei zwar günstiger als 25 Millionen zu schaffen, dennoch bräuchte es auf jeden Fall Fördermittel von Land und Bund. Bis dahin sollen die Planungen soweit es geht konkretisiert werden.

Eine kurze Umfrage zum Schluss der Podiumsdiskussion, bei der die Meinung der Schüler im Raum abgefragt wurde, brachte kein eindeutiges Ergebnis. Ebenso wie die Vertreter der Parteien, waren sich auch die Schüler recht uneinig über das Projekt.



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