Gewollt provokant„coffee, brownies & downies“

Oberursel (sis). Langweilig kann jeder, polarisieren nicht alle! Genau das ist aber wichtig beim Thema gelebte Inklusion beeinträchtiger Menschen im sogenannten ersten Arbeitsmarkt, für ein glückliches Leben, in dem man wertgeschätzt wird. Das ist die Philosophie von Max C. Luscher und Roland Braza, die mit ihrem neu geschaffenen Konzept „coffee, brownies & downies“ ein Umdenken bewirken möchten, in der Gesellschaft, Politik und für Nachhaltigkeit. „Natürlich wären wir nicht auf die Idee gekommen, wenn wir nicht selbst Väter von Kindern mit Behinderung wären und uns die Frage gestellt haben, wo dürfen sie zukünftig arbeiten, außer in den Werkstätten“, gibt Roland Braza bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag, 4. September, offen und ehrlich zu. Genauso stellt er klar, dass es nicht der Rede wert sei, ob man „Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung sagt oder den Begriff „downies“ nutzt, weil Beeinträchtigte gar nicht den Wirbel darum verstehen und die Begrifflichkeiten eher als normal empfinden. Wichtiger sei es, ihnen einen Rahmen zu bieten, in dem sie gemeinsam mit Menschen ohne Beeinträchtigung mit ganz viel Herzenswärme und Begeisterung ihrer beruflichen Leidenschaft nachgehen können und ihnen auf Augenhöhe begegnet wird“.

„Natürlich braucht es mehr Personal, ein anderes Umfeld mit bedienfreundlichen Produkten und Geräten als auch eine Struktur, die von allen gemeinsam genutzt werden kann und ja, die bürokratischen Prozesse stellen für uns nach wie vor eine Herausforderung dar, aber wir glauben an das Konzept und unseren Wunsch, in zehn Jahren 100 Filialen in ganz Deutschland etabliert zu haben, für neue Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer Behinderung.

Anfragen gibt es ausreichend, sei es von Franchise-Interessenten oder aber Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, die gerne Teil des Konzepts sein möchten, um „sinnstiftender Arbeit“ nachzugehen und die täglichen, positiven Rückmeldungen, die sie erhalten, motivieren, an ihrer Idee festzuhalten, in die sie bisher mehr als eine halbe Million Euro selbst investiert haben.

„Das Glück in den Augen der Menschen zu sehen, mit denen wir zusammenarbeiten, die nach vier Wochen ihre erste Gehaltsabrechnung von uns erhalten haben, garantiert mit dem Mindestlohn und einer fairen Aufteilung des Trinkgeldes, bedeutet uns ganz viel und ermutigt uns zu vielem mehr. Man muss aber auch festhalten, dass ohne die finanzielle Unterstützung und Förderung der Länder und Kommunen unsere Idee nicht umsetzbar wäre, gerade aus betriebswirtschaftlicher Sicht“ so Roland Braza, dem es mit seinem Partner wichtig war, keine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen, sondern Vorreiter für ein Konzept mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund zu sein, das es in solch‘ einer Form bisher nicht gibt.

Ein klares Statement der Gründer und ein „Win-win“ für alle, die die Idee mit umsetzen, so auch für den 21-jährigen Matteo, der mit seiner eloquenten und herzlichen Art seinen Traumjob im Bedienen der Kunden und dem Abräumen der Tische, die im Übrigen keine Nummern sondern Namen wie „Affe“ tragen, gefunden hat und als Ärgernis eigentlich nur das zerdepperte Glas und das fünfmalige Verschütten vom Kaffee in den ersten vier Wochen empfindet. Der 48-jährige Torsten und die 42-jährige Kerstin haben zuvor in den Oberurseler Werkstätten gearbeitet und erfreuen sich neben ihrem höheren Gehalt an ihren neuen Aufgabengebieten bei „coffee, brownies & downies“. „Ich liebe es, das Geschirr zu sortieren, Tische abzuwischen und abends, wenn die Gäste weg sind, putzen zu dürfen“ beschreibt Kerstin ihr Aufgabengebiet. Torsten hingegen bereitet es Freude, die Spülmaschine zu bedienen, Geschirr ein- und auszuräumen und mit Einführung des neuen Mittagskonzeptes auch Essen zubereiten zu dürfen, wie Suppen und Waffeln.

Fehlende Lobby – Fehlanzeige in Oberursel! Hingehen, erleben, genießen, nicht nur die vielfältigen Produkte und einen hervorragenden Barista und ein neues Mittagskonzept, sondern glückselige Menschen, von denen eine Herzlichkeit und Wärme ausgeht, die ansteckt und einfach nur gut tut und hoffentlich ein Umdenken in der Mitte der Gesellschaft bewirkt, indem drüber gesprochen wird und „alleine dafür hat sich die Namensbildung schon gelohnt, Inklusion in die Mitte der Gesellschaft zu stellen“ beendet Roland Braza die Veranstaltung.

Torsten und Matteo im Gästebereich Foto: sis



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