Und was machst du nach der Schule? Berufsmessean der EKS bringt Schüler und Unternehmen zusammen

An jedem Stand, auch bei der iba Internationale Berufsakademie, ist das Interesse groß. Foto: sis

Oberursel (sis) „Und was willst du später einmal machen?“ Es ist vermutlich eine der Fragen, die Jugendliche irgendwann nicht mehr hören können. Und trotzdem kommt der Moment, an dem aus „irgendwann“ plötzlich ziemlich bald wird. Ausbildung oder Studium? Erst einmal ins Ausland? Etwas mit Menschen, Technik oder Zahlen? Oder vielleicht ein Beruf, von dem man bislang noch gar nicht wusste, dass es ihn gibt?

Samuel und Luca sind da schon ein ganzes Stück weiter. Beide sind 15 Jahre alt, besuchen die zehnte Klasse des Realschulzweigs der Erich-Kästner-Schule, EKS – und haben ziemlich konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft. Luca möchte ins Verwaltungswesen. Das liegt offenbar ein bisschen in der Familie, denn dort arbeiten bereits mehrere Angehörige in diesem Bereich. Zwei Praktika hat er selbst absolviert, eines in einer Bücherei und eines bei der Deutschen Rentenversicherung. Von der Berufsmesse könne er für sich einiges mitnehmen, sagt er. Samuel zieht es dagegen in Richtung IT und Wirtschaft. Sein Plan: Fachabitur machen und anschließend Wirtschaftsinformatik studieren. Zwei Schüler, zwei Pläne – und jede Menge weitere Möglichkeiten gab es am Freitagvormittag direkt vor der Klassenzimmertür.

Gemeinsam in die Zukunft

Bereits zum dritten Mal in Folge fand die Berufsmesse an der EKS statt. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Antje Runge kamen 14 Unternehmen und Institutionen in die Schule, um den Schülern berufliche Perspektiven zu zeigen. Damit nicht alle gleichzeitig durch die Stände strömten und ausreichend Zeit für Gespräche und Fragen blieb, besuchten die Klassen die Messe in unterschiedlichen Zeitblöcken. Der reguläre Unterricht lief währenddessen weiter. Das passt zum Motto der EKS: „Gemeinsam in die Zukunft.“

Schulleiter Julian Stey bezeichnete die Messe bei seiner Begrüßung als „großartiges Projekt“. Schule müsse gerade angesichts der weltweiten Situation ihren Beitrag leisten. Für ihn steht fest: „Die Berufsorientierung ist ein Muss.“ Dazu gehöre auch, die Lehrkräfte entsprechend auszubilden und die Jugendlichen kontinuierlich auf ihrem Weg zu begleiten. Dass die Messe gleich zu Beginn des neuen Schuljahres stattfindet, hält Stey für besonders wertvoll. Die Schüler sollten Informationen sammeln, den Tag für sich nutzen – und irgendwann den Beruf finden, der ihnen so viel Freude bereitet, dass sie täglich gerne zur Arbeit gehen.

Berufsorientierung ist an der EKS ohnehin fest im Schulalltag verankert. Im Haupt- und Realschulbereich absolvieren die Schüler ab Klasse acht zweimal jährlich Praktika, auch im Gymnasialbereich gehören Praktika in Mittel- und Oberstufe dazu. Die Zertifizierung der Schule im Bereich Berufsorientierung sei deshalb für Schule und Schüler gleichermaßen wichtig, so Stey.

Bürgermeisterin Antje Runge, die die Schirmherrschaft übernommen hatte, befand sich im Urlaub. Anna Latsch, Geschäftsbereichsleiterin Wirtschaftsförderung, Bürgerbeteiligung und Kommunikation, vertrat sie und brachte Grüße mit. Sie zeigte sich vor allem von der Bandbreite begeistert: kaufmännische und technische Berufe, soziale Bereiche, duale Studiengänge oder Freiwilligendienste – gerade Jugendliche, deren Berufswunsch noch unklar sei, könnten hier Ideen für ihre Zukunft sammeln. Auch für die Wirtschaftsförderung seien solche Formate wichtig. Unternehmen einen Rahmen zu schaffen und zukünftige Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzubringen, sei eine große Chance. Ihr Dank galt deshalb allen, die diese Messe möglich machten – und damit in die Zukunft der Schüler investierten.

Gemeinsam organisiert wurde sie von Wiebke Stüben-Kappner und Hans-Peter Neeb von SkillConnect. Stüben-Kappner leitet an der EKS die Berufsorientierung sowie den Haupt- und Realschulzweig ab Klasse acht und die Intensivklassen für Schüler aus dem Ausland mit noch geringen Deutschkenntnissen. Neeb organisiert Berufsmessen für Schulen und bringt die Unternehmen direkt dorthin, wo die Jugendlichen sind. Seine Motivation: möglichst viele Informationen für den weiteren Weg zu vermitteln – und vielleicht dabei zu helfen, den Traumberuf zu finden.

Wie viele Jugendliche das Konzept erreicht, zeigte sich an diesem Vormittag ganz konkret: Insgesamt hatten rund 500 Schüler aus den Klassen sieben bis zehn die Möglichkeit, die Berufsmesse an der EKS zu besuchen. Ihnen präsentierten die 14 Unternehmen und Institutionen eine Bandbreite an Ausbildungs-, Studien- und weiteren Orientierungsmöglichkeiten – von klassischen Ausbildungsberufen über duale Studiengänge bis zu Freiwilligendiensten und Auslandsaufenthalten. Für Hans-Peter Neeb war Oberursel dabei längst keine Premiere: Mit SkillConnect hat er inzwischen mehr als 50 Berufsmessen an unterschiedlichen Schulen organisiert. Sein Konzept bleibt bewusst nah an den Jugendlichen: Nicht die Schüler müssen sich auf den Weg zu einer großen Messe machen – die Berufsorientierung kommt direkt zu ihnen in die Schule.

Und dann war es endlich soweit: Stüben-Kappner fasste sich bei der Eröffnung deutlich kürzer, wünschte viel Freude, gute Gespräche – und los ging‘s.

Von Sozialem bis Technik – und zur Bundeswehr

Die Auswahl war groß. Soziale Berufe standen ebenso zur Wahl wie technische und kaufmännische Ausbildungswege, IT, Verwaltung, Finanzwesen und duale Studiengänge. Wer nach der Schule zunächst andere Erfahrungen sammeln möchte, konnte sich über Freiwilligendienste oder Auslandsaufenthalte informieren. Für diesen breiten Blick auf die berufliche Zukunft sorgten 14 Unternehmen und Institutionen: die Agentur für Arbeit, AIFS Educational Travel, Alexa Hurka, Baloise Frankfurt, die Bundeswehr, die Evangelischen Freiwilligendienste Diakonie Hessen, die Frankfurt School of Finance & Management, die Frankfurter Sparkasse, Hein und Gernhard, die Internationale Berufsakademie, iba, die Ketteler-La Roche-Schule, Mainmetall, die Stadt Frankfurt am Main und die Süwag.

Auch die Bundesagentur für Arbeit beriet nicht nur, sondern präsentierte sich selbst als Arbeitgeber. Christiane Ohrmann, Berufs- und Studienberaterin der Bundesagentur für Arbeit, schätzt gerade die Zusammenarbeit mit den Unternehmen und die Möglichkeit, den Schülern direkt Tipps geben zu können. Pro Jahr werden fünf Auszubildende sowie drei bis vier dual Studierende eingestellt. Darüber hinaus gibt es an allen vier Liegenschaften Möglichkeiten für Schüler- und Jahrespraktika.

Und dann gab es einen Stand, an dem es nicht nur um Schulnoten, Ausbildungsdauer und Karrierechancen ging: den der Bundeswehr. Denn die Jugendlichen wollten durchaus wissen, was eine Entscheidung für die Bundeswehr bedeuten kann. Auch das Thema Schießen und ein möglicher Einsatz im Krieg wurden angesprochen. Die Karriereberater Patric, Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, und seine Kollegin Liane stellten sich den Fragen. Die Bundeswehr biete zahlreiche Karrieremöglichkeiten, eine gute Ausbildung, Zukunftsperspektiven und soziale Sicherheit, erklärte Patric. Dabei muss der Weg keineswegs ausschließlich in eine militärische Laufbahn führen, so Liane. Zum Angebot gehören ebenso zivile Ausbildungsberufe und duale Studiengänge.

Für Ordesa ist die Sache trotzdem ziemlich klar. Die 15-Jährige besucht die zehnte Klasse des Realschulzweigs und möchte zur Bundeswehr. Bereits seit der siebten Klasse interessiere sie sich für Politik, außerdem sei sie sehr sportlich. Die Bundeswehr biete gerade jungen Menschen viele Möglichkeiten. Vor allem aber stecke in ihr der Wunsch, ihrem Land zu dienen und etwas Gutes für das Land zu tun. Ihre Mitschülerin Rajana denkt ähnlich. Sie interessiert der Gedanke, „für das Land zu kämpfen und für Freiheit für die Mitmenschen zu sorgen“. Und auch Vincent hat mit 15 Jahren bereits einen konkreten Plan: Der Zehntklässler möchte Feldwebel und Kfz-Mechatroniker bei der Bundeswehr werden und somit in den nicht militärischen, den zivilen Bereich gehen. Drei Jugendliche, drei klare Vorstellungen – und Fragen, die zeigen, dass Berufsorientierung durchaus mehr sein kann als die Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Wenn das Diensthandy plötzlich interessant wird

Großer Andrang herrschte auch am Stand der Süwag. Der Energieversorger war zum ersten Mal bei der Berufsmesse an der EKS dabei und brachte eine ganze Bandbreite an Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen mit. Celine Gimbel sprach mit den Jugendlichen auf Augenhöhe und machte komplexe Themen rund um Energie, Strom und erneuerbare Energien mit Beispielen aus dem Alltag greifbar.

Eine Handy-Akkuladung kann schließlich manchmal mehr erklären als jede theoretische Abhandlung. Und die Schüler fragten. „Was macht die Süwag eigentlich?“, „Haben Sie auch einen Kundenservice?“, „In welchen Fächern muss ich gut sein?“ – bis hin zur ganz konkreten Sorge: „Reicht eine Drei, um bei der Süwag eine Ausbildung anfangen zu können?“ Für den Verwaltungsbereich seien insbesondere Mathematik und Deutsch wichtig, erklärte Gimbel. Einen mindestens ebenso nachhaltigen Eindruck hinterließ allerdings eine Information am Rande: Je nach Tätigkeit werden den Mitarbeitern auch Notebook und Diensthandy zur Verfügung gestellt. Plötzlich waren einige Ohren noch ein bisschen gespitzter. Auch Mainmetall war bereits zum zweiten Mal dabei. Rund 30 junge Menschen bildet die Unternehmensgruppe jährlich aus, vier davon am Standort Frankfurt. Überhaupt gab es einige Wiederholungstäter, darunter die Bundeswehr und die Ketteler-La Roche-Schule. Und auch am Stand von Baloise Frankfurt war das Interesse am Versicherungsbereich groß.

Wie bei einer „richtigen“ Messe fehlte natürlich eines ebenfalls nicht: die Goodies. Kleine Mitbringsel wanderten an den Ständen in die Hände und Taschen der Jugendlichen – wobei am Ende hoffentlich nicht nur Kugelschreiber und Co. hängen blieben, sondern vor allem die eine oder andere neue Idee für die eigene Zukunft.

Mehr als ein Rundgang

Denn die Berufsmesse bestand nicht allein aus den Ständen. Vorträge ergänzten das Angebot und ermöglichten es den Schülern, einzelne Themen noch genauer kennenzulernen.

Miriam Gernhard von Hein + Gernhard stellte unter dem Titel „Mit Perspektive in die Zukunft“ den Beruf des Metallbauers mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik vor. Bei Baloise ging es um die ziemlich lebensnahe Frage „Ausziehen, Auto, erster Job – und plötzlich Versicherungen?“ und AIFS informierte über Auslandsaufenthalte weltweit.

Damit bot die Messe Antworten für diejenigen, die schon ziemlich genau wissen, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. Aber mindestens genauso wichtig war sie für alle anderen: für diejenigen, die noch überlegen, ausprobieren und vielleicht erst einmal herausfinden müssen, was überhaupt zu ihnen passt.

Vielleicht beginnt Zukunft mit einem Gespräch.

Für einen Siebtklässler mag die Berufswahl noch weit entfernt sein. Für Samuel, Luca, Ordesa, Rajana, Vincent und ihre Mitschüler in der zehnten Klasse rückt sie bereits ziemlich nah. Eine Berufsmesse kann ihnen die Entscheidung nicht abnehmen. Aber sie kann Türen zeigen, von denen sie vorher vielleicht gar nicht wussten, dass es sie gibt. Sie kann Vorurteile über Berufe ausräumen, Fragen beantworten und Menschen zusammenbringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Und manchmal reicht schon ein einziges Gespräch, um aus einem vagen „Vielleicht“ ein ziemlich konkretes „Das könnte etwas für mich sein“ zu machen. Am Morgen steht noch die Frage „Und was machst du nach der Schule?“ im Raum. Ein paar Gespräche später gibt es vielleicht schon die erste Antwort.

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