Netzwerktreffen macht Pflege sichtbarer

Oberursel (sis). Zum zweiten Mal in diesem Jahr fand das Offene Netzwerktreffen für Anbieter von Pflege- und Seniorendienstleistungen, kurz: ONAPS, statt – und erneut war der Zuspruch groß. Bereits das erste Treffen hatte auf ganzer Linie überzeugt, und auch beim zweiten Termin kamen sowohl bekannte Gesichter als auch neue Anbieter aus den Bereichen Gesundheit und Pflege zusammen – darunter auch etablierte Dienstleister, die beim ersten Treffen noch nicht vertreten waren – sogar weit über die Grenzen von Oberursel hinaus, unter anderem aus der Hauptstadt. Susanne Schneider, Initiatorin des Netzwerktreffens und Regionalvertretung der Brinkmann Pflegevermittlung, stellte erneut ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Netzwerken liegt ihr im Blut – und genau das spürten auch die rund 30 Teilnehmer, die sich intensiv austauschten und voneinander lernten. Nach einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden durch Susanne Schneider startete im Anschluss eine Vorstellungsrunde, in der sich alle Teilnehmer und ihre Angebote kurz präsentierten.

Säulensprecherin Katharina Unger war ebenfalls wieder mit dabei und betont: „Ich schätze an den Treffen insbesondere das Kennenlernen neuer, interessanter Kontakte und dass alle untereinander nun nicht mehr fremd sind und die Unterhaltungen in einem lockeren Rahmen stattfinden.“

Netzwerk breit diversifiziert

Genau diese offene Atmosphäre macht den besonderen Charakter der Veranstaltung aus und zeigt bereits erste Früchte wie Sascha Dahl und Yaro Dokukin berichten, die jüngst eine Zusammenarbeit mit den Berlinern gestartet haben und so ihren Patienten einen Mehrwert bei „HOMECARE - Die Alltagshelfer“ bieten. Der Name ist Programm: Die Alltagshelfer unterstützten hilfs- und pflegebedürftige Menschen dabei, selbstständig in ihrem Zuhause zu leben. Der Service umfasst flexible Hilfe im Alltag, im Haushalt sowie Begleitung außer Haus und Entlastung von Angehörigen. Im Mittelpunkt stehen eine persönliche, individuelle Betreuung und ein menschlicher Ansatz ohne Zeitdruck.

Susanne Schneider freut sich über den kontinuierlichen Zuspruch: „Der Spagat zwischen einer 24-Stunden-Pflege und dem Pflegeheim ist so groß – und dennoch spürt man hier ganz deutlich, dass es ein Miteinander und kein Gegeneinander ist.“ Besonders bewegt zeigt sie sich auch über die Aufmerksamkeit bis nach Berlin: „Wir sind alles Menschen im Pflegebereich, die an dem bisschen mehr Engagement interessiert sind, weil viele auch schon persönlich innerhalb der Familie betroffen waren.“ Wie emotional dieses Thema ist, wurde auch bei der Vorstellung einer Besucherin aus Berlin deutlich. Sie berichtete von ihrem kürzlich verstorbenen Vater, der auf Pflege und die Produkte der Pflegebox von proSenio angewiesen war – ein Moment, der viele der Anwesenden tief berührte. Dabei wurde auch klar: Viele wichtige Unterstützungsangebote sind Betroffenen oft gar nicht bekannt. So schafft die Pflegebox mit hygienischen Produkten eine wichtige Grundlage für ein sicheres Zusammenleben zu Hause – sowohl für Pflegebedürftige als auch für Angehörige und Pflegende. Ebenso wurde auf die Gefahren einer Sepsis hingewiesen, die durch entsprechende Vorsorge reduziert werden können.

Wie breit das Netzwerk aufgestellt ist, zeigte auch die Teilnahme von Katja Fayvon der Taunussparkasse. Als Gleichstellungsbeauftragte und „Pflegeguide“ unterstützt sie Betroffene dabei, die oft große emotionale Belastung zwischen familiärer Pflege und einem möglichen Umzug in ein Pflegeheim besser zu bewältigen.

Dass Pflege nicht erst mit dem Lebensende beginnt, machte auch Trauerrednerin Karin Krick deutlich. Für sie ist Netzwerken selbstverständlich, gleichzeitig betont sie: Der Trauerprozess beginnt häufig schon viel früher – nämlich dann, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt. Mit ihren Workshops begleitet sie Menschen auf diesem Weg. Auch die Pietät Schwarz war vertreten und gab Einblicke in ihre Dienstleistungen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit Vorsorge auseinanderzusetzen – nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Entlastung der eigenen Familie.

Der demografische Wandel sorgt dafür, dass das Thema Pflege immer stärker in den Fokus rückt. Viele Betroffene und Angehörige sind heute bereits besser informiert als noch vor einigen Jahren: Begriffe wie Pflegesätze, 24-Stunden-Betreuung, ambulante und stationäre Pflege oder Pflegeheime sind längst keine Fremdwörter mehr. All diese Bereiche waren auch beim zweiten Netzwerktreffen vertreten – von Anbietern aus dem Vorder- bis in den Hintertaunus. Doch Unterstützung beginnt oft schon früher: Personen mit Pflegegrad haben Anspruch auf Hilfe im Haushalt. Die Firma ABP-Hochtaunus geht hier sogar neue Wege und arbeitet mit einem Fensterputzer zusammen. Dessen Service stellt für viele Betroffene eine enorme Entlastung dar, da Hauswirtschaftskräfte diese Arbeiten aus versicherungstechnischen und zeitlichen Gründen häufig nicht übernehmen können. „Ein Pilotprojekt, das wie geschnitten Brot läuft“, so Barbara Dempsey – und ein Modell, das auch anderen Anbietern neue Denkanstöße gibt.

Wie kräftezehrend Pflege im eigenen Zuhause sein kann, wissen viele Angehörige aus eigener Erfahrung. Eine wichtige Entlastung bietet hier die Kursana Villa Oberursel, die Pflegebedürftige auch für einen begrenzten Zeitraum aufnimmt, stabilisiert und anschließend wieder nach Hause entlässt. Gerade für pflegende Angehörige ist die sogenannte Kurzzeit- und Verhinderungspflege eine wichtige Möglichkeit zur Erholung. Da viele Pflegeheime lange Wartelisten haben, ist es umso wichtiger, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Darauf weist auch Ute Krostitz vom Haus am Urselbach hin. Gleiches gilt für das Thema Demenz: Nicht verdrängen, sondern frühzeitig handeln. Raphael Vosen, der aus Kronberg zum Treffen kam, stellte seine Arbeit vor, die er über Hirnhanger anbietet. Seine Ansätze, die aus den USA stammen, zeigen: Jede zweite Demenz könnte verhindert werden – unter anderem durch gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf.

Ein oft unterschätzter Bereich: Pflege betrifft nicht nur ältere Menschen. Rund acht Prozent der Pflegefälle sind Kinder – und viele Familien wissen gar nicht, dass ihnen ein Pflegegrad zusteht. Katharina Hunger ist mit ihrem Team genau auf diesen Bereich sowie auf Intensivpflege spezialisiert und besuchte gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Christian Fuchs erneut das Netzwerktreffen.

Pflege beginnt jedoch nicht erst dann, wenn „nichts mehr geht“. Viele Angebote setzen bereits im Alltag an: Unterstützung beim Einkaufen, gemeinsame Spaziergänge oder einfach Zeit für ein Gespräch. Auch Tagespflegeangebote im Taunus tragen zur Entlastung bei: Pflegebedürftige werden morgens abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht. Eine weitere Möglichkeit bietet die sogenannte Telefonkette des Nachbarschaftsvereins „INTERAKTIV“. Mitglieder signalisieren regelmäßig, dass es ihnen gut geht – und wenn jemand nicht erreichbar ist, wird aktiv nachgefragt beschreibt Jutta Ibert. Für einen jährlichen Beitrag von nur 15 Euro entsteht so ein zusätzliches Sicherheitsnetz.

Gemeinsam sind wir stark – so lässt sich das zweite Netzwerktreffen zusammenfassen: Den Themen eine Bühne geben und Pflege nach außen lauter machen. Das nächste Netzwerktreffen findet am Donnerstag, 29. Oktober, erneut in den Räumlichkeiten der Brinkmann Pflegevermittlung statt und wird sicherlich wieder kommunikativ und zielführend für die Anbieter rund um die Themen Gesundheit und Pflege sein – vor allem aber für deren Klienten.

Der erste Schritt ist oft der schwierigste, kann aber vor vielem schützen und vor allem Klarheit schaffen sowie Ängste nehmen.

Mit ihrem exzellenten Netzwerk hilft Susanne Schneider von Brinkmann Pflegevermittlung nicht nur Betroffenen und Angehörigen, sondern bringt auch Dienstleister zusammen – für das Wohl der Pflegebedürftigen.



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