Königstein (kw) – Während einer fünftägigen Exkursion nach Krakau und in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenauhaben sich 32 Schülerinnen der Qualifikationsphase der St. Angela-Schule intensiv mit einem Kapitel der Geschichte auseinandergesetzt, das bis heute nachwirkt. Begleitet wurden sie dabei von ihren Geschichtslehrkräften. Die Jakob-Kaiser-Stiftung unterstützte die Fahrt organisatorisch und inhaltlich; Bildungsreferent Michael Mohs stellte das Programm unter den Leitgedanken „Verantwortung, die nicht endet“.
Auseinandersetzung mit Geschichte
Obwohl der Nationalsozialismus im Unterricht umfassend behandelt wird, zeigte sich vor Ort, wie schwer es bleibt, das Ausmaß von Verfolgung, Terror und systematischer Vernichtung wirklich zu begreifen. Der Besuch in Auschwitz-Birkenau hinterließ bei den Schülerinnen tiefe Eindrücke. Die Berichte der Guides, die Einzelschicksale, die Überreste der Lagerstrukturen und die unzähligen persönlichen Gegenstände der Opfer machten deutlich, wie unfassbar die Realität dieses Ortes war – und wie wichtig es ist, sich ihr zu stellen.
Der Schriftsteller Navid Kermani formulierte einst: „Man wird als Deutscher in Auschwitz niemals ein bloßer Besucher sein.“ Viele der Teilnehmerinnen bestätigten dieses Gefühl der besonderen Verantwortung. Die Exkursion wurde so zu einer eindringlichen Mahnung gegen Nationalismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Neben der Gedenkstättenarbeit bot die Exkursion auch Einblicke in die Geschichte und Kultur Krakaus. Bei einer Stadtführung lernten die Schülerinnen die ehemalige polnische Königsstadt als junges, lebendiges Zentrum mit reicher Tradition kennen. Besonders beeindruckten das Wawelschloss, die prachtvollen Kirchen und insbesondere die Marienkirche mit dem berühmten Altar von Veit Stoß. Auch der Trompeter, der stündlich vom Turm aus in alle vier Himmelsrichtungen spielt, blieb vielen in Erinnerung – ebenso wie das Wahrzeichen der Stadt, der feuerspeiende Drache am Weichselufer.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der jüdischen Geschichte Krakaus. Im Stadtteil Kazimierz besichtigte die Gruppe eine der historischen Synagogen, die während der NS-Zeit zweckentfremdet, aber nicht zerstört wurden. Der Besuch im Schindler-Museum verdeutlichte die Lebensbedingungen im Ghetto und erzählte die außergewöhnliche Geschichte Oskar Schindlers, der rund 1.000 Juden vor der Deportation rettete.
Besonders bewegend war der Besuch des Mahnmals auf dem Platz der Helden des Ghettos: Leere Stühle erinnern dort an die Menschen, die von diesem Ort aus in die Vernichtungslager deportiert wurden – an ihre Leben, ihre Hoffnungen und ihr gewaltsames Ende.
Begegnungen und Erkenntnisse
Neben den historischen Inhalten gab es auch Raum für Austausch und Begegnung. Gespräche mit Guides, Lehrkräften und Menschen vor Ort machten deutlich, wie eng und zugleich komplex die deutsch-polnische Beziehungsgeschichte ist. Vorurteile wurden hinterfragt, historische Zusammenhänge vertieft und kulturelle Besonderheiten entdeckt.
Die Exkursion war für die Schülerinnen weit mehr als eine Schulexkursion. Sie war eine intensive Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart, mit Verantwortung und Erinnerung. Viele betonten, wie wichtig es sei, solche Orte selbst zu besuchen – gerade weil Zeitzeugengespräche immer seltener werden.
Polen zeigte sich dabei als Land voller Kontraste: kulturell reich, landschaftlich reizvoll, aber auch geprägt von Orten, die zur Reflexion zwingen. „Wir waren nicht im Urlaub, sondern haben eine Reise erlebt“, fasste eine Teilnehmerin zusammen.
Eine Reise, deren Eindrücke und Erkenntnisse bleiben – und deren Verantwortung tatsächlich nicht endet.
Die SAS-Schülerinnen beim Besuch in Krakau an der Skulptur des feuerspeienden Drachen
Fotos: Heike Röhl
Gedenktafel an die Opfer im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

