Schäden, Mängel, Schönes: Oberursel

Oberursel (ow). Im Interview erläutern Bürgermeisterin Antje Runge und Anna Latsch, Geschäftsbereichsleiterin für Wirtschaftsförderung, Bürgerbeteiligung und Kommunikation, wie der Online-Stadtmelder funktioniert und was Bürger davon haben.

Schäden an Wegen, defekte Laternen, wilder Müll oder auch ein besonders gelungener Ort im Stadtgebiet: Mit dem neuen digitalen Stadtmelder können die Bürger solche Hinweise schnell und unkompliziert online an die Stadtverwaltung melden – über die städtische Beteiligungsplattform www.oberursel-mitmachen.de. „Oberursel-Mitmachen“ ist die digitale Infrastruktur der Stadt für Information und Beteiligung: Hier gibt es Aktuelles zu Vorhaben und Veranstaltungen, außerdem können Ideen, Wünsche und Anliegen eingebracht werden.

Der Stadtmelder ist die digitale Weiterentwicklung und Ergänzung zu den bisherigen Meldewegen. Der direkte Kontakt ins Rathaus bleibt weiterhin auch telefonisch möglich. Meldungen werden zentral an einer Stelle erfasst, der Bearbeitungsstand ist einsehbar. Warum der Stadtmelder eingeführt wurde, wie er funktioniert und welche Rolle er für die Beteiligung der Bürgerschaft spielt, erklären Bürgermeisterin Antje Runge und Anna Latsch, Geschäftsbereichsleiterin für Wirtschaftsförderung, Bürgerbeteiligung und Kommunikation der Stadt Oberursel, im Gespräch.

Frau Runge, warum führt Oberursel einen digitalen Stadtmelder ein?

Antje Runge: Viele Oberurseler sehen im Alltag sehr genau, wo etwas hakt – eine defekte Laterne, ein kaputtes Spielgerät, wilder Müll. Bisher kamen solche Hinweise über viele verschiedene Wege bei uns an: per Telefon, E-Mail, persönlich oder über Social Media. Mit dem Stadtmelder führen wir vor allem die digitalen Meldemöglichkeiten an einer Stelle zusammen und erweitern unsere Plattform oberursel-mitmachen.de um einen ganz praktischen Service. Bürgerinnen und Bürger können Hinweise im öffentlichen Raum schnell und unkompliziert melden – transparent, strukturiert und bürgernah. Und natürlich erreichen Sie uns auch künftig weiterhin telefonisch und persönlich im Rathaus.

Der neue Service versteht sich dabei als Einladung zum Mitmachen: Wo fällt etwas auf, das behoben werden sollte? Wo kann im Alltag etwas verbessert werden? Oft gilt: Mehr Augen sehen mehr – und Hinweise aus der Bürgerschaft helfen uns, Themen frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen. So entsteht Schritt für Schritt ein noch direkterer Draht zwischen Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft.

Darüber hinaus stellt die Stadt ab März 2026 eine zentrale Oberursel-App bereit, in der Bürgerinnen und Bürger nahezu sämtliche Informationen und Services rund um die Stadt an einem Ort finden – so gebündelt gab es das bislang nicht –, unter anderem den Stadtmelder und „Oberursel-Mitmachen“.

Und ganz praktisch gefragt: Was haben die Bürgerinnen und Bürger vom Stadtmelder?

Antje Runge: Vor allem wird es übersichtlicher und einfacher: Hinweise können jederzeit mit wenigen Klicks – auch vom Smartphone – zentral eingereicht werden. Und: Der Bearbeitungsstand ist transparent nachvollziehbar. So sehen die Menschen, was mit ihrer Meldung passiert – vom Eingang über die Weiterleitung bis zur Bearbeitung – und das die Meldung ganz konkret dazu beiträgt, Oberursel Stück für Stück zu verbessern.

Wie funktioniert der Stadtmelder konkret?

Anna Latsch: Der Stadtmelder ist über die städtische Beteiligungsplattform oberursel-mitmachen.de erreichbar. Wer etwas melden möchte, markiert zunächst den entsprechenden Ort auf der virtuellen Karte, wählt eine passende Kategorie aus und trägt eine kurze Beschreibung seines Anliegens ein. Bei Bedarf kann zusätzlich ein Foto hochgeladen werden.

Bürger können optional eine E-Mail-Adresse angeben: Diese wird nicht öffentlich angezeigt und nur für Rückfragen zur Bearbeitung genutzt. Der Bearbeitungsstand der Meldung ist aber jederzeit über die Plattform einsehbar – die laufende Kommunikation erfolgt also in erster Linie über das digitale Kartenmodul des Stadtmelders und nicht per E-Mail.

Welche Themen sind über den Stadtmelder besonders gut aufgehoben – und was eher nicht?

Anna Latsch: Besonders geeignet sind konkrete Hinweise im öffentlichen Raum: beispielsweise verschmutzte Flächen, führerlose Fahrräder, beschädigte Bänke, defekte Straßenbeleuchtung, verstopfte Gullys, Schäden an Straßen-, Rad- oder Gehwegen oder Probleme auf Spielplätzen und in Parkanlagen.

Wichtig ist aber auch: Der Stadtmelder ersetzt nicht die Notrufnummern. In akuten Gefahrensituationen – etwa bei Bränden, Unfällen oder Bedrohungslagen – sind weiterhin die 110 oder 112 zu wählen. Und für komplexere Anliegen, Anträge oder persönliche Beratung bleiben die bekannten Fachbereiche und Servicestellen die richtigen Ansprechpartner.

Es gibt eine Kategorie „Schönes“. Was hat es damit auf sich?

Antje Runge: Uns war wichtig, nicht nur Mängel zu sammeln. Wir haben viele Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern während Bürgerbeteiligungsformaten und Bürgermeisterinnensprechstunden erhalten, die sich wünschen, auch die attraktiven Seiten unserer Stadt sichtbar zu machen und zu betonen. Oberursel hat viele sehenswerte, familienfreundliche Orte und gelungene Projekte, über die wir uns freuen. Mit der Kategorie „Schönes“ geben wir den Bürgern die Möglichkeit, solche Orte sichtbar zu machen – zum Beispiel eine besonders gelungene Umgestaltung, eine neue Bepflanzung oder einen Platz, an dem man sich einfach gerne aufhält. Das schärft den Blick für das Positive und hilft uns gleichzeitig, positive Entwicklungen wahrzunehmen und weiterzudenken.

Was passiert mit einer Meldung, nachdem sie abgeschickt wurde?

Anna Latsch: Die Meldung wird intern automatisch an den jeweils zuständigen Bereich weitergeleitet – zum Beispiel an den Bau- und Servicebetrieb (BSO), das Ordnungsamt oder die Grünpflege. Dort wird intern geprüft, was konkret zu tun ist und wie das Anliegen behoben werden kann.

Über den Stadtmelder kann man dann den Status der Meldung sehen, etwa ob sie „in Bearbeitung“ ist oder bereits erledigt wurde. Das schafft Transparenz: Bürger sehen, dass ihre Hinweise nicht in irgendeinem Postfach verschwinden, sondern in einem nachvollziehbaren Prozess bearbeitet werden.

Was erhoffen Sie sich langfristig vom Stadtmelder?

Antje Runge: Zum einen natürlich eine schnellere und gezieltere Bearbeitung von Problemen im Stadtgebiet. Zum anderen ist der Stadtmelder für uns auch ein Beteiligungsinstrument: Er lädt dazu ein, die Stadt aufmerksam wahrzunehmen und aktiv mitzugestalten. Wenn Verwaltung und Bürgerschaft hier gut zusammenarbeiten, gewinnt am Ende vor allem eines: die Lebensqualität in Oberursel.

Im Interview erläutern Bürgermeisterin Antje Runge und Anna Latsch, Geschäftsbereichsleiterin für Wirtschaftsförderung, Bürgerbeteiligung und Kommunikation, wie der Online-Stadtmelder funktioniert und was Bürger davon haben.Foto: Stadt Oberursel



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