Vielseitigkeitstest als neues Modell im Sportunterricht

Schulleiter Klaus Puppe (l.) und Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz (r.) schauen beim Sportunterricht nicht nur zu. Auch sie testen ihre Fähigkeiten an manchen Stationen, wie hier beim Zielwerfen.Fotos: bh

Oberursel (bh). Ein lauter Pfiff von Lehrerin Kirsten Klatt und die Kinder der Klasse 4a schwirrten paarweise in der Sporthalle der Grundschule am Eichwäldchen aus. Dort waren zu Beginn der Sportstunde zwölf verschiedene Übungen aufgebaut. An jeder der Stationen lag der Schwerpunkt auf einer anderen sportmotorischen Grundfertigkeit wie beispielsweise Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer oder Arm- und Beinkraft.

Die Kinder, die diese Übungen schon seit Längerem kennen, konnten frei wählen, womit sie starten wollten – und es dauerte nicht lange, dann war in der gesamten Halle ein eifriges Treiben erkennbar. „Die Motorik und die Kraft wird bei Kindern zunehmend schlechter“, erklärte Klatt: „Mit diesem Vielseitigkeitstest wollen wir spielerisch dagegen angehen.“ Zu Beginn jeder Sportstunde gibt Klatt einen Impuls an einer anderen Station. Anschließend führen die Kinder die Aufgaben eigenständig durch und notieren selbstständig ihre Punkte in ihrem persönlichen Leistungsheft. „Der Test fördert auch die Teamfähigkeit, das Entscheiden und die Urteilsfähigkeit jedes einzelnen Schülers“, sagte Klatt und verwies immer wieder auf die fröhlichen und motivierten Gesichter ringsrum. Aber auch für sie selbst entsteht so ein gutes Bild, in welchem Bereich die jeweilige Klasse noch arbeiten muss. Im Fall der 4a steht für die Zeit bis zu den Weihnachtsferien verstärkt Bodenturnen auf dem Programm.

Dieser Vielseitigkeitstest, der in den Klassenstufen zwei, drei und vier zu Beginn eines jeden Schuljahrs auf dem Plan der Grundschule im Oberurseler Norden steht, setzt sich aus Elementen des Hessischen sowie Schweizer Bewegungschecks und des Stuttgarter Bewegungspasses zusammen. Darüber hinaus flossen Erfahrungen der Sportlehrer, insbesondere von Klatt, mit ein.

Ein landesweites Projekt ist es (noch) nicht, aber der Hessische Kultusminister, Prof. Dr. R. Alexander Lorz, schaute höchstpersönlich jüngst in einer Sportstunde zu. „Ich finde es eine tolle Sache, dass der Sport hier als Thema auftaucht. Denn man wächst nur gesund auf, wenn man sich bewegt“, sagte der 57-Jährige bei einem seiner letzten Termine vor den Koalitionsverhandlungen: „Wer bereits als Kind zu wenig macht, wird auch als Erwachsener nur wenig machen.“ Dieser Vielseitigkeitstest sei dabei als Erweiterung des hessenweit jährlich stattfindenden Bewegunschecks für die dritten Klassen „sehr attraktiv“.

Für Klatt ist insbesondere der herausfordernde Aspekt dieses Sporttests (die Kinder bekommen am Ende eine Note) wichtig: „Die Kinder kommen kaum noch an ihre Grenzen und gehen selten darüber hinaus.“ Hier gebe es die Möglichkeit, sich jede Einheit – und auch über die Schuljahre hinweg – individuell zu verbessern. Zudem gebe diese Vielfalt die Möglichkeit, Eltern und Kindern gezielt Sportvereine anhand des jeweiligen Leistungsstands zu empfehlen.

Aber was sagen eigentlich die Kinder selbst zu diesem Sportprogramm? „Ich finde es gut, dass wir uns die Stationen selbst aussuchen dürfen“, sagte Dustin (10), der sich zunächst für den Standweitsprung entschieden hatte: „Wir müssen zwar alle Übungen machen, können uns aber auch auf einzelne Stationen mehr konzentrieren und verbessern.“ Ähnlich sah es Jonas (9), der seinem Mitstreiter auch beim Hampelmann regelmäßig Tipps gab: „Hauptsache ich muss nicht warten.“

Ganztagsbereich

Doch auch abseits des Sports entwickelt sich die Schule weiter. Neben einer langsam aber stetig wachsenden Infrastruktur an digitalen Geräten soll der Ganztagsbereich der Selbstständigen allgemeinbildenden Schule (SES) auf- und ausgebaut werden. „Alle Gremien haben zugestimmt. Jetzt entwickeln wir gemeinsam Konzepte“, sagte Schulleiter Klaus Puppe. Allerdings fehlen hier Fachkräfte, die die Betreuung am (späten) Nachmittag übernehmen können. Der Nachmittag soll laut Puppe mit vielen AGs (Zumba, Yoga, Fußball) aber auch einem Zusammenspiel aus Lern- und Hausaufgabenzeiten bestückt werden. „Es ist auch für Grundschullehrer ein Paradigmenwechsel, plötzlich verstärkt auch am Nachmittag im Einsatz zu sein.“

Weitere Artikelbilder



X