Der Zauber von Redu – Torsten Woywod liest aus seinem Roman

Autor Torsten Woywod zeigt das Gemälde, das das Cover für seinen Roman wurde. Foto: Stock

Oberursel (he). In gemütlicher Atmosphäre tauchten am Mittwoch, 11. März, Bücherliebhaber zusammen in den Wohlfühlroman von Torsten Woywod ein. Die Buchhandlung Bollinger und der Bestseller-Autor luden ein zu einer Reise durch Buchläden und Bücherdörfer bis hin zu einer ungewöhnlichen Freundschaft.

Antonia Stock, Inhaberin der Buchhandlung, begrüßte die Anwesenden und stellte Torsten Woywod kurz vor. Er arbeitete in der Vergangenheit bereits selbst als Buchhändler und war Marketingleiter im DuMont Verlag, bevor er 2023 einen eigenen Verlag gründete und mit großem Erfolg das Buch „Leonard und Paul“ herausbrachte. Im Januar dieses Jahres erschien sein Debütroman „Mathilde und Marie“, der mittlerweile auf Platz zwei der Spiegel-Bestsellerliste steht.

„Eine Buchhandlung ist ein lebendiger Ort“, betonte Antonia Stock und dass es schön sei als „Frühlingslesung“ ein solch lebensfrohes und zugleich entschleunigendes Buch vorgestellt zu bekommen.

Torsten Woywod begann den Abend mit einer Reise in die Vergangenheit, weit bevor die Idee für „Mathilde und Marie“ entstand. Mit Witz und Humor erzählte er von seinen Besuchen in den schönsten Buchhandlungen der Welt und zeigte Fotos von ordentlichen, chaotischen, kleinen, riesigen und einer schwimmenden Buchhandlung. In Tokyo schlief er im „Book & Bed“ in einer Schlafkapsel umgeben von Büchern bis er auf seiner Reise das Bücherdorf „Redu“ in Belgien fand. Bücherdörfer sind Orte, in denen sich eine hohe Anzahl von Antiquariaten, Buchhandlungen und literarischen Einrichtungen angesiedelt hat. Redu war nicht das erste Bücherdorf, das Woywod besuchte, doch es hatte es ihm angetan. In den nächsten Jahren kehrte er immer wieder zurück, um die Ruhe und die Natur dort zu genießen. Über die Zeit hinweg, verliebte er sich so sehr in dieses Dorf, dass es zum zentralen Handlungsort seines ersten Romans wurde.

In der ersten Textstelle der Lesung verschlägt es die junge Französin Marie an diesen entschleunigten Ort, an dem der Kirchturm leicht schief ist und die Ziffernblätter der Kirchturmuhr unterschiedliche Zeiten anzeigen. Die eine Uhr geht im Vergleich zur anderen fünf Minuten nach und schenkt dementsprechend jedem eine zweite Chance pünktlich zu sein. Diese Interpretation der falsch gehenden Uhr stieß im Publikum auf Lachen und zustimmendes Nicken.

Der Name „Redu“ leite sich vom französischen Wort „réduire“ (reduzieren) ab und so lebe es sich dort auch. Der Ort habe eine tröstliche, wohltuende Wirkung auf ihn, so Woywod.

Anschließend las er das Vorwort vor, in dem er allen Buchhändlern auf der Welt, die täglich eintreten für Geschichten, die Mut und Hoffnung machen, die Trost spenden oder zum Nachdenken anregen dankte. Oder Geschichten, die einfach nur guttun. Und solch eine Geschichte sei „Mathilde und Marie“.

Torsten Woywod erzählte von Umwegen, die seine Geschichte nahm, von Rückschlägen und Schreibpausen, in denen er schließlich feststellte, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt ein Buch zu schreiben. Er schrieb der Literaturagentin Monika Kempf, die seine Idee für einen Roman als interessant einstufte. Nach weiteren Monaten stellte Woywod für sich fest, sein Buch soll multiperspektivisch sein und so entstanden die Tagebucheinträge der zweiten Hauptperson Mathilde. Zwei davon las der Autor als nächstes vor und zeichnete damit ein Bild von einer ruhigen Dame, die gerne alleine ist und morgendliche Spaziergänge liebt. Sie ist nicht begeistert von der jungen Marie aus Paris, die das Herz des Dorfhundes Anneliese im Sturm eroberte. Gleichzeitig ist Mathilde auch fasziniert wie Marie alles um sich herum aufnimmt und mit jedem neuen Tag ausgeglichener wirkt.

Torsten Woywod wollte mit dieser Erzählperspektive Einblicke in das Gefühlsleben der alten Dame und dem Leser einen Wissensvorsprung geben.

Im Zuschauerraum war es völlig still, alle schienen gefesselt von der Geschichte des malerischen Dorfes und den beiden so unterschiedlichen Frauen. Einer von vielen Glücksmomenten war, als die Autorin Beatrix Gerstberger sein Buch las, erzählte Torsten Woywod. Sie beschrieb es als „Eine berührende Hommage an das Lesen, das Zuhören – und an Orte, an denen man beides noch kann“.

Schließlich neigte sich der Abend seinem Ende zu. Die Anwesenden kamen ins Gespräch über den Roman und die Fotos des Dorfes „Redu“ in Belgien. Außerdem bat Woywod alle im ersten Manuskript der Erzählung zu unterschreiben, sofern sie möchten.

Es war ein Abend voller Reisen, ankommen und der Liebe zu Büchern. Wie der Autor zu Beginn des Abends angekündigt hatte, war dies tatsächlich keine „klassische Wasserglaslesung“.

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