Hessen (bs) – In lauen Sommernächten können schon einmal romantische Gefühle aufkommen. Nicht nur bei uns Menschen, auch Glühwürmchen lieben diese dunklen Stunden. Meist nur fünf bis zehn Tage im Zeitraum von Ende Juni bis Mitte Juli gehen sie mit Einbruch der Dämmerung auf Brautschau. Entlang von Waldrändern, im Gebüsch oder auch im Park, zudem größtenteils in Wassernähe, sind sie dann unterwegs und funkeln durch die Nacht – ein bezauberndes Naturschauspiel.
„Leider sind von Jahr zu Jahr weniger Glühwürmchen zu beobachten. Neben der Intensivierung der Landwirtschaft und einer zunehmenden Bebauung sorgen vor allem die steigende Lichtverschmutzung und fehlende Gehölze in Wassernähe für den Rückgang dieser faszinierenden Käfer“, sagt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU Hessen. .
Wunderwaffe gegen Schnecken
Die ersten drei Jahre ihres Lebens verbringen die Leuchtkäfer unterirdisch als Larve. In dieser Zeit verputzen die Käferlarven Unmengen an Schnecken, die zum Teil doppelt so lang und bis zu 15 mal schwerer sind als sie selbst. Dafür verfolgen sie die Schnecken anhand deren Schleimspur und spüren sie so überall auf. Das Leben als fertiger Käfer ist hingegen ziemlich kurz, denn kurz nach der Paarung und der Eiablage hat es sich für die Käfer bereits ausgeleuchtet.
Damit Glühwürmchen sich in unseren Gärten und Grünanlagen wohlfühlen und wir ihr natürliches Licht genießen können, sollte man im Garten kein Gift verwenden und nach Möglichkeit heimische Laubbäume und Sträucher anpflanzen. „Perfekt wäre es natürlich, zur Glühwürmchen-Hauptzeit im Juni und Juli den Rasen nicht zu mähen. Zur Not hilft es aber auch schon, wenn Sie das Gras in einem breiten Streifen entlang der Gehölze oder in einer Ecke länger stehen lassen“, empfiehlt Sommerhage. Ast-, Schnittgut- und Laubhaufen dienen den Weibchen als Ansitz und auch die Larven halten sich dort gerne zur Schneckenjagd auf.
Auf Kunstlicht verzichten
„Wer Glühwürmchen genießen will, sollte in den dunklen Stunden auf Kunstlicht verzichten. Dann können sich Männchen und Weibchen leichter finden und die nächste Generation Glühwürmchen ist gesichert“, so Sommerhage. Die künstliche Helligkeit unterdrückt die Aktivität der Larven und Männchen werden von ihr vertrieben, sodass die Weibchen, die in der Nähe von Lichtquellen sitzen, vergeblich auf ein paarungsbereites Männchen warten. „Wenn das Kunstlicht aus ist, hat man zwischen 22 und 24 Uhr die besten Chancen, die Leuchtkäfer beim Flirten zu beobachten“, sagt Sommerhage.
Auch wenn man es ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht: Glühwürmchen gehören zu den Käfern. In Hessen sind drei Arten beheimatet: der Große Leuchtkäfer, der Kleine Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer. Nur die Männchen sehen wie typische Käfer aus. Die Weibchen sind flügellos, können somit nicht fliegen und erinnern auf den ersten Blick an einen Wurm. Damit die Männchen die paarungswilligen Weibchen entdecken, locken sie die Weibchen von erhöhten Punkten aus mit neongrünen Leuchtsignalen an.
Wer Glühwürmchen im Garten oder bei einem Spaziergang entdeckt, kann die Beobachtung auf www.nabu-naturgucker.de eintragen.
