Netze sollen für sauberes Wasser sorgen

WMT-Geschäftsführer Kai-Thorsten Lorenz erläuterte dem Bauausschuss am Mittwoch vergangener Woche, warum das Naturbad immer wieder geschlossen werden musste. Achivfoto: Schlosser

Schwalbach (MS) – Wie geht es weiter mit dem Schwalbacher Naturbad? Ausführlich stand am Mittwoch vergangener Woche der Geschäftsführer der Wasserversorgung Main-Taunus (WMT), Kai-Thorsten Lorenz, den Stadtverordneten im Ausschuss für Bau, Verkehr, Umwelt und Naturschutz (BVUK) Rede und Antwort, warum das Schwimmbad in der Wilhelm-Leuschner-Straße in diesem Jahr so häufig geschlossen werden musste. Die gemeinsame Gesellschaft der Stadt und der Süwag betreibt das Bad im Auftrag der Stadt.

Die Bilanz ist ernüchternd: 127 Tage lang war das Naturbad bis Mitte September geöffnet. An 31 Tagen davon war das Schwimmerbecken gesperrt. Ins Nichtschwimmerbecken durften die Badegäste sogar an 50 Tagen nicht hinein. Kurz: An 40 Prozent der Tage war dieses Becken zu – und es waren in der Regel die heißen Sommertage. Der Grund für die Sperrungen war immer der gleiche: Wegen zu hoher Keimbelastung mit E.-Coli-Bakterien hatte das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreis jeweils verfügt, dass die Becken nicht benutzt werden dürfen.

In den Jahren zuvor kam das zwar auch immer wieder einmal vor, doch in erheblich geringerem Ausmaß. Wie Kai-Thorsten Lorenz berichtete, musste das Schwimmerbecken im Jahr 2024 nur an drei Prozent und das Nichtschwimmerbecken an acht Prozent der Saisontage geschlossen bleiben.

Als eine Ursache gelten Nilgänse, die sich im Naturbad aufhalten und mit ihrem Kot das Wasser verunreinigen. Eine Genehmigung zum Abschuss der Tiere lag in diesem Jahr zwar vor. Sie brachte bisher aber keinen Erfolg. Denn wegen der Nähe zu den benachbarten Wohnhäusern darf der beauftragte Jäger nur in einer festgelegten Richtung schießen. Dort hielten sich die Tiere nach Angaben von Kai-Thorsten Lorenz jedoch nicht auf. Auch der Versuch, sie mit Futter in diesen Bereich zu locken, sei gescheitert.

Teure Nachtwachen

Besser funktionierte ein nächtlicher Sicherheitsdienst. Mitarbeiter vertrieben die Gänse unter anderem mit Blitzlichtern. Dadurch sei die Keimbelastung deutlich zurückgegangen. Ganz vermeiden ließen sich die Schließungen aber nicht. Auf Dauer sind die Nachtwachen nach Angaben des WMT-Geschäftsführers auch keine Lösung, denn der Anti-Gänse-Streifendienst ist außerordentlich teuer: Aus Sicherheitsgründen mussten jeweils zwei Beschäftigte eingesetzt werden. Die WMT zahlte nach Angaben von Kai-Thorsten Lorenz pro Person 32 Euro je Stunde, so dass eine einzige Nacht mit 600 bis 800 Euro zu Buche schlägt.

Nun sollen Netze helfen. Für den Nichtschwimmerbereich stehen bereits kleinere Netze bereit, die während der Schließzeiten auf dem Wasser liegen sollen. Über dem Regenerationsbereich ist ein fest installiertes Netz in rund zweieinhalb Metern Höhe vorgesehen. Es ist bereits bestellt, aber noch nicht installiert. Auch das Schwimmerbecken soll künftig nach Betriebsschluss mit einem Netz überspannt werden, das morgens wieder entfernt wird. Dadurch sollen die Gänse weder landen noch auf dem Wasser schwimmen können. Vollständig zum Einsatz kommen soll das Konzept nach Angaben der WMT in der nächsten Saison.

Bakterien auch durch Badegäste

Neben den Nilgänsen sind aber auch die Badegäste selbst für die zu schlechten Wasserwerte verantwortlich. Einer der kritischen Werte stammt nämlich von Coli-Bakterien, die gar nicht von den Gänsen, sondern nur von Menschen stammen können. Sie gelangen ins Wasser, weil sich nicht alle konsequent vor dem Badespaß abduschen. Auch darauf will das Personal im kommenden Jahr stärker achten.

Diskutiert wurde im Ausschuss außerdem ein Umbau des Naturbads zu einem herkömmlichen Chlorbad, was die Fraktion von „FDP & Freie Bürger“ angeregt hatte. Nach Schätzungen, die Kai-Thorsten Lorenz vorliegen, würde eine Umrüstung zwischen einer Million und 2,5 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen deutlich höhere laufende Betriebskosten.

Insgesamt blieb der WMT-Geschäftsführer dabei, dass das Naturbad nach der Sanierung des Regenerationsbecken im Frühjahr technisch auf dem neuesten Stand sei und verschiedene technische Verbesserungen nur bedingt zu einer besseren Wasserqualität führen würden.

Die sei auch gar nicht so schlecht, wie es die vielen Schließtage vermuten ließen. Aber leider lege ein neuer Mitarbeiter im Gesundheitsamt die Werte strenger aus als früher. Was bei einem Badesee noch als gute Wasserqualität durchgehe, könne bei einem Naturbad schon zur Schließung führen. Er selbst wäre jedenfalls auch in diesem Jahr jederzeit in dem Wasser geschwommen.



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