Werke stilistisch von bunt bis reduziert

Steinbach (nel). Ein Abend, der aus dem Rahmen fällt: Der Steinbacher Werkstattkreis präsentierte seine Herbstausstellung im Bürgerhaus. Mit leisen Gitarrenklängen, wachen Reden und Bildern, die den Blick bewusst aus der Gewohnheit schieben, wurde die Ausstellung eröffnet.

Rüdiger Vorste vom Werkstattkreis begrüßte als Erster das Publikum zur Ausstellug des Werkstattkreises im Bürgerhaus und stellte die Musiker des Abends vor: das Gitarrenduo „Travelling James“, bestehend aus Hennes Peter und Friedrich Wächtershäuser und dazu der warme Bass von Don Hein – entspannt, unaufgeregt, genau richtig zum Hineinfinden in Kunst und Gespräche.

Unter den Besuchern fanden sich besondere Gäste, die nun von Irene Bleimann, der Vorsitzenden des Werkstattkreises vorgestellt wurden. Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Galinski sowie Stadtrat Lars Knobloch besuchten die Vernissage, zur besonderen Freude fanden sich jedoch auch zwei Gäste aus der Partnerstadt Steinbach-Hallenberg unter den Besuchern. Denise Fleischmann und Gerhard Usbeck besuchten Steinbach für ein Wochenende und ermöglichten den Besuchern zudem einen Einblick in die Kunst aus der Partnerstadt, die sich über vier Flächen der Ausstellung zog – eine kleine Geste mit großer Strahlkraft für gelebte Partnerschaft.

Irene Bleimann dankte dem Hausmeisterteam für den Aufbau der Stellwände und verwies auf Flyer und Plakate. Danach erfasste sie das Leitgefühl knapp und treffend: etwas Ungewöhnliches, Schönes – eben „aus dem Rahmen gefallen“.

Überschreitungen im Blick

Zehn Arbeiten greifen das Motto direkt auf und stören im besten Sinne die Wahrnehmung: Brüche, Leerstellen, Überschreitungen, die den Blick neu justieren und den Betrachter einen Moment verharren lassen. Lars Knobloch ordnete den Abend kulturpolitisch ein: „Kultur ist lebendig, sie verändert sich – wie Halloween, dessen heutige Form auf keltische Wurzeln verweist – und sie zeigt sich in Steinbach so präsent wie seit Jahrzehnten nicht, von Chören bis Kammerkonzerte. Der Werkstattkreis ist darin eine Konstante seit über 40 Jahren.“ Mit einem Schmunzeln merkte Knobloch an, er sei heute selbst „aus dem Rahmen gefallen“ – mit geschminkter „Wunde“ als Halloween-Verkleidung.

Gewollt ist der Dialog: Ein Gästebuch lädt zum Eintragen ein, das Spendenschwein zum Unterstützen – niedrigschwellige Wege, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. „Wir freuen uns, dass neugierig und interessiert betrachtet wird“, sagte Irene Bleimann – und genau so wirkte der Saal: offene Blicke, kurze Gespräche, dann wieder still versunken vor einem Bild stehend. Mit einem Glas Sekt und einem Snack in der Hand wurden die Werke ausführlich und in Ruhe betrachtet.

Ein Blickfang ist der große Buckelwal von Hildegard Runge – poetisch, präsent, ein sanfter Riese, der die Ausstellungsfläche mit einer eigenen Ruhe füllt. Stilistisch spannt die Ausstellung den Bogen von bunt bis reduziert. Techniken reichen von Öl, Acryl, Tusche und Aquarell bis hin zu Collage und Plakat – eine Spannweite, die auch emotional viele Register zieht. Doch auch die kräftigen Malereien von Anita Sutphen ziehen die Betrachter in ihren Bann, während Irene Bleimann mit detaillierten Aquarellwerken überzeugt. Besonders das großflächige Ölgemälde von Yüksel Akpinar fällt ins Auge, ruhig und gleichzeitig stark.

Das „Anglerballett“ von Anita Sutphen, Mitglied des Steinbacher Werkstattkreises, ist nur ein Beispiel von vielen interessanten Werken in der Ausstellung im Bürgerhaus.Fotos: nel

Ein großes Talent im Werkstattkreis ist auch Yüksel Akpinar, wie unschwer auf ihrem Gemälde von Alt-Istanbul zu erkennen ist.

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