Sulzbach (kh) – Am vorletzten Samstag war wieder „Wein im Park“. Unsere keinen Wein trinkende Mitarbeiterin Katharina Hertel besuchte die Veranstaltung bei Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke – und lernte viel Neues.
Dieser Artikel beginnt mit einem Geständnis, denn da ich mich für Wein nicht erwärmen kann, habe ich die Veranstaltung „Wein im Park“ noch nie besucht – und gar keine Vorstellung, was mich erwartet. Also treffe ich pünktlich um 17 Uhr im Park ein, schließlich will ich ja keine Begrüßungsrede verpassen und finde vertrocknete Grashalme, leere Stehtische und einen Weinstand mit einem freundlich lächelnden Herrn vor.
„Pünktlich wie die Maurer“, sagt er. „Ich bin aber nur von der Presse“, sage ich. Und so beginnt meine persönliche Weinführung an einem Samstagabend bei fast noch immer 38 Grad. Der freundliche Herr heißt Magnus Rieber und bezeichnet sich selbst nur als „Aushilfe“ für den Weinstand. Hauptberuflich arbeitet er als Service-Techniker und ist viel allein unterwegs. Die Arbeit am Weinstand sei zwar sehr aufwendig, aber der perfekte Ausgleich für ihn. „Es macht einfach Spaß mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Und in Sulzbach werden wir immer ganz herzlich empfangen, die Atmosphäre im Park ist immer sehr schön.“
Er erzählt, dass viele Besucher auch Picknickdecken mitbringen und es sich im Park gemütlich machen. Dass jetzt noch keiner da ist, erklären wir uns mit der frühen Uhrzeit, den hohen Temperaturen und der Hoffnung auf einen großen Regen. Tatsächlich verdunkelt sich der Himmel merklich, während ich die Weinkarte studiere. Sie liest sich sehr interessant, von Erdbeeraroma ist die Rede, dezenten Karamellanklängen und sogar Aromen von Apfel und Heu. Ich bin skeptisch und gestehe Magnus Rieber, dass ich ja überhaupt keinen Wein trinke.
„Da habe ich was für Sie!“, sagt er und gießt mir einen alkoholfreien Weißwein ein. Noovi Sauvignon Blanc Selection. Ich probiere und bin sofort überzeugt.
Magnus Rieber freut sich. „Ich habe noch für jeden etwas gefunden“, sagt er und berichtet von einer Begebenheit mit einem Mann, der sich selbst als eingefleischter Biertrinker bezeichnet hat und schon vom ersten Probierschluck überzeugt werden konnte, dass Wein auch etwas für ihn ist. Ähnlich wie ich.
Ich möchte wissen, woher Magnus Rieber weiß, welchen Wein er wem anbieten kann. Ob er ein guter Menschenkenner ist? Er lacht. „Nö, das ist einfach Glück.“ Er selbst sei auch erst vor sechs Jahren auf den Geschmack gekommen und habe vorher ausschließlich Bier gemocht. „Wenn einem selbst schmeckt, was man anbietet, ist es eigentlich ganz einfach, andere zu überzeugen.“
Immer wieder wandern unsere Blicke zum Himmel. Ob der Regen noch kommt? Wir sprechen über die Ernte. „Durch die Hitze gibt es dieses Jahr weniger Wein“, erklärt Magnus Rieber, „aber dafür hat er eine sehr gute Qualität.“
Ich erfahre, wie der Seniorchef Wolfgang Schleß vor Jahren ein Weindepot eröffnet hat und wie ziemlich schnell Catering und Events dazugekommen sind, so dass eigentlich das ganze Jahr über Veranstaltungen stattfinden. Ich erfahre auch, dass Wolfgang Schleß vergangene Woche verstorben ist und ihm zu Ehren die Weinkarte geändert wurde. Heute gibt es „Papas Liebling“, einen trockenen Müller-Thurgau.
Schließlich kommen doch noch Weinkenner in den Park. Gezielt entscheiden sie sich für einen Pinot noir rosé und einen Pinot grigio. Magnus Rieber erläutert, dass die helle Farbe durch die schonende Keltermethode zustande kommt. „Die Farbstoffe aus der Beerenschale werden gar nicht rausgedrückt“, sagt er und ich bekomme nun doch Lust, auch einen alkoholischen Probierschluck zu nehmen.
Wir unterhalten uns nun schon eine Stunde und nach und nach füllt sich der Park. Es haben sogar Leute eine Picknickdecke mitgebracht. Vielleicht komme ich zum nächsten Termin mal wieder – dann, ohne darüber zu schreiben. Die weitere Termine von „Wein im Park“: 12. und 26. September.
Magnus Rieber findet am Weinstand im Heinrich-Kleber-Park für jeden den richtigen Tropfen, auch für Anke und Jürgen Reihs.Foto: Hertel
