Sulzbach (mas) – Nächste Woche finden in Hessen die Kommunalwahlen statt. Am Sonntag, 15. März, entscheiden auch die Bürger Sulzbachs über die Zusammensetzung ihrer Gemeindevertretung.
Wer wird wachsen? Wer wird schrumpfen? Bleiben alle Parteien vertreten? Fliegt jemand raus oder kommt jemand dazu? Die Sulzbacher entscheiden diese Fragen nicht zufällig, sondern orientieren sich an den Plänen und Ansichten der Parteien. Um diese übersichtlich darzustellen, hat der Sulzbacher Anzeiger den kandidierenden Parteien fünf Fragen gestellt, die allgemeine Wählerinteressen mit Sulzbacher Themen verknüpfen.
Sulzbach ist nicht arm, hat aber auch nicht unendlich viel Geld. Der neue Radweg oberhalb der Bahntrasse steht an, der Weg zwischen der Schwalbacher Straße und der Bahnstraße soll erneuert werden und auch für die RTW wurde erst vor Kurzem von den Kommunen mehr Geld verlangt. Es kann nicht alles gleichzeitig verbessert werden, ein Transportweg muss priorisiert werden: Sind es die Fahrradwege, die Straßen oder ist es der ÖPNV?
CDU: Grundsätzlich müssen alle Maßnahmen bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zeitpunkt der Umsetzung priorisiert werden. Dazu gehören im Wesentlichen Investitionen in Kindertagesstätten, Spielplätze, Seniorenwohnungen, Trinkwasserversorgung, Erneuerungen von Trinkwasser- und Abwasserleitungen sowie Straßenneugestaltungen, Sportanlagen, kulturelle Bürgertreffpunkte sowie Verkehrsinfrastruktur (ÖPNV, Straßen, Fuß- und Radwege). Für die RTW bestehen vertragliche Verpflichtungen, die Straßen- und Radweg-Investitionen sollen ab 2026 realisiert werden, und somit sind diese als Priorität bereits gesetzt.
SPD: Es läuft parallel. Nur die Umsetzungszeitpunkte und somit die Zahlungsfälligkeiten variieren. Der Ausbau der RTW ist bereits im Gange. Wir stehen hinter diesem Projekt. Es ist eine notwendige Investition in unsere Region und die moderne Mobilität. Genau wie der Ausbau des Radwegenetzes. Der Ballungsraum Rhein-Main muss verkehrstechnisch vielfältig aufgestellt werden. Für Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität. Die Neugestaltung der Bahn-/Schwalbacher Straße ist ebenso notwendig. Besonderer Schutz während der Bauzeit soll dem Einzelhandel zukommen. Die Erreichbarkeit muss gewährleistet sein!
Bündnis 90/Die Grünen: Sulzbach steht finanziell solide da – auch dank eines konstruktiven Miteinanders der Fraktionen und eines umsichtigen Bürgermeisters in den vergangenen Jahren. Das ist die richtige Grundlage, um jetzt in die Mobilität von morgen zu investieren. Für Bündnis 90/Die Grünen bedeutet das: den Ausbau des regionalen Radwegenetzes voranzubringen, die RTW als starke ÖPNV-Anbindung an den Flughafen zu sichern und zugleich unsere Straßen schrittweise zu erneuern. Priorität hat für uns eine nachhaltige, zukunftsfähige Gesamtstrategie – nicht das Ausspielen einzelner Verkehrsträger gegeneinander.
FDP: Sulzbach ist eine Pendlergemeinde. Deshalb müssen sich Verkehrsentscheidungen an tatsächlichen Pendlerströmen orientieren und nicht an Wunschprojekten. Priorität haben ein verlässlicher ÖPNV und ordentlich sanierte Straßen. Bei den Kreisstraßen in Zuständigkeit von Hessen Mobil braucht es nachhaltige Erneuerung statt jahrelangem Flickwerk. Das Beispiel Hauptstraße zeigt: Ständige Ausbesserungen sind am Ende teuer, bringen aber keine gute Lösung. Neue Radwege sind sinnvoll – aber nur dort, wo Bedarf und Nutzen klar belegt sind – ohne unnötige Flächenversiegelung wie oberhalb der Bahnlinie.
Freie Wähler: Wir stoppen den Radweg oberhalb der Bahnlinie! Schluss mit dem Irrsinn und der Steuerverschwendung! Die Vernichtung von alten Bäumen und Hecken sowie die Versiegelung von Grünflächen widersprechen dem Klima- und Naherholungsgedanken. Die RTW-Bahntrasse bringt uns als Gemeinde kaum Nutzen. Die Kosten haben sich auf über 8,8 Millionen Euro verdoppelt und weitere Erhöhungen sind zu erwarten. Erforderliche Straßeninstandhaltungen, der öffentliche Nahverkehr sowie sinnvolle Fuß- und Radwege sind uns wichtig. Weiter sind die Feldwege, die auch der Naherholung dienen, im gutem Zustand zu erhalten.
Bürger für Sulzbach: Die BFS sieht Einsparpotenzial beim neu geplanten Radweg und lehnt dessen Bau ab. Der vorhandene Radweg sollte aus Gründen der Erhaltung der Natur, der Verringerung der Kosten und unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit saniert werden. Bei 2,5 Jahren Bauzeit für die Neugestaltung der Haupt- und Schwalbacher Straße ist die Belastung für die Anwohner unzumutbar und stellt für den dortigen Handel einen enormen finanziellen Verlust dar. Deshalb gibt die BFS dem ÖPNV die höchste Priorität. Er wird von Alten und Jungen genutzt und muss wieder in der Form des früher üblichen Angebots ausgebaut werden.
Nicht nur die Mühlen der Justiz, sondern auch die der Behörden mahlen langsam. So langsam, dass sich Förderungen teilweise nicht mehr lohnen. Bis die Anträge genehmigt werden, haben sich die Kosten so sehr erhöht, dass sie die Fördersumme übersteigen. Wie kann die Effizienz behördlicher Verfahren zumindest in Sulzbach verbessert werden?
CDU: Sulzbach ist ein Paradebeispiel dafür, dass Förderprogramme effizient und unbürokratisch gewährt werden können. Gemeint ist die Förderung von Klimaprojekten mit ihren verschiedenen Maßnahmen. Für die überörtlichen Förderungen kann Sulzbach alleine nichts bewirken. Hier kann man nur Tipps und Best-Practice-Beispiele geben, dass es bessere und einfachere Wege gibt, kommunale Investitionen zu unterstützen.
SPD: Das ist leider ein gesamtdeutsches Problem und schwer mit 600 Zeichen zu benennen. Eine bessere Kommunikation und Vernetzung der Behörden insgesamt untereinander ist vorteilhaft. Das kann mit der „sagenumwobenen“ Digitalisierung geschehen. Außerdem muss dringend der Abbau von Bürokratie und Formalismus umgesetzt werden. Das ist die wahre Blockade in unserem System. Für die Bürger heißt das konkret, dass mehr digitale Optionen angeboten werden. Anträge und Formulare können zeitsparend und außerhalb der Öffnungszeiten online bearbeitet werden.
Bündnis 90/Die Grünen: Effiziente Verfahren entstehen durch klare Zuständigkeiten, digitale Anträge und kurze Entscheidungswege. Mit dem von Bündnis 90/Die Grünen initiierten Sulzbacher Klimafonds zeigen wir, wie effizienter Klimaschutz vor Ort funktioniert: Gefördert werden unter anderem Balkonmodule, effiziente Hausgeräte und Stromspeicher – Antragstellung und Bewilligung erfolgen im Rathaus unbürokratisch und zügig. Seit 2016 treiben wir die Digitalisierung der Verwaltung mit mehreren Anträgen maßgeblich voran – für transparente Prozesse, weniger Bürokratie und schnellere Entscheidungen in Sulzbach.
FDP: Die Verwaltung in Sulzbach wird nur effizienter, wenn Verfahren digital, verbindlich und verständlich werden. Anträge sollten vorrangig digital gestellt und mit digitalem Nachweis bearbeitet werden. Es braucht klare Fristen. Bleibt die Genehmigung in der Frist aus, sollte der Antrag automatisch genehmigt sein. Ebenso wichtig sind Schulungen der Mitarbeiter. Förderprogramme müssen in einfacher Sprache statt in IT-Kauderwelsch formuliert werden. Auch die Suche auf der Website muss alltagstauglich sein: Wer die „Hundeanmeldung“ sucht, darf sie nicht nur unter „A“ wie „Anmeldung Hund“ finden.
Freie Wähler: Förderanträge müssen zügig und zeitnah erstellt und beantragt werden. Dazu ist auch eine effektiv arbeitende Gemeindeverwaltungsspitze gefragt, die entsprechende Beschlussvorschläge in die Gremien einbringt. Personelle Schulungen und ein regionales/überregionales EDV-System sollen in Bedienung und Funktion einheitlich sein.
Bürger für Sulzbach: Die Effizienz behördlicher Förderverfahren lässt sich zum Beispiel durch vollständig digitale Anträge mit Plausibilitätsprüfung (Einsatz von KI), klare Standardformulare, Check-Listen, Nutzung des vereinfachten hessischen Zuwendungsrechts mit dem Ziel, Verfahren zu vereinfachen und Bürokratie zu reduzieren, feste Zuständigkeiten (internes Fördermanagement), interkommunale Zusammenarbeit, transparente Bearbeitungsfristen sowie einfache Informationsangebote für Antragsteller steigern. Dies würde Rückfragen vermeiden, Durchlaufzeiten verkürzen und die Planungssicherheit erhöhen.
Mit dem neuen Wohngebiet am Rosenweg werden etwa 800 neue Menschen nach Sulzbach ziehen können – fast ein Zehntel der jetzigen Bevölkerung. Das gemeinschaftliche Leben wird sich verändern. Wird dieser Zuwachs genügen oder braucht Sulzbach noch mehr Wohnraum – und wenn ja, für wen?
CDU: Über das geplante Wohngebiet Rosenweg hinaus sind aktuell keine neuen Baugebiete in Arbeit oder in Überlegung. Der Rosenweg wird die nächsten Jahre alle Kapazitäten binden und gemeindliche Infrastruktur beanspruchen. Die Integration von circa 800 Menschen wird Kitas, Schulen, Vereine und weitere Institutionen beschäftigen. Darüber hinaus erfolgen in Sulzbach fortlaufend Verdichtungen im Bestand, da vermehrt alte Objekte abgerissen oder erweitert werden, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
SPD: Wohnen sollte ein Grundrecht sein! Sulzbach braucht Bevölkerungszuwachs. Aber moderat, damit die Infrastruktur mitwächst und die Neubürger ins gemeinschaftliche Leben integriert werden. Es braucht Wohnraum, der bezahlbar und kein Luxus ist. Deshalb fordern wir barrierefreie Wohnungen, damit Menschen im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Kleine Wohneinheiten für Alleinstehende, Pendler, Studierende, Azubis und Wohnraum für Familien – die Gesamtbreite einer Gesellschaft. Stetiges Wachstum ist wichtig für die Entwicklung einer Gemeinde. Ein Beispiel ist unser „Konzept Bürgerhaus“.
Bündnis 90/Die Grünen: Als Teil der Rhein-Main-Region trägt auch Sulzbach Verantwortung für dringend benötigten Wohnraum, auch damit wir uns unser Zuhause in unserem schönen Sulzbach weiterhin leisten können. Das Gebiet am Rosenweg ist dafür ein wichtiger Schritt, insbesondere für Familien, Menschen mit mittlerem Einkommen und ältere Bürgerinnen und Bürger. Für Bündnis 90/Die Grünen gilt: Bezahlbarer Wohnraum mit 30 Prozent gefördertem Wohnraum, maßvolle Entwicklung und eine Planung, die ökologische und finanzielle Verantwortung verbindet. Ob über den Rosenweg hinaus weiterer Bedarf besteht, muss geprüft werden.
FDP: Ein Zuzug von rund 800 Menschen ist für Sulzbach ein erheblicher Zuwachs und muss klug gesteuert werden. Vorrang haben Integration und Infrastruktur: Kita, Schule, Verkehr, Ärzte und Verwaltung. Eine Chance wurde leider verpasst: die Unterführung unter der Bahnlinie, sodass Sulzbach weiter geteilt bleibt. Ob überhaupt noch mehr Wohnraum nötig ist, ist offen. Demografie und schwaches Wirtschaftswachstum sprechen eher gegen dauerhaft steigenden Bedarf. Deshalb gilt: erst auswerten, dann mit Augenmaß weiterentwickeln – und vor allem bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum schaffen.
Freie Wähler: Wohnraum sollte bevorzugt für Sulzbacher Bürger, etwa Familien und Senioren, angeboten werden. Die Gemeinde hat im Baugebiet „Am Rosenweg“ viele eigene Grundstücksflächen und kann diese gezielt an Sulzbacher Bürger zum Verkauf anbieten, anstatt alles einem Bauinvestor, der auf eine Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, zu überlassen. Neue, erforderliche Kindergärten sollten dort entstehen, wo Wohngebiete geschaffen werden, um den Ziel- und Quellverkehr einzuschränken und das Klima zu schonen. Es sollten nur moderate Bauflächen erschlossen werden, der dörfliche Charakter soll erhalten bleiben.
Bürger für Sulzbach: Bei Anpassung der Infrastruktur und Verkehrsentwicklung sollte ein mäßiges Bevölkerungswachstum angestrebt werden. Es besteht dringender Bedarf an bezahlbaren Wohnungen, insbesondere für Familien, Berufseinsteiger und sozial schwächere Haushalte. Neu entwickelte Quartiere sollen Mindestsätze sozial geförderter Wohnfläche enthalten und in Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften entstehen. Innovative Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen sowie Micro-Apartments sollten vermehrt angestrebt werden. Politiker und Vereine sind gefordert, die Neubürger in das Leben im Ortskern zu integrieren.
Die Durchschnittstemperatur steigt, das Wetter wird wechselhafter. Was die gesamte Bundesrepublik betrifft, betrifft auch Sulzbach. Wie soll sich die Gemeinde an die globale Veränderung anpassen?
CDU: Für Sulzbach sind insbesondere Trockenheit und Temperaturen im Sommer, aber auch Starkregen-Ereignisse von besonderer Relevanz. Die Umsetzung der ersten Maßnahme des Hochwasserschutzkonzeptes entlang des Klippelgartens läuft aktuell. Die nächsten Schritte oberhalb des Oberliederbacher Weges sowie im Bereich des Sulzbacher Parks müssen ebenfalls zeitnah erfolgen. Der Park wird hierbei als Naherholungsgebiet aufgewertet. Unser bereits sehr begrüntes Sulzbach sollte noch grüner werden. Die kommunalen Klimaförderprogramme umfassen auch private Zisternen-, Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen.
SPD: Wir möchten die Renaturierung des Sulzbachs und das beschlossene Hochwasserschutzkonzept vorantreiben. Es sollen Überschwemmungsflächen und Windungen geschaffen werden. Der Sulzbach soll in das Spielplatzkonzept, als Wasserspielplatz, integriert werden. Außerdem fordern wir Schattenspender im Ortskern: kleine begrünte Pergolen mit Sitzmöglichkeiten im Ortsgebiet. Entsiegelung und Begrünung auch von kleinen Flächen. Mehr Bäume: Sie wirken wie Klimaanlagen. Baumschatten senkt die Temperatur um bis zu 15 Grad. Das Radwegenetz ausbauen, um CO2-Werte aktiv zu reduzieren.
Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/Die Grünen setzen sich seit Jahren für Klimaschutz vor Ort und ein klimaresilientes Sulzbach ein. Wir unterstützen das Hochwasserschutzkonzept und fordern Anpassungen an heiße Sommer: neue Feldgehölze, um Lebensräume zu schaffen, nachhaltige Mobilität, kluge Energiekonzepte und konkrete Maßnahmen, zum Beispiel durch den Klimaschutzfonds gefördert, für den aktiven Schutz unserer Lebensgrundlagen – das alles unterstützt durch die Sulzbacher Klimaschutzmanagerin, deren Stelle aufgrund unseres Antrags eingerichtet wurde. So stärken wir die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde.
FDP: Sulzbach braucht bei der Klimaanpassung konkrete Maßnahmen statt Symbolpolitik: Vorrang hat der Hochwasserschutz, denn der Sulzbach fließt durch den Ort und Starkregen nimmt zu. Nötig sind Rückhalteflächen und bessere Entwässerung. Zugleich ist es widersinnig, Grünflächen weiter zu versiegeln, etwa für zusätzliche Boulebahnen oder fragwürdige Radwege. Sinnvoller sind Entsiegelung, Bäume und Schatten. Große Parkflächen (MTZ, Rewe, Lidl) sollten überdacht und mit Solar ausgestattet werden; auch Akkus für Balkonkraftwerke sollen gezielt gefördert und die Hauptstraße begrünt werden.
Freie Wähler: Sulzbach würde an Qualität gewinnen, wenn vorrangig der Durchgangsverkehr reduziert werden würde. Hierzu sind zum Beispiel Gespräche mit der Stadt Schwalbach aufzunehmen, um deren Firmen wie zum Beispiel „Procter & Gamble“ verkehrstechnisch besser an die Limesspange anzuschließen. Auch verkehrsberuhigende Maßnahmen in unserer Gemeinde würden den Durchgangsverkehr unattraktiver machen. Weitere Möglichkeiten zur Klimaverbesserung wären eine geringere Dichte von Bauprojekten, Entsiegelungsmaßnahmen, mehr Grün, die Beachtung von Frischluftschneisen und die Schaffung von Klimazonen.
Bürger für Sulzbach: Auch wenn der Schwerpunkt oft auf Emissionsreduktion liegt, müssen Gemeinden sich gleichzeitig auf Klimafolgen einstellen. Diese lassen sich über eine kommunale Klimaanpassung systematisch berücksichtigen. Dabei geht es weniger um Emissionsminderung als um den Umgang mit Hitze, Starkregen, Trockenheit und Extremwetter. Möglichkeiten im Umgang mit Hitze sind zum Beispiel der Erhalt und Ausbau von Grünflächen, die Entsiegelung von Flächen, Dach- und Fassadenbegrünung sowie die Bereitstellung von Trinkwasserstellen im öffentlichen Raum.
Wenn man die Polizeimeldungen verfolgt, könnte man annehmen, dass Sulzbach nicht sicher ist: Diebstähle und Schlägereien lassen sich immer wieder unter der Ortsmarke „Sulzbach“ finden. Die Fallzahlen zwischen Sulzbach und Bad Soden – einem Ort mit einer mehr als doppelt so hohen Bevölkerung – sind sogar fast gleich auf. Erst auf den zweiten Blick lässt sich erkennen: Fast jeder Vorfall spielt sich nicht im Ort selbst, sondern im Main-Taunus-Zentrum ab. Ist das kein Problem oder müssen Konsequenzen gezogen werden?
CDU: Für Sulzbach gilt, dass alle Beteiligten (insbesondere Polizei, Ortspolizei, wachsame Bürger) auch zukünftig mit Engagement, Wachsamkeit und technischen Maßnahmen jeweils auf aktuelle Ereignisse reagieren müssen. Vorausschauende Maßnahmen, etwa Prävention und private Einbruchssicherungsmaßnahmen, sollten im Vordergrund stehen. Für das Main-Taunus-Zentrum liegt hierbei die Zuständigkeit insbesondere beim Betreiber sowie der Polizei. Die Fallzahlen im MTZ, insbesondere mit Laden- und Taschendiebstahl, relativieren sich bei Berücksichtigung der Besucherzahlen von bis zu 35.000 Menschen am Tag.
SPD: Gewalt ist immer ein Problem! Die Statistik trennt das MTZ (vergleichbar mit einer Großstadt) nicht von dem Ort Sulzbach. Auf kommunaler Ebene müssen wir zusehen, dass unser Bildungssystem funktioniert. Denn die beste Gewaltprävention ist und bleibt die Bildung. Hier hat die SPD Sulzbach, damals mit ihrer Bürgermeisterin Renate Wolf, bereits Verantwortung übernommen. Der Bau der Kita „Zuckerrübe“ sowie des Horts „Kinderreich“ wurde unter ihrer Führung umgesetzt und sind bis heute hoch frequentiert. Wir müssen uns schützen vor Egoismus, Hass und Hetze.
Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/Die Grünen sehen Sulzbach als sicheren Ort. Viele als „Sulzbach“ gemeldete Vorfälle geschehen tatsächlich im Main-Taunus-Zentrum und nicht in unserer Gemeinde. Dennoch unterstützen wir unsere Ortspolizisten und ihre verstärkte Präsenz in Sulzbach. Zusätzlich setzen wir uns für präventive Maßnahmen wie bessere Beleuchtung, sichere Wege und gezielte Angebote ein, um das Sicherheitsgefühl weiter zu stärken. Auch ein stärkeres Miteinander und mehr Nachbarschaftlichkeit tragen dazu bei, dass Sulzbach ein sicherer und geschützter Ort bleibt.
FDP: Die FDP Sulzbach sieht vor allem ein Statistikproblem: Viele Polizeimeldungen laufen unter „Sulzbach“, betreffen tatsächlich das MTZ und nicht unseren Ortskern. Für Sulzbach selbst entsteht dadurch zwar kein verzerrtes Sicherheitsbild, folgenlos ist es jedoch nicht. Nötig sind eine saubere Trennung der Statistik (MTZ/Ortslage), eine eigene Polizeistation direkt im MTZ und eine klare Kostenbeteiligung des Betreibers. Hinzu kommt: Die Strafverfolgung muss in Hessen wieder spürbar und zügig sein, und die verhängten Strafen müssen endlich eine abschreckende Wirkung auf die Täter haben.
Freie Wähler: Für die Sicherheit im MTZ ist der Betreiber verantwortlich. Mit diesem sollte unsere Gemeinde Gespräche aufnehmen, um mehr Sicherheit zu erreichen. Dies wäre ein erster Schritt, um die Kriminalität in diesem Brennpunkt einzugrenzen. Wichtig ist auch, unsere innerörtlichen Bereiche nicht zu vernachlässigen und gegebenenfalls verstärkte Kontrollgänge, wie zum Beispiel im Park, durchzuführen.
Bürger für Sulzbach: Problematisch ist, dass in der Statistik eine strukturelle Verzerrung entsteht. Das MTZ mit durchschnittlich täglich 36.816 Besuchern erzeugt naturgemäß mehr Delikte als die Bewohner unserer Gemeinde. Diese Belastung wird aber der Gemeinde zugerechnet. Da das MTZ dieselbe Postleitzahl wie Sulzbach hat, muss man zum Beispiel bei Abschluss einer KFZ-Versicherung höhere Beiträge zahlen, weil hier keine Unterschiede zwischen MTZ und Gemeinde gemacht werden. Dies liegt also weniger an der Kriminalität selbst als daran, wie sie erfasst, dargestellt und wahrgenommen wird.
(Transparenzhinweis: Die Reihenfolge der Antworten orientiert sich an dem Stimmzettel für die Kommunalwahl am 15. März 2026. Die Vorgaben für die Antworten waren das Einhalten eines Zeichenlimits von jeweils 600 Zeichen, das Behandeln des Themas und das Vermeiden von beleidigenden Formulierungen. Teilweise wurde das Zeichenlimit überschritten, weswegen die Redaktion nach eigenem Ermessen redigierte. Die Antworten wurden auf ihre orthografische Richtigkeit überprüft und an die Zeitungsetikette angepasst, wodurch die Zeichenanzahl teilweise überschritten wird.)