Sulzbach (mas) – Für viele ist die eigene Hochzeit der schönste Moment im Leben. Eine prunkvolle Feier, bei der man sich gemeinsam mit seinen Verwandten und Freunden darüber freut, dass man den einen Partner fürs Leben gefunden hat.
Solch ein Ereignis erfordert eine gute Planung. Dazu gehört auch, dass man überhaupt alle Gäste zur Feier einladen muss. Außer der Frage, wer überhaupt kommen darf, steht das „Wie?“ im Raum. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Meistens entscheidet sich das Brautpaar für eine Karte, die ein bisschen verziert ist.
Es gibt jedoch auch Ideen, die wirklich einzigartig sind. „Die Hochzeitseinladung muss auf jeden Fall ein Buch sein“, sagte sich Katharina Spengler. Aus dieser Idee entstand ein kurzer Krimi: Ein Kommissar, der dem Brautpaar hinterherschnüffelte und schließlich herausfand, dass es zu seiner Hochzeit einlud. Zack – die Gäste wussten Bescheid.
Spengler kam die Idee nicht einfach so, sie ist Autorin und Schreibtrainerin. Aus ihrer Feder stammen schon so einige Erzählungen.
Die Geschichte des Kommissars endete nicht mit der Hochzeitseinladung: 2024 nahm die Sulzbacherin an einem Schreibwettbewerb des Piper Verlags teil. Die Autorin musste sich zwischen einem Krimi und einer Liebesgeschichte entscheiden. Ihre Wahl fiel auf Letzteres. Doch irgendwie wurde daraus nichts, Spengler konnte sich mit dem Geschriebenen nicht zufriedengeben. Da kam der Krimi – beziehungsweise die Hochzeitseinladung – mit dem Kommissar wieder ins Spiel. Und der kam sehr gut an. Genauer gesagt: Der Krimi kam so gut an, dass Spengler ein ganzes Buch rund um ihren Kommissar schreiben durfte. Und das erscheint heute als „Taunus-Krimi“ im Piper Verlag.
In „Am Tatort frühstückt man nicht“ schlüpft der Leser in die Rolle von Kommissar Pius Bogumil, der eigentlich nicht mehr bei der Kriminalpolizei arbeiten möchte. Sein Antrag auf Versetzung muss jedoch warten. Dienststellenleiter Arno Dernburg hat nämlich ein großartiges Angebot für ihn: Er unterzeichnet seinen Antrag, wenn er den neuen Mitarbeiter, Gonne Hansen, vier Wochen lang einarbeitet. Gezwungenermaßen muss Bogumil zustimmen. Fürs Erste schafft er es, Hansen mit alten Fällen zu beschäftigen und wenig Zeit in seine Einführung zu investieren. Mit etwas Glück könnte der Kommissar es schaffen, die vier Wochen unbeschadet zu überstehen. Vor allem, wenn sein Plan gelingt, am späten Abend ein kühles Bier vor dem Fernseher zu genießen und sich am nächsten Morgen krankzumelden. Aber das klappt nicht, denn es gibt einen Zwischenfall im Bad Sodener Hotel Matilda. Gut, das ist eigentlich nicht der Hauptgrund für den späten Anruf, in dem er zum Tatort berufen wird. Dahinter steckt nämlich sein neuer Kollege Hansen, der bereits im Matilda ist und Bogumils Anwesenheit für unabdingbar hält.
So die ersten drei Kapitel. Wie Bogumil einerseits mit dem neuen Fall und andererseits mit seinem neuen Kollegen Hansen zurechtkommt, erfahren die Leser in über 300 Seiten. Die Autorin Spengler kann schon mal so viel vorwegnehmen: „Sollte sich jemand fragen, wie ich auf die Idee gekommen bin: Es war der Geruch im Kinderzimmer.“ Wer sich nun fragt, welche Idee gemeint ist, muss die Geschichte über Kommissar Pius Bogumil lesen.
Wie schreibt Spengler?
Würde man drei Autoren fragen, wie man ein Buch schreibt, bekäme man vier verschiedene Antworten. Jeder geht anders vor, manch einer wechselt sogar von Roman zu Roman seine Vorgehensweise. Katharina Spengler hält sich an einen selbstentworfenen Plan: Die Eigenschaften der Figuren müssen festgehalten werden und der Spannungsbogen muss vor dem Texten stehen. Ein freies Schreiben sei durch die lange Schreibphase nicht möglich. Es bestehe das Risiko, dass etwas vergessen werde und sich am Ende im fertigen Buch widersprüchliche Aussagen befänden.
Um die Welt und die Figuren aus „Am Tatort frühstückt man nicht“ zu entwerfen, orientierte sich die Autorin teilweise an der Realität. Beim Hotel Matilda gab es beispielsweise eine Vorlage aus Bad Soden, tatsächlich existieren Berna’s Blumenladen und der Grüne Baum in Altenhain. Bei den Figuren könne zwar das Unterbewusstsein mitgespielt haben, doch Ähnlichkeiten mit realen Personen seien schlussendlich rein zufällig. Nicht einmal der berühmten Autorentechnik folgt Spengler: „Ich habe Freude daran, Menschen zu beobachten. Ich mache aber nicht diese Übung, mich in das Café zu setzen und die Leute zu beobachten.“ Die Charaktereigenschaften denkt sie sich selbst aus – und dass am Ende eine harmonische Figur herauskommt, beweist sie seit ihrer Hochzeitseinladung mit Pius Bogumil.
Interessenten können Katharina Spenglers neues Buch im Internet unter www.piper.de/buecher/am-tatort-fruehstueckt-man-nicht-isbn-978-3-492-509... bestellen. Für die Zukunft plant Spengler, etwas Sulzbach in den Osten zu bringen und ihr Buch auf der Leipziger Buchmesse zu präsentieren. Aber auch im Taunus möchte sie ihren Krimi vorstellen und ihr Schreibwissen mit anderen teilen. Für den 25. und 26. April steht bereits ein Workshop zum Thema „Biografisches Schreiben“ in Schwalbach an. Außerdem sollen selbstverständlich Lesungen in Sulzbach stattfinden, ein Termin steht aber noch nicht fest. Interessenten können sich im Internet unter katharinaspengler.de/ über alle Termine auf dem Laufenden halten.

