Die Band „Il Dolci Signori“ macht bei der Eröffnung des Bad Homburger Sommers so richtig Stimmung.Foto: csc
Bad Homburg (csc). Die Sonne verabschiedet sich langsam und färbt den Himmel über dem Kaiser-Wilhelms-Bad rosarot, so als wolle sie den Menschen, die in den Park strömen, ein lautes „Ciao“ zuraunen. Die Wiese füllt sich zusehends, die Menschen kommen mit Wolldecken, Kühltaschen und Klappstühlen und suchen sich ein schönes Plätzchen zwischen Stahlbrunnen, Spielbank und der großen Sommerbühne. Der 39. Bad Homburger Sommer eröffnet mit Italo-Pop der Band „Live Dolci Signori“.
Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Kurdirektor Holger Reuter begrüßen die Gäste. Rund drei- bis viertausend werden es sein, schätzt Reuter später. Die ersten Töne von „O Sole Mio“ erklingen, eine neapolitanisches Lied, das viele Menschen mit dem Startenor Luciano Pavarotti verbinden, der gemeinhin als bester Interpret dieses Liedes gilt. Der Beat der Drums hämmert einem gegen das Brustbein, die Erwartung steigert sich ins Unermessliche und dann kommt es auch schon auf die Bühne gestürmt, das Sextett, das den Gästen einen wunderschönen, und beschwerten Abend bescheren wird. „Grazie mille“ haucht Leadsänger Rocky Verado ins Mikro, der gemeinsam mit seinem Bandkollegen Gianni Carrera (Gesang und Gitarre) den Konzertabend moderieren wird. „Schön, dass ihr da seid!“ Der Funke springt sofort über, das Publikum geht vom ersten Ton an mit. „An was denkt man, wenn man Italien hört?“, fragt Verardo. „Ist es nicht Amore, Aperol Spritz und…“ „Berlusconi“ schreit jemand von hinten und unter den Zuhörern bricht Gelächter aus. Adriano Celentano und seine Hymne an die italienische Liebe zum Fußball war gemeint, und so erklingt „Azzurro“. Bei der Melodie wippen die Füße ganz automatisch im Takt mit, Sektgläser klirren leise, die ersten springen auf und beginnen, vor der Bühne ausgelassen zu tanzen. Das lässt die Musiker nicht kalt. „Wow Bad Homburg! Es ist immer wieder schön, hier zu spielen“, sagt Rocky Verardo. Und dann packen sie sie alle aus, die Schätze des Italo-Pop: Eros Ramazotti mit „Adesso tu“ (1986) oder „Làmericano“ von Renato Carosone. Dieses Lied nimmt die Amerikanisierung Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Schippe, indem es von einem jungen Italiener erzählt, der sich als amerikanischer Tourist ausgibt. „Und abends geht er dann heim und isst bei Mamma Spaghetti“, scherzt Gianni Carrera.
Das auf das Bad Homburger Publikum Verlass ist, auch wenn sich nur zehn Menschen unter den zahlreichen Gästen befinden, die die italienische Sprache beherrschen – Verardo fragt den Stand der Dinge per Handzeichen ab – zeigt sich schnell, denn auch ohne Sprachdiplom wird manchmal schief aber dafür von Herzen mitgesungen. Nicht umsonst heißt es in „L’italiano“ von Toto Cutugno „Lasciatemi cantare – lass mich singen“. Ebenfalls ein Hit von Cutugno ist „Inwiefern“ der kurz darauf gespielt wird. Es war der Beitrag Italiens 1992 zum Grand Prix und hat die schöne Textzeile „Unite, Unite Europe“. Denn genau das zeigen Abende wie diese. Musik ist nicht nur eine Universalsprache, sie lässt uns auch für einen kurzen Moment alles vergessen, alle Sorgen und Ängste darüber, was unsere Welt gerade jetzt so unsicher macht, und holt das Gute und Schöne aus uns Menschen heraus. Das ist „Felicita“, das „Glück“, von dem Al Bano und Romina Power 1982 gesungen haben.
Nach der Pause wird es dann schließlich etwas rockiger. Verdursten holt seine Glitzerjacketts heraus und die Italo-Disco ist eröffnet. Vor der Bühne drängen sich immer mehr Tänzer. Zu „Pin Bella Cosa“ von Eros Ramazotti bildet sich spontan eine Polonaise, und zu „Mama Mario“ von Ricchi e Poveri und „Gloria“ von Umberto Tozzi sind viele erstaunlich textsicher. Jedenfalls hält Rocky Verardo das Mikro in die singende Menge und scheint mit dem Ergebnis sichtlich zufrieden.
Ein wunderschöner Abend geht langsam zu Ende mit tosendem Applaus und Zugaben, und für einen Abend war „Bella Italia“ im Kurpark.
Die Wiese vor der großen Sommerbühne am Kaiser-Wilhelms-Bad ist gut gefüllt. Das Publikum freut sich auf ein schönes Konzert mit Italo-Pop.Foto: csc

