Arik Levy lässt in Jakobshallen einen „Mineral Forest“ wachsen

Aus diesem Objekt „Rock Growth“ können weitere, neue Formen entstehen, wie der Künstler zeigt. Foto: Staffel

Bad Homburg (ks). Inspiriert von der Raumgröße und Höhe der Jakobshallen der Galerie Scheffel in der Dorotheenstraße hat der israelische Bildhauer Arik Levy dort einen „Mineral Forest“ wachsen lassen. In seiner eigenen Formsprache huldigt er der Vielfalt von Mineralien, die durch geologische Prozesse entstehen und wachsen können. Dem Künstler geht es nicht um eine Abformung der Natur, sondern um eine Annäherung an Zusammenhänge, in die der Mensch mit eingebunden ist: „Er ist mittendrin“, sagt Levy, und das erfährt der Besucher seiner Ausstellung auch unmittelbar, wenn er sich in den spiegelpolierten Stahlflächen mancher Objekte „begegnet“.

Der Künstler versteht diese Spiegel zugleich als „Reflexionsfläche“ der Gedanken, des Intellekts, die der Mensch mit einbringt. Auffällig ist die Verbindung zwischen den mehrteiligen Objekten, die die These des Künstlers stützen, „dass alles zusammenhängt“. Wie in der Serie „Rock Growth“ geht er von einer Urform aus, die sich verändert und sichtbar macht, „was aus kristallinen Anfängen entstehen kann“, erklärte Levy bei einem kleinen Rundgang durch seine Ausstellung.

Auch das dreiteilige Objekt „Rock Formation Tower“ verdeutlticht diesen „inneren“ Zusamenhang und ist zugleich ein wunderbares Beispiel für den Umgang des Künstlers mit der Schwerkraft. In diesem Fall wurde Corten-Stahl (Stahlblech) und nicht der seewasserbeständige Edelstahl verwendet. Spiegelpoliert präsentiert sich wiederum die „Log Slice“ , ein dreiteiliges „schlichtes“ reliefartiges Objekt. Dieser „Querschnitt“ findet in der „Crater Cell“ ein etwas verspielteres rostfarbenes dreidimensionales Pendant. Zu den großen Objekten gehört außer den „Rock Trees“ die „Log Formation Dependence“, eine andere eigenwillige Variation unabdingbarer Abhängigkeiten. Einen direkten Bezug zum Gestein zeigt Arvid Levy mit dem „Mineral Branch“ aus Carrara-Marmor. „Es ist ein Baum und zugleich ein Element, das ebenfalls zeigt, was daraus werden kann“, erläuterte der Künstler. Aus dem Rahmen fällt die elegant wirkende Plastik „Ghost“ in tiefem Blau, die in eine andere Dimension verweist, aber auch zu Levys „Welt“ gehört. In diesem Fall wurde der Edelstahl mit „feinstrukturiertem blauen Pulver beschichtet“. Von kleineren Objekten wie den „Logs“ gibt es auch Zeichnungen auf Büttenpapier. Er verlange nicht, dass der Betrachter seinen Gedanken folgen könne. Dieser sei völlig frei, selbst Antworten zu finden.

In die „Abstraktion“ kann man sich hineinfinden. „Die Idee ist wichtig“, betonte Levy, der zugleich aber forderte, „das Handwerkliche nicht zu unterschätzen“. Das Beil und die Axt aus Holz unterstreichen diese Aussage. Dass Arik Levy auch im Handwerklichen ein Meister ist, beweisen seine so sorgfältig gestalteten Objekte. Es koste viel Zeit, bis sie so makellos daherkommen, gestand der Künstler. Aber zum Kunstwerk werden sie dennoch erst im Zusammenspiel mit der „Idee“ dahinter.

Bekannt durch „Blickachsen“

Arik Levy ist ein ungewöhnlich vielseitiger Künstler, der auch als Designer ganz alltäglicher Dinge berühmt geworden ist. Er sei aber auch ein begeisterter Dozent und Lehrer, bekannte er. In intensiver Arbeit mit den Studenten seiner Meisterklasse gehe man gemeinsam den Dingen auf den Grund und beschäftige sich auch mit dem schwierigen Thema der Abstraktion.

Es ist die erste Einzelausstellung von Arik Levy in Deutschland. In Bad Homburg war der Künstler bereits einmal in der von Christian Scheffel ausgerichteten Skulpturenausstellung „Blickachsen“ vertreten. International sind seine Werke „rund um den Globus“ im öffentlichen Raum und in den renommiertesten Sammlungen zeitgenössischer Kunst anzutreffen, vom Museum of Modern Art in New York über das Victoria & Albert Museum in London und das Centre Pompidou in Paris bis hin zum Museum in Jerusalem.

!Die anregende Ausstellung in den Jakobshallen, Dorotheenstraße 5 in Bad Homburg, ist mittwochs bis freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Information unter Telefon 06172-28906 und per E-Mail an info[at]galerie-scheffel[dot]de.

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