Kelkheim (ju) – Die Interviewreihe zur Kommunalwahl geht weiter. Diesmal mit der CDU.
Was finden Sie an Kelkheim liebens- und lebenswert?
Carsten Schrage: Kelkheim hat eine großartige Stadtgesellschaft mit einer vielfältigen Vereinslandschaft – sei es im kulturellen oder im sportlichen Bereich. Diese Vereine prägen unsere Stadt. Dazu kommen die tolle Lage im Taunus inmitten der Natur, aber auch attraktive Arbeitsplätze und die gute Anbindung an Frankfurt mit dem Flughafen als Tor zur Welt.
Dirk Hofmann: Seit meiner Geburt lebe ich in Kelkheim. Aufgewachsen bin ich in Mitte, habe aber auch enge Beziehungen nach Fischbach, wo ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe, und Hornau. Seit fast 15 Jahren lebe ich mit meiner Frau in Münster. Mir gefällt, dass sich so viele Leute mit ihrem jeweiligen Stadtteil identifizieren und großen ehrenamtlichen Einsatz zeigen, um ihn attraktiv zu gestalten. Die von Herrn Schrage erwähnten Vereine und die Bürgervereinigungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Daher ist es für uns selbstverständlich, diese zu unterstützen.
Ihr Programm betont „Heimat“ und dass Sie „bewahren, was gut ist“ – wie definieren Sie konkret, was „bewahrenswert“ ist, und wo würden Sie sagen: Jetzt muss es endlich anders gemacht werden?
Dirk Hofmann: Als „Ur-Kelkheimer“ habe ich seit meiner Kindheit viele Änderungen in unserer Stadt erlebt. Manchmal habe ich mich schon gefragt: „War das denn unbedingt nötig?“. Aber Veränderungen gehören zum Leben, weil man ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird, auf die man reagieren muss. Auch künftig werden Herausforderungen kommen, an die wir heute noch gar nicht denken. Rückblickend muss man sagen, dass in der Vergangenheit viele richtige Entscheidungen getroffen wurden. Deshalb ist Kelkheim so attraktiv geworden und steht auf gesunden Füßen. Das soll natürlich so bleiben. Dazu gehört, dass man sich seiner eigenen Geschichte bewusst ist. Kelkheim kann stolz auf sein historisches Erbe sein, das es zu bewahren und für kommende Generationen erlebbar zu machen gilt – beispielsweise in unserem städtischen Museum. Wer weiß, woher er kommt, weiß auch, wo er hin will.
Carsten Schrage: Da stimme ich Herrn Hofmann zu. Auch ich bin quasi ein „Ur-Kelkheimer“, und wenn man sieht, wie sich die Stadt verändert hat seit meiner Kindheit – angefangen von damals spannenden Neubauten wie dem MiniMal und Toom – heute Aldi und Rossmann, die neue Stadtmitte Süd mit Rewe, Bücherei und Marktplatz und so vielen anderen Dingen merkt man einfach, wie dynamisch eine Stadt ist. Am Ende geht es um ein Gefühl – trotz dieser Änderungen ist Kelkheim weiterhin lebendig geblieben. Das gilt es zu bewahren. Gleichzeitig muss man auch z.B. auf die Bahnstraße schauen – die früher mal Kelkheims kleine Zeil war, zwischendurch leider einen Abstieg erlitten hat, aber nun durch neue Händler wieder so lebenswert wurde – da wurde ein Stück Heimat wieder gut bewahrt.
Was man nicht bewahren sollte, ist aber z.B. die Verkehrssituation in Kelkheim, da muss was passieren. Da sind wir uns alle glaube ich einig, und als CDU haben wir schon klargemacht, wie wir die Dinge ändern wollen.
Viele Wählerinnen und Wähler fühlen sich von der Politik oft nicht richtig gehört. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Ihr 10-Punkte-Plan wirklich auf die Lebenswirklichkeit der Menschen in allen Stadtteilen eingeht?
Dirk Hofmann: Die Kelkheimer CDU setzt sich aus engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern zusammen. Sie kommen aus allen Stadtteilen und den unterschiedlichsten Berufsgruppen, sind in Vereinen und Bürgervereinigungen aktiv und hören dort den Menschen zu. Diesen Erfahrungsschatz bringen sie in die politische Arbeit ein. Mit dem 10-Punkte-Plan machen wir als CDU den Menschen ein Angebot, das wir für attraktiv und zukunftsgerichtet halten. Wir bieten allen Bürgerinnen und Bürgern an, darüber mit uns ins Gespräch zu kommen. Im Gegensatz zu anderen politischen Gruppierungen betrachten wir kein Thema durch die ideologische Brille. Auch wir wollen beispielsweise den ÖPNV, für den wir eine Menge Geld ausgeben, attraktiver machen und dadurch stärken. Für Radfahrer hat sich in den vergangenen Jahren vieles zum Positiven verändert, aber auch da kann noch nachgelegt werden. Trotzdem macht es keinen Sinn, das Auto zu verteufeln. Denn zu der von Ihnen angesprochenen Lebenswirklichkeit gehört nun einmal, dass das Auto nicht wegzudenken und für viele essentiell ist.
Carsten Schrage: Auf der Kommunalwahlliste der CDU stehen Persönlichkeiten aus allen Stadtteilen, die in den dortigen Vereinen aktiv sind und jederzeit ein offenes Ohr haben. Sie bekommen aus erster Hand mit, wo der „Schuh drückt“.
Sie wollen digitale Services ausbauen – wie stellen Sie sicher, dass dabei niemand „abgehängt“ wird, etwa ältere Menschen oder Menschen ohne schnellen Internetzugang und wo liegen die Prioritäten bei der Digitalisierung der Verwaltung – geht es zuerst um Effizienz für die Verwaltung oder echten Service-Nutzen für die Bürger?
Carsten Schrage: Effizienz in der Verwaltung und echter Service-Nutzen schließen sich nicht aus – ganz im Gegenteil. Wir wollen beides. Die Digitalisierung der Verwaltung bietet die Chance, dass Anliegen der Bürger schneller bearbeitet werden, aber auch interne Prozesse besser laufen, wodurch die Verwaltung schlanker werden kann. In diesem Rahmen könnten Mitarbeiter anfangs zu „Digital-Lotsen“ werden und Bürgern, die damit noch Probleme haben, assistieren und unterstützen. So stellen wir sicher, dass niemand abgehängt wird. Außerdem sehen wir die Digitalisierung auch als Chance, dass die interkommunale Zusammenarbeit besser läuft bzw. erst möglich wird.
Dirk Hofmann: Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Wir werden bezüglich schnellem Internet und Digitalisierung mittlerweile von Staaten abgehängt, von denen wir es noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten haben. Die Kunst besteht darin, sowohl die Notwendigkeit als auch die Vorteile aufzuzeigen, um die Leute „mitzunehmen“. Ich weiß, dass das nicht immer leicht ist. Aber gerade die von Herrn Schrage angesprochene interkommunale Zusammenarbeit wird künftig von großer Bedeutung sein. Sie wird Synergieeffekte schaffen und den Kommunen dringend benötigte finanzielle Spielräume verschaffen.
Das geplante Sportzentrum am Engelkreisel wird – realistisch betrachtet – noch viele Jahre dauern. Was sagen Sie den Vereinen, die heute Trainingszeiten streichen, Wartelisten führen oder Kinder abweisen müssen und gibt es einen konkreten „Zwischenplan Sport“ für die nächsten 3–5 Jahre – oder sollen Vereine einfach durchhalten, bis irgendwann gebaut wird?
Carsten Schrage: Leider ist in der Stadtverordnetensitzung am 09.02.26 unser Beschleunigungsplan für das Sportzentrum am Engelkreisel durch die anderen Parteien blockiert worden. Da werden wir aber nochmal in Gespräche gehen. Parallel wurde jedoch die Grundlage für die Sportanlage am Kloster gelegt, der die CDU zugestimmt hat. Aus unserer Sicht ist der Bedarf so hoch, dass es richtig ist, beide Vorhaben voranzutreiben. Leider werden sie nicht schon morgen kommen. Was mich aber besonders an der Ablehnung unseres Turbos für das Sportzentrum am Engelkreisel stört: immer wieder heißt es, das Verfahren sei zu komplex und von der Topographie her schwierig umzusetzen. Mich ärgert sowohl diese Mutlosigkeit als auch die Tatsache, dass beispielsweise von der ukw dieser Standort als geeignet für ein neues Feuerwehrgebäude betrachtet wurde. Würden dann die obigen Bedenken etwa nicht mehr gelten?
Dirk Hofmann: Kurzfristig können die aktuellen Hallenbelegungszeiten überprüft und optimiert werden. Gegebenenfalls könnten sich auch die Prioritäten an der ein oder anderen Stelle verschieben. Aber letztendlich müssen wir alle Vereine fair behandeln. Zur Wahrheit gehört: von heute auf morgen wird es keine einfachen Lösungen geben, schon gar nicht zu akzeptablen Kosten. Wer etwas anderes suggeriert, streut den Leuten Sand in die Augen und weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.
Thema Hornau West: Die Kritik der Bürgerinitiative lautet, dass grundlegende Risiken – z. B. Verkehr, Grundwasser, Kosten, Verdichtung – nicht transparent genug bewertet wurden. Halten Sie diese Sorgen für gerechtfertigt und wie reagieren Sie jetzt, da wir wissen, dass das Bürgerbegehren erstmal erfolgreich war?
Carsten Schrage: An dieser Stelle erst einmal Respekt an die BI – das ist in der Tat gelebte Demokratie. Aber auch wir Parlamentarier sind demokratisch gewählt und beschäftigen uns nun schon seit 2016 mit dieser Materie. Das Verfahren war stets transparent, offen und nach außen nachvollziehbar. Alle gefassten Beschlüsse und die zugrundeliegenden Unterlagen waren und sind im Bürgerinformationssystem der Stadt zugänglich, außerdem sind ja auch alle Sitzungen öffentlich. Von daher kann ich diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Klar ist, dass sich das Projekt nun langsam manifestiert – es wird real und damit auch greifbarer. Im Dezember 2025 wurde beschlossen, dass ein Bebauungsplan aufzustellen ist. Wie in jedem Bebauungsplanverfahren erfolgt eine Offenlage sowie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, in der sämtliche Bedenken geäußert werden können. Das ganze Verfahren ist maximal transparent und öffentlich – für Fundamentalkritik gibt es daher keinen Anlass. Des Weiteren gibt es meines Wissens keine politische Gruppierung, die sich eine Bebauung in diesem Areal überhaupt nicht vorstellen kann. Auch wird in dieser Umgebung höchstwahrscheinlich ein Kindergarten entstehen. Das widerspricht ja klar den Forderungen der BI, die offenbar in Hornau-West keinerlei Bebauung dulden würde.
Dirk Hofmann: Selbstverständlich respektieren wir das Ergebnis des Bürgerbegehrens, auch wenn wir das, was während der Unterschriftensammlung durch die BI als „Fakten“ präsentiert wurde, nicht nachvollziehen können. Aus meiner Sicht überwiegen aus gesamtstädtischer Sicht die positiven Aspekte von Hornau-West. Ich denke, dass dies auch die Mehrheit der Kelkheimerinnen und Kelkheimer so sieht und bei einem Bürgerentscheid entsprechend votieren wird.
Die CDU verspricht weniger Verkehr in der Innenstadt durch die Gagernspange. Kritiker sagen: Der Verkehr verschwindet nicht, er wird nur verlagert – vor allem nach Hornau-Nord und das schon jetzt gebeutelte Fischbach. Wie rechtfertigen Sie dieses Ungleichgewicht gegenüber den betroffenen Anwohnern?
Carsten Schrage: Wir führen viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. Tatsächlich wurde von Fischbachern kaum Kritik an uns herangetragen. Auf jeden Fall würden die Anwohner unterhalb des Hühnerbergs auf Kelkheimer Seite entlastet. Laut den Gutachtern wird der Verkehr in Zukunft zunehmen - unabhängig von Hornau-West. Da der ÖPNV leider nicht so zuverlässig ist, wie wir uns das wünschen, muss der Verkehr wenigstens zügig durch Kelkheim geleitet werden. Die Gagernspange ist aus unserer Sicht nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung: wir können den Bahntakt anders gestalten, die leidigen Rückstaus fallen weg, und der Verkehr fließt einfach besser. Aus unserer Sicht ist es unrealistisch, dass unzählige „Taunus-Pendler“, die nicht auch heute schon durch Kelkheim fahren, zusätzlich angezogen werden. Die Gutachten geben das auch nicht so her.
Dirk Hofmann: Wäre seinerzeit der Weiterbau der B8 gekommen, würden wir über viele Probleme, die wir heute haben, gar nicht reden. Auch das Projekt einer sogenannten „Fischbachspange“ war nicht umsetzbar. Aber der Blick zurück ist wenig hilfreich. Da wir den Verkehr nun einmal nicht wegzaubern können, müssen wir ihn flüssiger machen –und im Übrigen auch sicherer. Denken Sie an die tagtäglichen Situationen rund um den Bahnübergang in Kelkheim-Mitte oder den Verkehr, der über die Pestalozzistraße an einer Kita und einer Grundschule vorbei in den Gagernring fließt. Durch die Gagernspange würden wir diese neuralgischen Punkte entlasten und für unsere Kinder sicherer machen.
Sie befürworten den 15-Minuten-Takt der RB12, setzen auf den „Colibri“ und neue Straßen. Was ist dabei die klare Leitlinie: Verkehrsverlagerung, Verkehrsvermeidung – oder am Ende doch nur Verkehrsverteilung?
Carsten Schrage: Die Zeiten einer einzig und allein „autogerechten“ Stadt sind vorbei – die menschenfreundliche Stadt muss unser Ziel sein. Dabei setzen wir in der Tat auf einen Mobilitätsmix aus PKW, ÖPNV und Fahrrad. Wir wollen aber keine Mobilitätsform aus ideologischen Gründen ausschließen und haben das große Ganze im Blick und schauen, dass wir in diesem Rahmen eine vernünftige Förderung betreiben.
Dirk Hofmann: Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich in dieser Frage auf meine obigen Aussagen zum 10-Punkte-Plan. Der Mix macht´s.
Feuer und Flamme für die Feuerwehr, so Ihr Slogan. Warum hält die CDU an einem gemeinsamen Feuerwehrstandort in Hornau-West fest, obwohl Teile der Feuerwehr Fischbach diesen Standort ablehnen? Wie realistisch ist eine Planung, wenn eine zentrale Säule der Gefahrenabwehr nicht mitziehen will?
Carsten Schrage: Wir sind alle keine Experten – das sind vielmehr die Gutachter und die Führung der Feuerwehr Kelkheim. Diese Experten haben uns verschiedene Standorte vorgeschlagen, und nach sorgfältiger Abwägung stellte sich Hornau-West als der beste dar. Die Haltung von Teilen der Fischbacher Feuerwehr ist zu respektieren, allerdings gibt es aus Mitte und Hornau eine überwältigende Zustimmung, die nicht ungehört bleiben darf. Fakt ist, dass eine Sanierung oder gar eine Erweiterung der bestehenden Standorte nur schwer und mit hohem Aufwand möglich ist. In der Debatte dürfen wir auch unsere hauptamtlichen Feuerwehrleute nicht vergessen, die einen wichtigen Beitrag zur Tagesalarmsicherheit leisten. Diesen städtischen Angestellten sind wir ebenfalls verpflichtet, sie haben Anspruch auf vernünftige, den aktuellen DIN-Normen entsprechende Arbeitsbedingungen – wie die Ehrenamtlichen natürlich auch. Niemand wird den Willen der Feuerwehr ignorieren, das gilt auch und insbesondere für Fischbach. Wir wollen überzeugen, nicht überreden, dass ein neuer Standort zukunftsgerichtet ist. Hierzu sind wir jederzeit für Gespräche bereit.
Dirk Hofmann: Zur Erinnerung: Es waren die Wehrführungen von Fischbach, Hornau und Mitte, die vor mittlerweile rund einem Jahrzehnt auf die Stadt Kelkheim zugegangen sind und sich für eine Zusammenlegung ausgesprochen haben. Es war also mitnichten so, dass seitens der Politik in irgendeiner Weise Druck ausgeübt wurde. Unser Blick muss darauf gerichtet sein, dass wir auch künftig über eine moderne Freiwillige Feuerwehr verfügen, die unter schwierigen Bedingungen und unter Hintanstellung ihrer Freizeit für unsere Sicherheit sorgt. Wir befürworten daher den zeitgemäßen Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrgebäudes.
Welchem Projekt wird in den nächsten fünf Jahren die höchste Priorität von Seiten der CDU eingeräumt?
Carsten Schrage: Ganz klar Hornau-West. Es ist das letzte große Infrastruktur-Projekt für Kelkheim. Dort fließen ganz zentrale Dinge zusammen wie Wohnraum, Verkehr und Sicherheit. Spätestens seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine wissen wir alle, dass nur ein Feuerwehrstandort nicht ausreichend ist. Daher auch der Antrag der CDU, den Standort als Katastrophenschutz-Zentrum zu konzipieren.
Dirk Hofmann: Zweifellos ist Hornau-West eines der Ankerprojekte und ein wesentlicher Baustein für die zukünftige positive Entwicklung Kelkheims. Selbstverständlich werden wir hierbei auch potenzielle Risiken genau im Auge behalten. Was die Finanzen anbelangt, so gilt für Kelkheim wie für alle Kommunen, dass unsere Stimme gegenüber Berlin unbedingt lauter werden muss. Als kleinste Einheiten werden die Kommunen bzw. unser Landkreis mit einem Netz an zusätzlichen Aufgaben überzogen, ohne dafür eine ausreichende finanzielle Kompensation zu erhalten. Das verfassungsrechtlich garantierte kommunale Selbstbestimmungsrecht droht zur Makulatur zu werden, wenn nur noch Pflichtaufgaben erfüllt werden können, aber der finanzielle Spielraum für freiwillige Leistungen, die eine Stadt nun einmal ausmachen, immer weiter schmilzt.

