Barocke Musik auf Harfe, Gitarre und Mandoline

Das Ensemble „sixty1strings“ mit modernen Instrumenten und Barock-Harfe (r.). Foto: ks

Bad Homburg (ks). Wir sind es gewöhnt, dass Musik laut daherkommt, und so war es fast ein Schock, dass sie so dezent und in so angenehmer Lautstärke erklingen kann, obwohl sie auf „60 plus einer Saite“ gespielt wird. Dieses Erlebnis wurde den Zuhörern beim zweiten Kammerkonzert in der Schlosskirche von den Künstlerinnen Ekaterina Solovey (Mandoline), Negin Habibi (Gitarre) und Konstanze Kuß (Harfe) zuteil: Einem Ensemble mit dem Namen „sixty1strings“ in einer „weltweit einmaligen Besetzung“, für die es wenig Literatur gibt. Die Künstlerinnen konzentrieren sich auf die Originalkompositionen, transkribieren orchestrale Werke und widmen sich in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten auch deren Werken. Der Veranstalter und künstlerische Leiter Karl-Werner Joerg hat sich mit dieser neuen Kammermusikreihe vorgenommen, gerade Ensembles in außergewöhnlicher Besetzung vorzustellen, und er hat eine gute Wahl getroffen. Diese drei musikalisch und technisch brillanten Künstlerinnen haben beeindruckt und auch mit ihrer Programmzusammenstellung überzeugt und begeistert.

Im ersten Teil stand Barockmusik im Mittelpunkt, die auf Nachbauten barocker Instrumente gespielt wurde, während im zweiten Teil moderne Instrumente wie die Doppelpedalharfe, die Konzertgitarre und eine moderne Mandoline zum Einsatz kamen. Vor dem inneren Auge entstanden „höfische“ Szenarien, mit tief dekolletierten Damen in üppigen Gewändern, Herren in Kniehosen zum spitzenverzierten Wams, auf den Köpfen üppige Perücken. Sie schreiten gemessen einher, die Paare präsentieren kunstvolle Figuren, die man nicht als „Tanz“ bezeichnen würde. Dass es auf dem Land fröhlicher und rhythmisch ausgelassener zugeht, hat die „Aria sopra la Bergamasca“ von Marco Uccellini bewiesen, einem „humoristisch“ anmutenden Tanz aus Bergamo, den auch andere Komponisten, darunter Dietrich Buxtehude, adaptiert haben. Zu den bekannteren Komponisten im ersten Teil gehörten Vivaldi, Scarlatti und Debussy; eher unbekannt dagegen waren die Spanier Gaspar Sanz und Marin Marais.

Der Argentinier Alberto Ginastera lässt in den „Danzas Argentinas“ Menschen seiner Heimat wie den alten Rinderhirten, den boshaften Gaucho und auch das „anmutige Mädchen“ auftreten. Sie steht für die argentinische „tristeza“, der Hirte ist ein bisschen „zerrissen“, der Gaucho eher wild. Von Camille Saint-Saëns präsentierten die Musikerinnen den Titel „Aquarium“ aus dem „Karneval der Tiere“, und von Hans-Werner Henze stammte die einzige dreiteilige Originalpartitur für Mandoline, Gitarre und Harfe, die 1974 entstanden ist. Diese Komposition wird allen drei Instrumenten gerecht, und die Klänge, die einzelnen Töne und eine Art Lautmalerei fügten sich „spielerisch“ zu einem spannenden Ganzen zusammen.

Alberto Iglesias, 1955 geboren, ist ein „moderner“ Komponist, der auch Filmmusiken schreibt. Mit „Hable con Ella“ (Sprich mit ihr) entstand sie zum gleichnamigen spanischen Filmdrama. Darin geht es um zwei unglückliche Männer, deren Herzen für zwei im Koma liegende Frauen schlagen. Der Herzschlag ist rhythmisch präsent, die Harfe die treibende Kraft. Die Grundstimmung ist melancholisch und an die Vergänglichkeit der Liebe gemahnend. Ein Ausklang zum Nachdenken am Ende eines anregenden Konzerts, das gut aufgenommen und mit viel Applaus belohnt wurde.



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