Bad Homburg (js). Mit dem aktuellen Besuch von Necati Öziri, dem jüngsten Träger des Hölderlin-Förderpreises, könnte eine neue Literatur-Zeit in der Villa Wertheimber beginnen. Ganz oben unterm Dach, in dem geräumigen Apartment mit großem Arbeits- und Wohnbereich, mit riesigem Schreibtisch, an dem auch mehrere Menschen arbeiten könnten. Das ist nicht die Idee für eine Umwandlung der „Hölderlin-Wohnung“, wohl aber, dass die zukünftigen zeitweiligen Bewohner ein erweitertes Betätigungsfeld haben werden als jene, die bis jetzt in den Genuss einer kostenfreien Dichterstube kamen.
Bisher war die Hölderlin-Wohnung im Dachgeschoss der Villa ausnahmslos für Schriftsteller vorgesehen, die den Hölderlin-Preis gewonnen haben oder mit Forschungsarbeiten über den Dichter und sein Werk beschäftigt sind, der so viele Spuren in der Kurstadt hinterlassen hat. Einst auf der „Kulturmeile“ Dorotheenstraße untergebracht, ist die Dichterwohnung in die Villa umgesiedelt worden, in der auch das Hölderlin-Kabinett untergebracht ist. Meist ist sie allerdings unbewohnt. Das soll sich ändern, wenn die Bewerbung auf ein zeitlich begrenztes gefördertes Wohnen für alle Literaturschaffenden offen ist.
Mit dem neuen Konzept, an dem Kulturamtsleiterin Bettina Gentzcke gerade mit ihrem neuen Mitarbeiter Klaus Strohmenger feilt, dem langjährigen Leiter der Stadtbibliothek, soll sich das in diese Richtung ändern. „Die Wohnung war zu wenig sichtbar“, so Bettina Gentzcke, sie soll in Zukunft nicht mehr nur an Hölderlin-Forscher und -Preisträger vergeben werden. Das neue Team arbeitet an einer Art Stadtschreiber-Konzept mit offenen Bewerbungen, auch Stipendiaten könnten hier zeitweise unterkommen und Freiräume für ihre schriftstellerische Arbeit bekommen, das ist die Idee.
Den Herrn Hölderlin würde es sicherlich freuen, auch er musste sich sein Leben mit Nebenjobs finanzieren. „Wir sind hier noch am Anfang“, so Gentzcke, ein Stadtschreiber auf Zeit für Bad Homburg könnte sich jedenfalls gut machen im Kultur-Portfolio der Stadt.
Und durch spezielle Veranstaltungen auch zu mehr Anziehungskraft der Villa Wertheimber im Gustavsgarten beitragen.
In der Villa Wertheimber befindet sich die Stadtschreiber-Wohnung, in der gerade Hölderlin-Preisträger Necati Öziri zu Gast ist. Die Wohnung könnte auch anderen Literaturschaffenden zugänglich gemacht werden.Foto: js
