Hölderlinpreis der Stadt geht an Anke Stelling

Die Autorin Anke Stelling wird mit dem Hölderlinpreis ausgezeichnet. Foto: Nane Diehl

Bad Homburg (hw). Die Schriftstellerin Anke Stelling erhält den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt. Oberbürgermeister Alexander Hetjes wird die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag, 9. Juni, in der Schlosskirche überreichen. Die Laudatio auf Stelling hält Jury-Mitglied Heinz Drügh. Der mit 7500 Euro dotierte Förderpreis geht an Eckhart Nickel. Laudator ist der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn.

In der Begründungen der Jury für die Vergabe des Preises heißt es: „Anke Stellings Prosa analysiert auf hochsensible Weise die Mittelstandsgesellschaft der Gegenwart. Ihre jüngsten Romane ‚Bodentiefe Fenster‘, ‚Fürsorge‘ und ‚Schäfchen im Trockenen‘ bilden zusammengenommen eine Trilogie moderner Gemeinschaft. Mit soziologischer Präzision stellt Anke Stelling dar, wie und mit welchen Konsequenzen heutige Bürgerlichkeit von den antibürgerlichen Werten der 68er infiziert worden ist: von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung, lustvollem Konsum und Kreativität. Doch wo bleibt in diesem Zusammenhang die Kunst? Kann sie fröhlich mittun und doch der feinste Seismograf ihrer Zeit bleiben? Und welchen Ton hat die Literatur für ihre Erkundungen zu wählen? Diesen Fragen widmet sich Anke Stellings Arbeit: ebenso neugierig wie mitunter zornig, vor allem aber mit den eigentlichen Erkenntnisformen des Poetischen: mit Genauigkeit, Feinfühligkeit und Witz.“

Wohnort Berlin

Erste Veröffentlichungen von Anke Stelling waren „Gisela“ (1999) und „Nimm mich mit“ (2002), die sie mit Robby Dannenberg schrieb. Mit ihm zusammen erhielt sie 2003 den Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates Sachsen. „Gisela“ wurde 2004 verfilmt. Es folgten „Glückliche Fügung“ (2004), „Horchen“ (2010), „Bodentiefe Fenster“ (2015) und „Fürsorge“ (2018). Darüber hinaus schrieb Anke Stelling ein Kinderbuch („Erna und die drei Wahrheiten“, 2017), Essays und mehrere Drehbücher. Die Autorin wurde 1971 in Ulm geboren, wuchs in Stuttgart auf und studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Zum Träger des Förderpreises, Eckhart Nickel, schreibt die Jury: „Nickel hat mit seinem Romandebüt ‚Hysteria‘ das Buch zum Anthropozän geschrieben. Dass etwas faul ist in diesem Staate Landlust der näheren Zukunft, markiert schon der erste Satz dieser so eleganten wie durchtriebenen Prosa: ‚Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht‘. Eckhart Nickels Text, der den Weg vom Ökomarkt ins Hightechlabor nachzeichnet, verknüpft dabei überaus anspielungsreich und mit abgründigem Humor den Biowahn unserer Zeit mit der schwarzen Romantik.“

Eckhart Nickel, 1966 in Frankfurt am Main geboren, veröffentlichte mit „Hysteria“ seinen ersten Roman. Seit seinem Studium der Kunstgeschichte und Literatur arbeitet Nickel als Journalist. Unter anderem schreibt er für die „Süddeutsche“ und die F.A.Z. über Stil- und Modefragen. Eine Erzählsammlung legte er vor, weitere Veröffentlichungen gab es zusammen mit Benjamin von Stuckrad-Barre und dem Schweizer Autor Christian Kracht.

Der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 jährlich von der Stadt gemeinsam mit der Stiftung Cläre Jannsen als allgemeiner Literaturpreis vergeben. Zur Jury gehören Vorsitzende Sandra Kegel (F.A.Z.) sowie Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Professor Dr. Sabine Doering (Hölderlin-Gesellschaft), Professor Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Freies Deutsches Hochstift), Professor Dr. Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk) und Alina Herbing als Vertreterin der Vorjahrespreisträger.

!Der Festakt zur Überreichung der Preise findet am Sonntag, 9. Juni, um 11 Uhr in der Schlosskirche statt. Karten kosten zwischen fünf und zwölf Euro. Sie sind erhältlich bei adticket sowie bei Tourist Info + Service im Kurhaus, Telefon 06172-1783710, und bei Palm-Tickets in den Louisen Arkaden, Telefon 06172-921736.

kalender.png



X