Hommage an den Mann mit Hornbrille

Bad Homburg (jas). Er gilt als Urvater der deutschen Comedy, als Spaßmacher des Wirtschaftswunders und ungekrönter Kalauerkaiser – Heinz Erhardt. Anlässlich der Tatsache, dass der Comedian in diesem Jahr 116 Jahre alt geworden wäre, ließen ihn die Kabarettisten Frank Sauer und Volkmar Staub sowie Handtheatervirtuose Günter Fortmeier am Donnerstagabend im Kulturzentrum Englische Kirche hochleben.

Wie es sich für eine Geburtstagsparty gehört, hatte das Trio nicht nur Sekt kaltgestellt und sich farbenfroh-festlich gekleidet, sondern empfing die zahlreichen Geburtstagsgäste auch mit einem Ständchen für den Jubilar. Denn: „Bis heute gilt nur eins, Heinz bleibt Heinz“, lautete der Refrain.

Vielen ist der Comedian, dessen Markenzeichen die dicke Hornbrille mit Fensterglas und der biedere graue Anzug waren, noch bestens ins Erinnerung. Und mit ihm auch seine zahlreichen Reime, Lieder und Sketche, die er am liebsten mit der Ankündigung „noch‘n Gedicht“ zum Besten gab.

Mit flotten Sprüchen und einer ordentlichen Portion guter Laune nahm das Trio Staub-Sauer-Fortmeier sein Publikum mit auf eine Reise hinein in Heinz Erhardts dichterische Welt. Zum Reinhören und Warmlachen starteten die drei Herren mit einigen Vierzeilern, darunter „Die Nase“, „Ein Nasshorn und ein Trockenhorn“, „Die Sphinx“ und „Der Kuckuck“. Schnell wurde klar: Es sitzen Heinz-Erhardt-Kenner im Bad Homburger Publikum. Viele Zeilen wurden mitgesprochen, herzlich darüber gelacht wurde am Ende trotz allem.

Sein großartiges Können als Handtheaterspieler stellte Fortmeier beim Spiel auf der Puppentheaterbühne unter Beweis, wo er Erhardts Gedicht „Sommeranfang“ präsentierte. Darin heißt es unter anderem: „Mit Frischem füllen sich die Keller. Es sinkt der Öl- und Lichtverbrauch. Die Nächte werden wieder heller. Der Tag nimmt zu. Die Oma auch.“ Dass Erhardt sich in seinem Werk zahlreichen Klassikern der Literatur gewidmet und sie neu interpretiert hatte, zeigten die Protagonisten mit Liedern wie „Der Tauchenichts“ und dem Gedicht „Der König Erl“ frei nach Johann Wolfgang von Goethe. Auf der Bühne verwandelte sich Fortmeier kurzerhand in den verzweifelten Vater, der mit seinem Sohn – einer großen Stoffpuppe – durch Wind und Nacht reitet. In Erhardts Fassung heißt es: „Wer reitet so spät durch Wind und Nacht? Es ist der Vater. Es ist gleich acht. Im Arm den Knaben er wohl hält, er hält ihn warm, denn er ist erkält’. Halb drei, halb fünf. Es wird schon hell. Noch immer reitet der Vater schnell. Erreicht den Hof mit Müh und Not – der Knabe lebt, das Pferd ist tot!“ Tiere spielten auch in anderen Gedichten des Komikers eine Rolle, die in der Englischen Kirche rezitiert wurden. So hörte das Publikum die Geschichte vom „Fischchen“ ebenso wie das bekannte Gedicht „Die Weihnachtsgans“.

Mit ordentlich Hall schmetterten Staub, Sauer und Fortmeier dann als Mitglieder des Männergesangvereins „Halbe Lunge“ das Erhardt-Lied „Immer wenn ich traurig bin, trink ich einen Korn“. Dem Publikum gefiel‘s, der Lohn war kräftiger Applaus. Da zu Erhardts Werk zahlreiche Sketche gehören und der Komiker für seine Improvisationsfähigkeit bekannt war, stand auch diese Art der Unterhaltung auf dem Showprogramm. Im Mittelpunkt: Eine feine ältere Puppendame namens Gisela, geführt von Günter Fortmeier. Die Geschichte: Gisela hat einen Geliebten, ihr Mann ist erst „außer Haus, später außer sich“. Die Herausforderung: Alle Worte beginnen mit dem Buchstaben G. Doch Gisela turtelt nicht nur mit ihrem Geliebten, sondern auch mit Günter im Publikum. Dann plötzlich Schüsse. „Gesäß getroffen, Gehirn gelöchert.“ Das Fazit: Gisela ganzes Geld geerbt. Ein herrlicher Spaß so wie die komplette Hommage an den Mann mit der Brille.

Ganz genau schauen (v. l.) Volkmar Staub, Günter Fortmeier und Frank Sauer in das große Heinz-Erhardt-Buch und geben so manches Gedicht des Komikers zum Besten. Foto: jas



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